Tibiotalocalcaneare Arthrodese – Sprunggelenk versteifung
Die tibiotalocalcaneare Arthrodese ist ein operativer Eingriff, bei dem das obere Sprunggelenk und das untere Sprunggelenk chirurgisch versteift werden, um Schmerzen zu lindern und die Stabilität des Fußes wiederherzustellen.
Wissenswertes über "Tibiotalocalcaneare Arthrodese"
Die tibiotalocalcaneare Arthrodese ist ein operativer Eingriff, bei dem das obere Sprunggelenk und das untere Sprunggelenk chirurgisch versteift werden, um Schmerzen zu lindern und die Stabilität des Fußes wiederherzustellen.
Was ist die tibiotalocalcaneare Arthrodese?
Die tibiotalocalcaneare Arthrodese (kurz: TTC-Arthrodese) ist ein orthopädisch-chirurgischer Eingriff, bei dem das obere Sprunggelenk (zwischen Schienbein/Tibia und Sprungbein/Talus) sowie das untere Sprunggelenk (zwischen Sprungbein/Talus und Fersenbein/Calcaneus) operativ versteift werden. Ziel ist es, irreparabel geschädigte Gelenkflächen dauerhaft zu stabilisieren, chronische Schmerzen zu beseitigen und eine tragfähige Beinachse wiederherzustellen.
Der Begriff setzt sich aus den lateinischen Bezeichnungen der beteiligten Knochen zusammen: Tibia (Schienbein), Talus (Sprungbein) und Calcaneus (Fersenbein). Die Arthrodese bedeutet wortwörtlich die operative Versteifung eines Gelenks.
Indikationen – Wann wird die Operation durchgeführt?
Die TTC-Arthrodese wird eingesetzt, wenn konservative Therapiemaßnahmen nicht mehr ausreichen und die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigt ist. Typische Indikationen sind:
- Fortgeschrittene Sprunggelenksarthrose (Arthrosis deformans) mit Zerstörung mehrerer Gelenkebenen
- Rheumatoide Arthritis mit schwerem Gelenkbefall des oberen und unteren Sprunggelenks
- Posttraumatische Arthrose nach Frakturen oder Luxationen im Sprunggelenksbereich
- Avaskulare Knochennekrose des Sprungbeins (Talusnekrose)
- Schwere Fehlstellungen des Rückfußes wie Knick-Plattfußdeformität im Erwachsenenalter
- Neuroarthropathie (z. B. Charcot-Fuß bei Diabetes mellitus)
- Revisionseingriffe nach gescheiterten Sprunggelenksendoprothesen
Operationstechnik und Vorgehen
Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder Rückenmarksnähe und dauert in der Regel zwischen zwei und vier Stunden. Im Wesentlichen werden folgende Schritte durchgeführt:
- Chirurgischer Zugang zum Rückfuß (meist retrograd oder von lateral)
- Entfernung des verbleibenden Gelenkknorpels an Tibia, Talus und Calcaneus
- Ausrichten der Knochen in einer funktionell günstigen Position (neutraler Fußwinkel, leichte Außenrotation)
- Fixierung der Knochen – meistens mittels eines retrograden Marknagels (intramedullärer Nagel), der vom Fersenbein durch Talus und Tibia eingebracht wird
- Zusätzliche Fixierung mit Schrauben oder Platten je nach anatomischer Situation
- Optional: Einbringen von Knochentransplantat (autolog oder allograft) zur Förderung der Knochenheilung
Alternativ zur Nagelosteosynthese kann in bestimmten Fällen ein Fixateur externe oder eine Plattenosteosynthese eingesetzt werden.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Die Nachbehandlung spielt eine entscheidende Rolle für den Operationserfolg:
- Ruhigstellung: In den ersten Wochen nach der Operation wird der Fuß in einem Unterschenkelgips oder einer Orthese ruhiggestellt.
- Entlastung: Die betroffene Extremität wird üblicherweise für 6 bis 12 Wochen vollständig entlastet.
- Physiotherapie: Gezielte Krankengymnastik zur Kräftigung der umliegenden Muskulatur und Schulung des Gangbildes.
- Knöcherne Konsolidierung: Die vollständige knöcherne Durchbauung (Fusion) dauert in der Regel 3 bis 6 Monate, kann aber länger dauern.
- Röntgenkontrollen: Regelmäßige bildgebende Verlaufskontrollen zur Überprüfung der Knochenheilung.
Ergebnisse und Prognose
Die TTC-Arthrodese führt bei erfolgreichem Verlauf zu einer deutlichen Schmerzreduktion und Verbesserung der Standfähigkeit. Da das obere und untere Sprunggelenk versteift werden, geht die Beweglichkeit in diesen Gelenken dauerhaft verloren. Kompensatorisch übernehmen benachbarte Gelenke (z. B. Lisfranc-Gelenk, Chopart-Gelenk) einen Teil der Bewegungsfunktion.
In der Literatur werden Fusionsraten von 80 bis 95 Prozent berichtet. Die Patientenzufriedenheit ist bei korrekter Indikationsstellung und sorgfältiger Nachbehandlung überwiegend gut bis sehr gut.
Mögliche Risiken und Komplikationen
Wie jeder operative Eingriff birgt auch die TTC-Arthrodese Risiken:
- Pseudarthrose: Ausbleibende knöcherne Fusion (in ca. 5 bis 15 % der Fälle)
- Wundheilungsstörungen und Infektionen
- Implantatversagen oder -lockerung
- Nervenverletzungen (z. B. N. suralis)
- Thromboembolien (tiefe Venenthrombose, Lungenembolie)
- Sekundärarthrose benachbarter Gelenke durch veränderte Belastungsverteilung
- Fehlstellung bei Fusion in falscher Position
Risikofaktoren für Komplikationen sind unter anderem Diabetes mellitus, Nikotinabusus, Osteoporose und periphere Durchblutungsstörungen.
Quellen
- Zwipp H, Rammelt S: Tarsale Arthrodesen. In: Wirth CJ, Mutschler W (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag, Stuttgart, 2013.
- Chaparro-Rico BDM, Sebastiani E, Murgia A et al.: Tibiotalocalcaneal Arthrodesis with Retrograde Intramedullary Nail: A Systematic Review. Foot and Ankle Surgery, 2022. PubMed PMID: 34556406.
- Budnar VM, Hyer CF: Tibiotalocalcaneal Arthrodesis. In: Foot and Ankle Clinics of North America. Elsevier, 2011; 16(1): 103–114.
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