Trochleadysplasie: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Trochleadysplasie ist eine angeborene Fehlbildung der Kniescheibenfurche (Trochlea), die zu Kniescheibeninstabilität und Schmerzen führen kann.
Wissenswertes über "Trochleadysplasie"
Die Trochleadysplasie ist eine angeborene Fehlbildung der Kniescheibenfurche (Trochlea), die zu Kniescheibeninstabilität und Schmerzen führen kann.
Was ist eine Trochleadysplasie?
Die Trochleadysplasie bezeichnet eine angeborene oder entwicklungsbedingte Fehlform der Trochlea femoris, also der Gleitrinne am unteren Ende des Oberschenkelknochens (Femur), in der die Kniescheibe (Patella) bei Beugung und Streckung des Kniegelenks gleitet. Bei einer Trochleadysplasie ist diese Rinne flacher, asymmetrisch oder sogar konvex (vorwölbend) ausgebildet, wodurch die Kniescheibe nicht mehr stabil geführt wird. Dies gilt als eine der häufigsten anatomischen Ursachen für eine patellofémorale Instabilität.
Ursachen und Entstehung
Die genaue Ursache der Trochleadysplasie ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass sowohl genetische Faktoren als auch biomechanische Einflüsse während der Wachstumsphase eine Rolle spielen. Eine verminderte mechanische Beanspruchung der Trochlea im Kindesalter – etwa durch eine veränderte Zugrichtung der Kniescheibe – kann zu einer unzureichenden Ausformung der Gleitrinne führen.
Klassifikation nach Dejour
Die am weitesten verbreitete Einteilung der Trochleadysplasie erfolgt nach dem französischen Orthopäden Henri Dejour und unterscheidet vier Schweregrade:
- Typ A: Flache Trochlea mit erhaltenem Sulkus, leichte Dysplasie
- Typ B: Flache oder konvexe Trochlea, prominenter Sporn (Spur)
- Typ C: Asymmetrische Trochlea mit hypoplastischer medialer Facette
- Typ D: Stark asymmetrische Trochlea mit steilem Absatz zwischen den Facetten (sog. Cliff-Zeichen)
Die Typen A und B gelten als niedriggradige, die Typen C und D als hochgradige Dysplasie.
Symptome
Viele Betroffene berichten über folgende Beschwerden:
- Schmerzen im vorderen Kniebereich (anteriores Knieschmerzsyndrom), besonders bei Treppensteigen, Kniebeugen oder längerem Sitzen
- Gefühl der Instabilität oder des "Wegknickens" des Knies
- Patellaluxation: vollständiges Herausspringen der Kniescheibe aus der Gleitrinne
- Patellasubluxation: teilweises Herausspringen der Kniescheibe
- Schwellung des Kniegelenks nach Luxationsereignissen
Diagnose
Die Diagnose der Trochleadysplasie erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
Klinische Untersuchung
Der Arzt prüft die Beweglichkeit des Kniegelenks, die Stabilität der Kniescheibe (z. B. mittels Apprehension-Test) sowie die Beinachse und Beinmuskulatur.
Bildgebung
- Röntgenaufnahme in strenger seitlicher Projektion: Darstellung des Trochlea-Sporns (Crossing Sign, Supra-Trochlear Spur)
- MRT (Magnetresonanztomographie): Detaillierte Beurteilung der Knorpelstrukturen und des Ausmaßes der Dysplasie
- CT (Computertomographie): Messung des TT-TG-Abstands (Tibiatuberositas-Trochleagroove-Abstand), der die laterale Verschiebung der Kniescheibe quantifiziert
Behandlung
Konservative Therapie
Bei leichteren Formen der Trochleadysplasie oder bei Erstluxationen wird zunächst eine konservative Behandlung empfohlen:
- Physiotherapie zur Stärkung der kniestabilisierenden Muskulatur (v. a. M. vastus medialis obliquus)
- Tape-Verbände oder Kniebandagen zur Stabilisierung der Kniescheibe
- Schmerztherapie mit entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. NSAR)
Operative Therapie
Bei hochgradiger Dysplasie, rezidivierenden Luxationen oder Versagen der konservativen Therapie kommen operative Eingriffe in Betracht:
- Trochleaplastik: Operative Vertiefung und Umformung der Gleitrinne; gilt als der direkteste Eingriff zur Korrektur der anatomischen Ursache
- MPFL-Rekonstruktion (mediales patellofemörales Ligament): Wiederherstellung des medialen Haltebandes der Kniescheibe
- Tuberositas-tibiae-Versetzung (z. B. Medialisierung oder Anteromedialisation): Verlagerung des Kniescheibensehnenansatzes zur Verbesserung der Zugrichtung
- Kombinationseingriffe bei mehreren vorliegenden Risikofaktoren
Prognose
Die Prognose hängt vom Schweregrad der Dysplasie und der gewählten Therapie ab. Bei konsequenter Behandlung und gegebenenfalls operativer Korrektur können die meisten Patienten eine deutliche Beschwerdebesserung und eine stabile Kniefunktion erreichen. Unbehandelt kann eine Trochleadysplasie langfristig zu Knorpelschäden und einer frühzeitigen patellofémoralen Arthrose führen.
Quellen
- Dejour H, Walch G, Nove-Josserand L, Guier C. - Factors of patellar instability: an anatomic radiographic study. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 1994;2(1):19-26.
- Lustig S, Servien E, Neyret P. - Trochlear dysplasia and patellar instability. In: Scott WN (Hrsg.) Insall & Scott Surgery of the Knee. 5. Aufl. Churchill Livingstone, 2012.
- Nelitz M. - Trochleaplastik bei Trochleadysplasie. Orthopäde. 2018;47(1):36-43.
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