Ulnardeviation – Ursachen, Symptome & Therapie
Ulnardeviation bezeichnet die Abweichung der Finger oder Hand in Richtung der Ulna (Ellenknochen). Sie tritt häufig bei rheumatoider Arthritis auf.
Wissenswertes über "Ulnardeviation"
Ulnardeviation bezeichnet die Abweichung der Finger oder Hand in Richtung der Ulna (Ellenknochen). Sie tritt häufig bei rheumatoider Arthritis auf.
Was ist Ulnardeviation?
Die Ulnardeviation (auch Ulnarabweichung oder Ulnardeviation der Hand genannt) beschreibt eine seitliche Abweichung der Finger oder der gesamten Hand in Richtung der Ulna – dem ellenseitigen Unterarmknochen. Im Normalzustand sind die Finger und die Hand in einer geraden Achse mit dem Unterarm ausgerichtet. Bei der Ulnardeviation weichen die Finger oder die Hand deutlich nach außen (in Richtung des kleinen Fingers) ab.
Diese Fehlstellung ist eine der charakteristischsten Gelenkveränderungen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, insbesondere bei der rheumatoiden Arthritis. Sie kann jedoch auch durch andere Erkrankungen, Verletzungen oder degenerative Veränderungen ausgelöst werden.
Ursachen
Die Ulnardeviation entsteht durch eine Kombination aus Gelenkentzündung, Bindegewebs- und Kapselschäden sowie muskulären Ungleichgewichten. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Rheumatoide Arthritis: Die Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovitis) führt zu einer Ausweitung der Gelenkkapsel und Schädigung der Bänder an den Fingergrundgelenken (MCP-Gelenke). Dies ermöglicht eine Verschiebung der Strecksehnen und damit eine ulnare Abweichung der Finger.
- Psoriasis-Arthritis: Eine weitere entzündliche Gelenkerkrankung, die ähnliche Gelenkveränderungen hervorrufen kann.
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Auch diese Autoimmunerkrankung kann über Gelenkentzündungen zu Ulnardeviation führen.
- Traumata und Verletzungen: Bandrupturen oder Frakturen im Bereich des Handgelenks und der Fingergrundgelenke können ebenfalls eine Fehlstellung verursachen.
- Degenerative Gelenkveränderungen (Arthrose): Verschleiß der Gelenkflächen kann langfristig zu Achsfehlstellungen führen.
Symptome
Die Ulnardeviation ist meist gut sichtbar und geht mit weiteren Beschwerden einher:
- Sichtbare seitliche Abweichung der Finger in Richtung kleiner Finger
- Schmerzen in den betroffenen Gelenken, besonders bei Bewegung und Belastung
- Schwellung und Überwärmung der Fingergrundgelenke bei entzündlicher Ursache
- Eingeschränkte Greiffunktion und Handkraft
- Morgensteifigkeit der Hände (typisch bei rheumatoider Arthritis)
- Im fortgeschrittenen Stadium: deutliche funktionelle Beeinträchtigung im Alltag
Diagnose
Die Diagnose der Ulnardeviation erfolgt in erster Linie klinisch durch die körperliche Untersuchung. Zusätzlich kommen folgende diagnostische Maßnahmen zum Einsatz:
- Röntgenaufnahme der Hände: Zur Beurteilung des Ausmaßes der Fehlstellung sowie von Gelenkspaltverschmälerung, Erosionen und knöchernen Veränderungen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Für detaillierte Darstellung von Bändern, Sehnen und Weichteilen.
- Laboruntersuchungen: Rheumafaktor (RF), Anti-CCP-Antikörper, Entzündungsparameter (CRP, BSG) zur Abklärung einer rheumatischen Grunderkrankung.
- Ultraschall: Zur Darstellung von Synovitis und Sehnenpathologien.
Behandlung
Die Behandlung der Ulnardeviation richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Fehlstellung. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Gelenkfunktion zu erhalten und eine weitere Verschlechterung zu verhindern.
Konservative Therapie
- Medikamentöse Therapie: Bei entzündlicher Ursache kommen krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) wie Methotrexat sowie biologische Präparate (z.B. TNF-Inhibitoren) zum Einsatz, um die Grunderkrankung zu kontrollieren.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Handmuskulatur, Schulung kompensatorischer Bewegungsstrategien und Einsatz von Hilfsmitteln.
- Schienen und Orthesen: Spezielle Handschienen können die Fehlstellung korrigieren oder stabilisieren und die Beschwerden lindern.
- Physikalische Therapie: Wärme- oder Kälteanwendungen zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
Operative Therapie
- Bei schwerwiegenden Fehlstellungen oder ausgeprägten Funktionseinschränkungen kann eine operative Korrektur notwendig sein. Eingriffe umfassen Sehnentransferoperationen, Synovektomie (Entfernung der entzündeten Gelenkinnenhaut) oder den Gelenkersatz (Endoprothese).
Quellen
- Fries, J.F. et al. – Rheumatoide Arthritis: Pathogenese und Therapie. In: Harrison's Principles of Internal Medicine, 21. Auflage, McGraw-Hill, 2022.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) – S2e-Leitlinie Rheumatoide Arthritis: Therapie. AWMF-Registernummer 060-004, 2019. Verfügbar unter: www.awmf.org
- Smolen, J.S. et al. – Rheumatoid arthritis. Nature Reviews Disease Primers. 2018;4:18001. doi:10.1038/nrdp.2018.1
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