Varus-Stress-Test – Kniestabilität prüfen
Der Varus-Stress-Test ist eine klinische Untersuchungsmethode zur Beurteilung der lateralen Stabilität des Knie- oder Ellenbogengelenks. Er prüft die Unversehrtheit des lateralen Kollateralbandes.
Wissenswertes über "Varus-Stress-Test"
Der Varus-Stress-Test ist eine klinische Untersuchungsmethode zur Beurteilung der lateralen Stabilität des Knie- oder Ellenbogengelenks. Er prüft die Unversehrtheit des lateralen Kollateralbandes.
Was ist der Varus-Stress-Test?
Der Varus-Stress-Test ist eine orthopädische und sportmedizinische Untersuchungsmethode, bei der gezielt eine nach innen gerichtete Kraft (Varusstress) auf ein Gelenk ausgeführt wird. Am häufigsten wird er am Kniegelenk angewendet, um die Stabilität des lateralen Kollateralbandes (LCB) zu prüfen. Er kann auch am Ellenbogengelenk zur Beurteilung des radialen Kollateralbandkomplexes eingesetzt werden.
Wann wird der Test eingesetzt?
Der Varus-Stress-Test wird typischerweise bei folgenden klinischen Situationen durchgeführt:
- Verdacht auf eine Verletzung des lateralen Kollateralbandes am Knie
- Nach Knietraumen, insbesondere bei Sportunfällen
- Zur Differenzialdiagnose von Knieschmerzen im Bereich des äußeren Gelenkspalts
- Bei Verdacht auf eine posterolaterale Instabilität des Kniegelenks
- Präoperative Diagnostik vor rekonstruktiven Eingriffen am Knie
Durchführung des Tests
Der Test wird in der Regel in zwei Positionen durchgeführt:
In Streckstellung (0 Grad)
Der Patient liegt in Rückenlage. Der Untersucher fixiert den Oberschenkel mit einer Hand und übt mit der anderen Hand am Unterschenkel eine nach medial (innen) gerichtete Kraft aus. Eine Aufklapprektion (vergrößerter lateraler Gelenkspalt) in dieser Position deutet auf eine schwerwiegende ligamentäre Instabilität hin.
In 30 Grad Beugung
In leichter Kniebeugestellung (ca. 20–30 Grad) wird der Test wiederholt. Eine Aufklappbarkeit nur in Beugestellung, nicht aber in Streckstellung, spricht für eine isolierte Verletzung des lateralen Kollateralbandes. Eine Instabilität in beiden Positionen weist auf eine komplexere, posterolaterale Beteiligung hin.
Befundinterpretation
Die Beurteilung des Tests erfolgt häufig nach folgendem Schema:
- Grad I: Leichte Aufklappbarkeit (0–5 mm), kein eindeutiger Endpunkt verloren – isolierte Dehnung
- Grad II: Mäßige Aufklappbarkeit (5–10 mm), weicher Endpunkt – partielle Ruptur
- Grad III: Deutliche Aufklappbarkeit (über 10 mm), kein Endpunkt – komplette Ruptur
Ein positiver Varus-Stress-Test deutet auf eine Schädigung des lateralen Kollateralbandes oder der posterolateralen Strukturen des Kniegelenks hin.
Diagnostische Aussagekraft
Der Varus-Stress-Test wird in der Regel durch weitere Untersuchungen ergänzt. Dazu gehören bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT), die eine genaue Beurteilung der Band- und Weichteilstrukturen ermöglicht, sowie gehaltene Röntgenaufnahmen, um das Ausmaß der Instabilität objektiv zu messen. Die klinische Untersuchung allein hat eine begrenzte Sensitivität und Spezifität und sollte stets im Gesamtkontext der Anamnese und weiterer Befunde bewertet werden.
Behandlung bei positivem Befund
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Bandverletzung:
- Grad I und II: Konservative Behandlung mit Ruhigstellung, Physiotherapie, Muskelkräftigung und ggf. Orthese
- Grad III oder komplexe Instabilität: Operative Rekonstruktion des lateralen Bandapparats, insbesondere bei sportlich aktiven Patienten oder gleichzeitiger Verletzung weiterer Strukturen
Quellen
- Strobel, M. J. & Stedtfeld, H. W. (2023). Diagnostik des Kniegelenks. Springer Medizin Verlag.
- LaPrade, R. F. et al. (2015). AAOS Clinical Practice Guideline on Knee Ligament Injuries. Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons.
- Cleland, J. & Koppenhaver, S. (2021). Netter's Orthopaedic Clinical Examination. Elsevier.
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