Ulcus cruris: Ursachen, Symptome & Behandlung
Ulcus cruris ist ein chronisches Wundgeschwür am Unterschenkel, das durch Durchblutungsstörungen entsteht. Es betrifft vor allem ältere Menschen und erfordert gezielte medizinische Behandlung.
Wissenswertes über "Ulcus cruris"
Ulcus cruris ist ein chronisches Wundgeschwür am Unterschenkel, das durch Durchblutungsstörungen entsteht. Es betrifft vor allem ältere Menschen und erfordert gezielte medizinische Behandlung.
Was ist ein Ulcus cruris?
Das Ulcus cruris (auch: Unterschenkelgeschwür oder offenes Bein) ist eine chronische, schlecht heilende Wunde am Unterschenkel oder Fuß. Es handelt sich um einen tiefen Gewebedefekt der Haut, der durch gestörte Durchblutung, Lymphabflussstörungen oder andere Grunderkrankungen entsteht. Das Ulcus cruris gilt als eine der häufigsten chronischen Wunden und betrifft weltweit Millionen von Menschen, insbesondere im höheren Lebensalter.
Ursachen
Je nach zugrunde liegender Ursache werden verschiedene Formen des Ulcus cruris unterschieden:
- Ulcus cruris venosum: Die häufigste Form (ca. 60–80 % aller Fälle). Ursache ist eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI), bei der das Blut nicht ausreichend aus den Beinvenen zurück zum Herzen transportiert wird. Durch den erhöhten Venendruck kommt es zu Gewebeveränderungen und Wundbildung.
- Ulcus cruris arteriosum: Entsteht durch eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), bei der die Arterien verengt sind und das Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Diese Form ist oft schmerzhafter.
- Ulcus cruris mixtum: Kombination aus venöser und arterieller Störung.
- Weitere Ursachen: Diabetes mellitus (diabetisches Ulkus), Vaskulitiden, Infektionen, Tumore oder Lymphödem.
Symptome
Die Symptome eines Ulcus cruris können je nach Form variieren, umfassen aber häufig:
- Offene, schlecht heilende Wunde am Unterschenkel oder Knöchel
- Wundrand oft unregemäßig, Wundgrund mit Belag
- Schmerzen (besonders beim arteriellen Typ, während der venöse Typ oft weniger schmerzhaft ist)
- Schwellung des Unterschenkels
- Verfärbung und Verhärtung der umliegenden Haut (Lipodermatosklerose)
- Juckreiz und Nässen der Wunde
- Unangenehmer Geruch bei Infektion
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine sorgfältige klinische Untersuchung und gezielte diagnostische Maßnahmen gestellt:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Beurteilung der Wunde, der umgebenden Haut und der Durchblutungssituation.
- Doppler-Sonographie: Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI) zur Beurteilung der arteriellen Durchblutung.
- Duplexsonographie: Bildgebung der Venen und Arterien zur Ursachenklärung.
- Wundabstrich: Bei Verdacht auf Infektion zur Erregerbestimmung.
- Biopsie: Zum Ausschluss maligner Veränderungen bei unklaren Befunden.
- Labordiagnostik: Blutzucker, Entzündungsparameter, Gerinnungsstatus.
Behandlung
Die Therapie des Ulcus cruris richtet sich nach der Ursache und umfasst mehrere Säulen:
Behandlung der Grunderkrankung
Entscheidend ist die Therapie der auslösenden Erkrankung, etwa die Behandlung der chronisch-venösen Insuffizienz, der pAVK oder des Diabetes mellitus.
Lokale Wundversorgung
- Reinigung und Debridement (Entfernung von abgestorbenem Gewebe)
- Feuchte Wundversorgung mit modernen Wundauflagen (z.B. Hydrokolloide, Alginate, Schaumverbände)
- Antibiotische Behandlung bei nachgewiesener Infektion
Kompressionstherapie
Bei venösem Ulcus ist die Kompressionstherapie (Kompressionsverbände oder -strümpfe) die wichtigste Basistherapie. Sie reduziert den Venendruck und fördert die Wundheilung.
Weitere Therapieansätze
- Gefäßchirurgische oder interventionelle Eingriffe bei arterieller Beteiligung
- Hauttransplantation bei großflächigen oder therapieresistenten Ulzera
- Physio- und Bewegungstherapie zur Förderung der Muskelpumpe
- Schmerzmanagement
Prognose und Prävention
Ohne konsequente Behandlung kann ein Ulcus cruris über Monate bis Jahre bestehen und zu schwerwiegenden Komplikationen wie tiefen Infektionen oder Sepsis führen. Mit adäquater Therapie heilen die meisten Wunden ab, jedoch ist das Rückfallrisiko hoch. Präventive Maßnahmen umfassen regelmäßige Bewegung, konsequentes Tragen von Kompressionsstrümpfen, gute Hautpflege und die optimale Einstellung von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW): S3-Leitlinie Lokaltherapie chronischer Wunden, 2023.
- Dissemond J. et al. - Ulcus cruris: Diagnostik und Therapie. Dtsch Arztebl Int, 2018.
- European Wound Management Association (EWMA): Venous Leg Ulcers - Evidence and Clinical Practice, EWMA Document, 2022.
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