Überbiss: Ursachen, Symptome & Behandlung
Ein Überbiss liegt vor, wenn die oberen Frontzähne die unteren beim Zusammenbeißen zu stark überdecken. Diese häufige Zahnfehlstellung kann Beschwerden verursachen und wird kieferorthopädisch behandelt.
Wissenswertes über "Überbiss"
Ein Überbiss liegt vor, wenn die oberen Frontzähne die unteren beim Zusammenbeißen zu stark überdecken. Diese häufige Zahnfehlstellung kann Beschwerden verursachen und wird kieferorthopädisch behandelt.
Was ist ein Überbiss?
Als Überbiss (medizinisch: Tiefbiss oder vertikaler Überbiss) bezeichnet man eine Zahnfehlstellung, bei der die oberen Frontzähne beim Zusammenbeißen die unteren Frontzähne zu stark überdecken. Im Normalfall sollten die oberen Zähne die unteren um etwa 2 bis 3 Millimeter überragen. Ist diese Überdeckung deutlich größer, spricht man von einem ausgeprägten Überbiss.
Zu unterscheiden ist der vertikale Überbiss (Tiefbiss) vom horizontalen Überbiss (Overjet), bei dem die oberen Frontzähne zu weit nach vorne stehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Überbiss häufig für beide Varianten verwendet.
Ursachen
Ein Überbiss kann verschiedene Ursachen haben:
- Genetische Veranlagung: Häufig ist die Kieferform vererbt.
- Angewohnheiten im Kindesalter: Langfristiges Daumenlutschen, langer Schnullergebrauch oder Zungenpressen können die Kieferentwicklung negativ beeinflussen.
- Frühzeitiger Milchzahnverlust: Fehlende Milchzähne können dazu führen, dass die bleibenden Zähne falsch einwachsen.
- Kieferfehlentwicklung: Eine zu kleine oder rückversetzte Unterkieferentwicklung fördert den Überbiss.
- Mundatmung: Chronische Mundatmung, etwa durch vergrößerte Mandeln, kann die Kieferentwicklung beeinflussen.
Symptome
Ein leichter Überbiss verursacht häufig keine Beschwerden. Bei ausgeprägten Fällen können jedoch folgende Symptome auftreten:
- Schwierigkeiten beim Kauen oder Beißen
- Sprachprobleme oder Lispen
- Kiefer- und Gesichtsschmerzen
- Kopfschmerzen
- Abnutzung der Zähne (Attrition)
- Beschwerden im Kiefergelenk (Kiefergelenkssyndrom, CMD)
- Schlafstörungen in schweren Fällen
Diagnose
Die Diagnose eines Überbisses erfolgt durch eine zahnmedizinische oder kieferorthopädische Untersuchung. Dabei werden folgende Maßnahmen eingesetzt:
- Klinische Untersuchung: Der Zahnarzt oder Kieferorthopäde beurteilt die Zahnstellung und den Biss.
- Röntgenaufnahmen: Fernröntgenseitenbilder (FRS) und Panoramaaufnahmen helfen, den Kiefer und die Zahnwurzeln zu beurteilen.
- Zahnabdrücke / digitale Scans: Erstellen von Modellen zur genauen Analyse der Zahnstellung.
- Fotodokumentation: Fotos des Gesichts und der Zahnstellung zur Behandlungsplanung.
Behandlung
Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach dem Schweregrad des Überbisses und dem Alter des Patienten:
Kieferorthopädische Behandlung (Kinder und Jugendliche)
- Herausnehmbare Spangen: Funktionskieferorthopädische Geräte wie Aktivatoren oder Bionator fördern das Kieferwachstum in die richtige Richtung.
- Festsitzende Zahnspange (Brackets): Verschieben die Zähne in die korrekte Position.
- Gaumennahterweiterung: Bei zu engem Oberkiefer kann dieser mit einem speziellen Gerät erweitert werden.
Behandlung bei Erwachsenen
- Festsitzende Zahnspange oder Aligner: Transparente Schienen (z. B. Invisalign) oder klassische Brackets können auch bei Erwachsenen den Biss korrigieren.
- Kieferchirurgie: Bei stark ausgeprägtem Überbiss mit skelettaler Ursache kann eine operative Kieferkorrektur (Umstellungsosteotomie) notwendig sein.
- Zahnersatz und Aufbissschienen: Zur Entlastung des Kiefergelenks und Korrektur leichter Fälle.
Prognose und Vorbeugung
Je früher ein Überbiss erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Bei Kindern kann das noch aktive Kieferwachstum genutzt werden, um die Fehlstellung effektiv zu korrigieren. Die Vermeidung von Gewohnheiten wie Daumenlutschen und die regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt helfen, einem Überbiss vorzubeugen oder frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO): Leitlinien zur kieferorthopädischen Behandlung. www.dgkfo.de
- Proffit W. R., Fields H. W., Sarver D. M.: Contemporary Orthodontics. 6. Auflage. Elsevier, 2018.
- World Health Organization (WHO): Oral Health. Fact Sheet. www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/oral-health
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