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Unterkieferfraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung

Eine Unterkieferfraktur ist ein Knochenbruch des Unterkiefers (Mandibula). Sie entsteht häufig durch Unfalleinwirkung und erfordert meist ärztliche Behandlung.

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Wissenswertes über "Unterkieferfraktur"

Eine Unterkieferfraktur ist ein Knochenbruch des Unterkiefers (Mandibula). Sie entsteht häufig durch Unfalleinwirkung und erfordert meist ärztliche Behandlung.

Was ist eine Unterkieferfraktur?

Die Unterkieferfraktur (medizinisch: Mandibulafraktur) bezeichnet einen Knochenbruch des Unterkiefers, dem einzigen beweglichen Knochen des Gesichtsschädels. Der Unterkiefer (lateinisch: Mandibula) ist ein hufeisenförmiger Knochen, der die unteren Zähne trägt und über das Kiefergelenk mit dem Schädel verbunden ist. Unterkieferfrakturen gehören zu den häufigsten Gesichtsschädelfrakturen und bedürfen einer sorgfältigen medizinischen Abklärung und Behandlung.

Ursachen

Unterkieferfrakturen entstehen überwiegend durch äußere Gewalteinwirkung. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Verkehrsunfälle (z. B. Fahrrad-, Motorrad- oder Autounfälle)
  • Sturzereignisse, insbesondere bei älteren Personen oder im Sport
  • Tätliche Auseinandersetzungen (Schläge auf den Kiefer)
  • Sportunfälle (z. B. beim Kampfsport, Fußball oder Eishockey)
  • Arbeitsunfälle mit direkter Krafteinwirkung auf den Kiefer
  • Pathologische Frakturen: Selten kann eine vorbestehende Erkrankung wie ein Tumor, eine Zyste oder eine fortgeschrittene Osteoporose den Knochen so sehr schwächen, dass bereits geringe Belastungen zu einem Bruch führen.

Klassifikation und häufige Bruchstellen

Unterkieferfrakturen werden nach ihrer Lage am Knochen eingeteilt. Typische Bruchstellen sind:

  • Paramediane Region (seitlich der Mitte, sehr häufig)
  • Kondylus (Gelenkkopf): Bruch im Bereich des Kiefergelenks
  • Kieferwinkel (Angulus mandibulae): oft im Zusammenhang mit Weisheitszähnen
  • Symphyse (mittlere Front des Unterkiefers)
  • Ramus (Unterkieferast)
  • Koronoidfortsatz (seltener)

Frakturen können einfach (eine Bruchlinie) oder mehrfach auftreten. Bei starker Gewalt entstehen häufig Mehrfachfrakturen oder Trümmerfrakturen.

Symptome

Die typischen Beschwerden einer Unterkieferfraktur umfassen:

  • Schmerzen im Kieferbereich, oft verstärkt beim Kauen oder Öffnen des Mundes
  • Schwellung und Hämatom (Bluterguss) im Gesicht und Kinnbereich
  • Eingeschränkte Mundöffnung oder vollständige Kiefersperre
  • Fehlstellung der Zähne (Okklusionsstörung): Die Zähne schließen nicht mehr korrekt aufeinander
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Kinn oder den Lippen (durch Beteiligung des Nervus alveolaris inferior)
  • Abnorme Beweglichkeit des Unterkiefers oder sichtbare Stufenbildung am Knochen
  • Blutungen aus dem Mund oder aus der Wunde
  • Sprechen und Schlucken können erschwert sein

Diagnose

Die Diagnose wird durch eine klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren gesichert:

  • Körperliche Untersuchung: Abtasten des Unterkiefers auf Druckschmerz, Stufen und Beweglichkeit; Prüfung der Okklusion (Zahnschluss) und Mundöffnung
  • Orthopaントomogramm (OPG): Panoramaröntgenaufnahme des gesamten Kiefers – oft erste bildgebende Maßnahme
  • Computertomographie (CT): Besonders bei komplexen, mehrfachen oder gelenknahen Frakturen zur detaillierten Darstellung der Bruchlinien und Fragmente; heute Goldstandard in der Traumadiagnostik
  • 3D-CT-Rekonstruktion: Ermöglicht eine präzise Operationsplanung

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach Schwere, Lage und Verlauf der Fraktur sowie nach dem Allgemeinzustand des Patienten.

Konservative Behandlung

Bei nicht verschobenen (undislozierten) Frakturen ohne Funktionseinschränkung kann eine konservative Therapie ausreichen:

  • Weiche Kost oder flüssige Ernährung zur Entlastung des Kiefers
  • Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente
  • Intermaxilläre Fixation (IMF): Verdrahten oder Verschränken von Ober- und Unterkiefer für mehrere Wochen, um den Kiefer ruhigzustellen

Operative Behandlung

Bei verschobenen, instabilen oder offenen Frakturen ist meist eine Operation notwendig:

  • Offene Reposition und interne Fixation (ORIF): Operatives Einrichten der Knochenfragmente und Fixierung mit Titanplatten und -schrauben
  • Miniplatenosteosynthese: Standardverfahren in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG-Chirurgie)
  • Bei Kondylusfrakturen kann je nach Ausprägung konservativ oder operativ vorgegangen werden

Nachsorge und Rehabilitation

Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig. Physiotherapie und gezielte Übungen helfen, die volle Kieferfunktion wiederherzustellen. Die Heilungsdauer beträgt in der Regel 4 bis 8 Wochen, bei komplexen Frakturen auch länger.

Mögliche Komplikationen

  • Fehlheilung mit bleibender Bissstörung
  • Infektion (besonders bei offenen Frakturen oder Beteiligung der Zähne)
  • Bleibende Nervschäden mit Taubheitsgefühl
  • Kiefergelenksprobleme nach Kondylusfrakturen
  • Einschränkung der Mundöffnung (Mundöffnungsstörung)

Quellen

  1. Schwenzer N, Ehrenfeld M (Hrsg.): Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde, Bd. 2: Spezielle Chirurgie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2011.
  2. Neff A et al.: S2k-Leitlinie: Frakturen des Unterkiefers. Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG), 2017. Verfügbar unter: www.awmf.org
  3. Ogundare BO, Bonnick A, Boulis NM: Mandibular fracture epidemiology. J Oral Maxillofac Surg. 2003;61(9):1037–1042. PubMed PMID: 12966483.
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