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Trinkschwäche beim Säugling – Ursachen & Behandlung

Trinkschwäche bezeichnet die verminderte Fähigkeit eines Säuglings, ausreichend Muttermilch oder Flaschennahrung aufzunehmen. Sie kann auf verschiedene medizinische Ursachen hinweisen.

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Wissenswertes über "Trinkschwäche"

Trinkschwäche bezeichnet die verminderte Fähigkeit eines Säuglings, ausreichend Muttermilch oder Flaschennahrung aufzunehmen. Sie kann auf verschiedene medizinische Ursachen hinweisen.

Was ist Trinkschwäche?

Unter Trinkschwäche versteht man die eingeschränkte Fähigkeit eines Neugeborenen oder Säuglings, beim Stillen oder Flaschenfüttern ausreichend Nahrung aufzunehmen. Das Kind saugt dabei entweder zu schwach, zu kurz oder gar nicht, was zu einer unzureichenden Nahrungszufuhr führen kann. Da eine regelmäßige und ausreichende Nahrungsaufnahme für das Wachstum und die Entwicklung des Säuglings entscheidend ist, stellt die Trinkschwäche ein wichtiges medizinisches Warnsignal dar, das ärztlich abgeklärt werden sollte.

Ursachen

Trinkschwäche kann viele verschiedene Ursachen haben, die sowohl beim Kind als auch bei der stillenden Mutter liegen können. Häufige Ursachen auf Seiten des Kindes sind:

  • Frühgeburtlichkeit: Frühgeborene haben oft noch keine ausreichend ausgereifte Saug-Schluck-Atem-Koordination entwickelt.
  • Neurologische Erkrankungen: Schädigungen des Nervensystems, z. B. durch Sauerstoffmangel unter der Geburt (Hypoxie), können die Saugfähigkeit beeinträchtigen.
  • Muskelerkrankungen (Myopathien): Erkrankungen, die die Muskelkraft vermindern, betreffen auch die Saug- und Schluckmuskulatur.
  • Angeborene Fehlbildungen: Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder anatomische Besonderheiten im Mundraum erschweren das Saugen.
  • Herzfehler: Angeborene Herzfehler können dazu führen, dass das Kind beim Trinken schnell erschöpft ist.
  • Infektionen: Allgemeine Infektionen oder Sepsis können das Kind schwächen und die Trinkmenge reduzieren.
  • Stoffwechselstörungen: Bestimmte angeborene Stoffwechselerkrankungen beeinträchtigen ebenfalls die Trinkmotivation und -fähigkeit.
  • Hyperbilirubinämie (Neugeborenengelbsucht): Ein erhöhter Bilirubinspiegel kann zu Müdigkeit und Trinkschwäche führen.

Auf Seiten der Mutter können ein verzögerter Milcheinschuss, flache oder eingezogene Brustwarzen sowie eine übermäßig starke Milchmenge das Trinken für das Kind erschweren.

Symptome und Zeichen

Eltern und medizinisches Personal erkennen Trinkschwäche an folgenden Zeichen:

  • Schwaches oder unkoordiniertes Saugen
  • Kurze Trinkphasen mit häufigen Unterbrechungen
  • Kein aktives Anlegen an die Brust oder Saugverweigerung
  • Unzureichende Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust
  • Selteneres Wasserlassen als normal (weniger als 6 nasse Windeln pro Tag nach dem 4. Lebenstag)
  • Ausgeprägte Müdigkeit oder Schläfrigkeit beim Trinken
  • Husten, Würgen oder Verschlucken beim Trinken (Hinweis auf Schluckstörung)

Diagnose

Die Diagnose der Trinkschwäche erfolgt durch eine klinische Untersuchung des Neugeborenen oder Säuglings. Dabei beobachtet der Arzt oder die Ärztin den Trinkvorgang direkt und beurteilt Saugkraft, Koordination und Ausdauer. Zusätzlich werden folgende Maßnahmen eingesetzt:

  • Gewichtskontrolle: Regelmäßiges Wiegen zur Beurteilung der Gewichtsentwicklung.
  • Laboruntersuchungen: Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, Bilirubinwert und Stoffwechselscreening zur Ursachenabklärung.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall des Schädels oder Herzecho bei Verdacht auf neurologische oder kardiale Ursachen.
  • Schluckuntersuchung: Bei Verdacht auf eine Schluckstörung kann eine spezialisierte Untersuchung (z. B. durch eine Logopädin) erforderlich sein.

Behandlung

Die Behandlung der Trinkschwäche richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Ernährungsstörung.

Unterstützung beim Trinken

  • Anleitung der Eltern durch Hebammen, Still- und Laktationsberaterinnen (IBCLC) zur Optimierung der Saugtechnik und Stillposition.
  • Einsatz von Still-Hilfsmitteln wie Brusthütchen oder speziellen Trinkflaschen mit angepassten Saugern.
  • Häufigeres Anlegen in kürzeren Abständen.

Ergänzende Ernährung

  • Zufüttern von abgepumpter Muttermilch oder Spezialnahrung per Löffel, Fingerfeeder oder Magensonde, wenn das Kind nicht ausreichend trinken kann.
  • Bei schwerer Trinkschwäche kann eine vorrübergehende Ernährung über eine Magensonde (nasogastrale Sonde) notwendig sein.

Behandlung der Grunderkrankung

  • Behandlung von Infektionen, Stoffwechselstörungen oder anderen Grunderkrankungen, die zur Trinkschwäche beitragen.
  • Frühfördermaßnahmen und logopädische Therapie bei neurologisch bedingter Saugschwäche.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten unverzüglich ärztliche Hilfe suchen, wenn ihr Kind:

  • nach der Geburt weniger als 8–12 Mal pro Tag trinkt,
  • weniger als 6 nasse Windeln pro Tag hat (nach dem 4. Lebenstag),
  • sichtbar abnimmt oder nicht zunimmt,
  • beim Trinken hustet, würgt oder blau anläuft,
  • sehr schläfrig ist und nicht zum Trinken geweckt werden kann.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Leitlinien zur Ernährung von Neugeborenen und Säuglingen. AWMF, 2020.
  2. World Health Organization (WHO): Infant and young child feeding. WHO Guidelines, Geneva, 2009. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241597494
  3. Poets, C.F. & Bassler, D.: Trinkschwäche beim Neugeborenen – Ursachen und Management. Monatsschrift Kinderheilkunde, 2016; 164(2):128–135.
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