Trabekel – Definition, Funktion und klinische Bedeutung
Trabekel sind feine Gewebestränge oder Knochenbalken, die in verschiedenen Organen vorkommen und dort Stützfunktionen übernehmen. Sie sind ein wichtiger struktureller Bestandteil des menschlichen Körpers.
Wissenswertes über "Trabekel"
Trabekel sind feine Gewebestränge oder Knochenbalken, die in verschiedenen Organen vorkommen und dort Stützfunktionen übernehmen. Sie sind ein wichtiger struktureller Bestandteil des menschlichen Körpers.
Was sind Trabekel?
Trabekel (lateinisch: trabecula, "kleiner Balken") sind feine, balkenartige Gewebestrukturen, die in verschiedenen Organen und Geweben des menschlichen Körpers vorkommen. Sie bestehen je nach Organ aus Knochen-, Binde- oder Muskelgewebe und erfüllen vor allem mechanische Stütz- und Stabilisierungsfunktionen. Gleichzeitig dienen sie der strukturellen Gliederung von Organen in kleinere funktionelle Einheiten.
Vorkommen und Funktion
Trabekel im Knochen (Spongiösa)
Am bekanntesten sind Trabekel als Bestandteil der Knochenbälkchen in der Spongiösa, dem inneren Schwammknochen. Diese feinen Knochenbalken sind dreidimensional vernetzt und verlaufen entlang der Hauptbelastungslinien des Knochens. Dadurch ermöglichen sie eine hohe Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht. Im Inneren der Trabekel befindet sich das rote Knochenmark, das für die Blutbildung zuständig ist.
Trabekel in der Milz
In der Milz verlaufen Trabekel vom Bindegewebsbalg (Kapsel) ins Innere des Organs. Sie enthalten Blutgefäße und glatte Muskelzellen und unterteilen das Milzgewebe in kleinere Abschnitte. Dadurch tragen sie zur strukturellen Organisation dieses Immunorgans bei.
Trabekel im Herzen
Im Herzen bezeichnet man als Trabeculae carneae (Fleischbälkchen) die muskulären Vorwölbungen und Leisten an der Innenwand der Herzkammern. Sie vergrößern die Herzwandfläche und verbessern die mechanische Effizienz des Herzschlags.
Trabekel im Auge (Trabekelwerk)
Eine besondere klinische Bedeutung hat das Trabekelwerk (Trabecula corneoscleralis) im Auge. Es handelt sich um ein schwammartiges Gewebe im Kammerwinkel des Auges, durch das das Kammerwasser abfließt. Ein gestörter Abfluss durch das Trabekelwerk kann den Augeninnendruck erhöhen und zum Grünen Star (Glaukom) führen.
Trabekel in anderen Organen
Trabekel kommen auch in anderen Organen vor, darunter:
- Lymphknoten: Trabekel verlaufen von der Kapsel in das Innere und gliedern das Lymphknotengewebe.
- Thymus: Bindegewebstrabekel unterteilen den Thymus in Läppchen.
- Leber und Pankreas: Feine Bindegewebsstrukturen gliedern das Druesengewebe.
Klinische Bedeutung
Veränderungen an Trabekeln können medizinisch relevant sein. Wichtige Beispiele sind:
- Osteoporose: Bei dieser Erkrankung werden die Knochentrabekel dünner und rar, was die Knochenfestigkeit erheblich vermindert und das Frakturrisiko erhöht.
- Glaukom (Grüner Star): Eine Schädigung oder Verstopfung des Trabekelwerks im Auge führt zu einem erhöhten Augeninnendruck und kann unbehandelt zur Erblindung führen.
- Trabekelkarzinoid / Trabekulares Wachstumsmuster: Manche Tumoren zeigen in der Histologie ein trabekulares Wachstumsmuster, d.h. die Tumorzellen sind in balkenartigen Strukturen angeordnet. Dies ist ein diagnostisches Merkmal bei der Beurteilung von Gewebeproben.
- Herzerkrankungen: Veränderungen der Trabeculae carneae, wie bei der linksventrikularen Nicht-Kompaktierungs-Kardiomyopathie (LVNC), können zu Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen führen.
Diagnostik
Trabekel und ihre Veränderungen werden mit verschiedenen bildgebenden Verfahren sichtbar gemacht:
- Röntgen und CT (Computertomographie): Zur Beurteilung von Knochentrabekeln, zum Beispiel bei Osteoporose-Verdacht.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Zur Darstellung von Herztrabekeln oder Weichteilstrukturen.
- Gonioskopie: Spezielle augenärztliche Untersuchung zur Beurteilung des Trabekelwerks im Kammerwinkel des Auges.
- Histologie: Mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben zur Beurteilung des trabekularen Wachstumsmusters bei Tumoren.
Quellen
- Schiebler, T.H. & Korf, H.W. (2007): Anatomie. Steinkopff Verlag, Darmstadt. 10. Auflage.
- Flammer, J. (2001): Glaukom. Hans Huber Verlag, Bern. Ein Handbuch für Betroffene, Angehorige und alle, die sich über das Glaukom informieren wollen.
- Lüssen, V. et al. (2020): Trabecular Bone Architecture and Osteoporosis. In: Journal of Bone and Mineral Research, 35(3), 412-421. PubMed.
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