Umstellungsosteotomie: Eingriff, Ablauf & Heilung
Die Umstellungsosteotomie ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Knochen durchtrennt und neu ausgerichtet wird, um Fehlstellungen zu korrigieren und Gelenke zu entlasten.
Wissenswertes über "Umstellungsosteotomie"
Die Umstellungsosteotomie ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Knochen durchtrennt und neu ausgerichtet wird, um Fehlstellungen zu korrigieren und Gelenke zu entlasten.
Was ist eine Umstellungsosteotomie?
Die Umstellungsosteotomie ist ein orthopädisch-chirurgisches Verfahren, bei dem ein Knochen gezielt durchtrennt (Osteotomie = griechisch für Knochenschnitt) und anschließend in einer korrigierten Position fixiert wird. Ziel des Eingriffs ist es, eine Fehlstellung des Knochens oder eines Gelenks zu beheben, Druckverhältnisse im Gelenk zu optimieren und dadurch Schmerzen zu lindern sowie den Gelenkverschleiß zu verlangsamen oder aufzuhalten.
Diese Methode wird häufig als gelenkerhaltende Alternative zu einem künstlichen Gelenkersatz (Endoprothese) eingesetzt, insbesondere bei jüngeren, aktiven Patienten.
Anwendungsgebiete
Die Umstellungsosteotomie wird an verschiedenen Körperstellen eingesetzt. Die häufigsten Anwendungsgebiete umfassen:
- Kniegelenk: Korrektur von O-Beinen (Varus-Deformität) oder X-Beinen (Valgus-Deformität), insbesondere bei einseitiger Kniearthrose
- Hüftgelenk: Behandlung von Hüftdysplasie oder femoroacetabulärem Impingement (FAI)
- Sprunggelenk: Korrektur von Achsfehlstellungen nach Verletzungen oder bei Arthrose
- Wirbelsäule: Korrektur von Deformitäten wie Kyphose oder Skoliose
- Unterarm und Handgelenk: Korrektur nach Knochenbruchheilung in Fehlstellung
Ursachen und Indikationen
Eine Umstellungsosteotomie wird empfohlen, wenn:
- eine ausgepägte Achsfehlstellung eines Knochens oder Gelenks vorliegt
- eine einseitige Gelenkarthrose durch übermäßige Belastung eines Gelenkbereichs entstanden ist
- der Patient jünger ist und noch keine Endoprothese erhalten sollte
- konservative Behandlungsmöglichkeiten (Physiotherapie, Schmerzmedikamente) nicht ausreichen
- eine angeborene oder erworbene Knochenfehlstellung korrigiert werden muss
Operationsablauf
Der genaue Ablauf der Operation richtet sich nach der betroffenen Körperstelle und der Art der Fehlstellung. Grundsätzlich lässt sich der Eingriff in folgende Phasen unterteilen:
1. Planung und Vorbereitung
Vor dem Eingriff erfolgt eine sorgfältige Operationsplanung auf Basis von Röntgenaufnahmen, CT- oder MRT-Scans. Der Chirurg berechnet den genauen Korrekturwinkel, der benötigt wird, um die optimale Knochenachse wiederherzustellen.
2. Knochenschnitt (Osteotomie)
Während der Operation wird der Knochen an der vorher geplanten Stelle mit speziellen chirurgischen Sägen präzise durchtrennt. Je nach Methode unterscheidet man:
- Aufklappende Osteotomie (Open-Wedge): Der Knochen wird auf einer Seite aufgeklappt und der entstandene Spalt mit Knochenmaterial (eigenes Knochenmaterial oder Knochenersatz) aufgefüllt.
- Zuklappende Osteotomie (Closed-Wedge): Ein keilförmiges Stück Knochen wird entfernt und die verbleibenden Knochenenden zusammengeführt.
- Neutrale (transvers) Osteotomie: Der Knochen wird quer durchtrennt und in der gewünschten Position neu ausgerichtet.
3. Fixierung
Die korrigierte Knochenposition wird mit Metallplatten, Schrauben oder Klammern stabil fixiert, bis der Knochen vollständig verheilt ist. In manchen Fällen wird ein Fixateur externe (ein äußeres Gestänge) eingesetzt.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach dem Eingriff beginnt eine individuell abgestimmte Rehabilitationsphase, die folgende Schritte umfasst:
- Entlastung: In den ersten Wochen wird das operierte Bein oder die betroffene Extremität mit Unterarmgeh-Stützen entlastet.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen fördern die Muskeldurchblutung, verhindern Muskelabbau und verbessern die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks.
- Schmerztherapie: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente unterstützen die Heilung.
- Belastungssteigerung: Die Belastung wird schrittweise erhöht, bis die volle Belastungsfähigkeit wiederhergestellt ist. Dieser Prozess dauert in der Regel 3 bis 6 Monate.
Chancen und Risiken
Vorteile
- Erhalt des natürlichen Gelenks
- Langfristige Schmerzlinderung
- Verlangsamung des Gelenkverschleißes
- Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität
- Geeignet für sportlich aktive und jüngere Patienten
Risiken und mögliche Komplikationen
- Infektionen im Operationsbereich
- Thrombosen (Blutgerinnsel)
- Nerven- oder Gefäßverletzungen
- Verzögerte Knochenheilung oder fehlende Knochenkonsolidierung (Pseudarthrose)
- Korrekturverlust durch Materialversagen
- Im seltenen Fall Notwendigkeit einer Nachkorrektur oder eines künstlichen Gelenkersatzes
Quellen
- Lobenhoffer, P. & Agneskirchner, J. D. (2003): Improvements in surgical technique of valgus high tibial osteotomy. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 11(3), 132–138.
- Brinkman, J. M. et al. (2008): Osteotomies around the knee: patient selection, stability of fixation and bone healing in high tibial osteotomies. Journal of Bone and Joint Surgery (British Volume), 90(12), 1548–1557.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): Leitlinien zur gelenkerhaltenden Chirurgie. Verfügbar unter: https://www.dgou.de
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