Venenklappenfunktionstest – Diagnose & Ablauf
Der Venenklappenfunktionstest prüft die Funktion der Venenklappen in den Beinvenen. Er hilft, Venenerkrankungen wie Krampfadern oder eine chronische Veneninsuffizienz frühzeitig zu erkennen.
Wissenswertes über "Venenklappenfunktionstest"
Der Venenklappenfunktionstest prüft die Funktion der Venenklappen in den Beinvenen. Er hilft, Venenerkrankungen wie Krampfadern oder eine chronische Veneninsuffizienz frühzeitig zu erkennen.
Was ist der Venenklappenfunktionstest?
Der Venenklappenfunktionstest ist ein diagnostisches Verfahren, das die Funktion der Venenklappen in den Beinvenen beurteilt. Venenklappen sind kleine, klappenartige Strukturen in den Venen, die dafür sorgen, dass das Blut nur in eine Richtung – nämlich in Richtung Herz – fließt. Sind diese Klappen geschädigt oder funktionsunfähig, kann Blut zurückfließen (sogenannte Reflux), was zu Stauungen und verschiedenen Venenerkrankungen führen kann.
Der Test wird häufig in der Phlebologie (Venenheilkunde) und Gefäßchirurgie eingesetzt und ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik bei Verdacht auf Krampfadern (Varizen), chronische Veneninsuffizienz (CVI) oder tiefe Venenthrombose.
Wie funktioniert der Test?
Es gibt verschiedene Methoden, um die Funktion der Venenklappen zu überprüfen. Die am häufigsten angewandten Verfahren sind:
- Duplexsonographie (Farbduplexsonographie): Dies ist das Standardverfahren. Mit Ultraschall werden die Venen bildlich dargestellt und gleichzeitig der Blutfluss gemessen. Ein Rückfluss des Blutes (Reflux) bei gezielten Atemmanövern oder manuellem Druck weist auf eine Klappeninsuffizienz hin.
- Phlebodynamometrie: Hierbei wird der Venendruck direkt gemessen, um Rückschlüsse auf die Klappenleistung zu ziehen.
- Photoplethysmographie (PPG) und Lichtreflexionsrheographie (LRR): Diese nicht-invasiven Methoden messen Änderungen im Blutvolumen der Unterschenkelvenen und geben so Hinweise auf die Funktion der Klappen.
- Klinische Tests: Klassische körperliche Untersuchungsmethoden wie der Trendelenburg-Test oder der Perthes-Test werden ebenfalls zur Beurteilung der Venenklappenfähigkeit eingesetzt, haben jedoch an Bedeutung gegenüber bildgebenden Verfahren verloren.
Wann wird der Test eingesetzt?
Der Venenklappenfunktionstest wird bei folgenden Beschwerden oder Verdachtsdiagnosen empfohlen:
- Sichtbare oder tastbare Krampfadern an den Beinen
- Schweregefühl, Schmerzen oder Schwellungen in den Beinen
- Verdacht auf chronische Veneninsuffizienz
- Hautveränderungen wie Pigmentierungen oder Unterschenkelgeschwüre (Ulcus cruris)
- Nachsorge nach Venenoperationen oder Verödungstherapie
- Abklärung nach einer tiefen Venenthrombose (TVT)
Was misst der Test?
Zentrales Messziel ist die Feststellung, ob die Venenklappen ihren Verschlussmechanismus korrekt ausführen. Konkret wird gemessen:
- Ob ein Reflux (Rückfluss des Blutes) vorliegt und in welchem Ausmaß
- Die Refluxzeit: Ein Reflux von mehr als 0,5 Sekunden (oberflächliche Venen) bzw. 1 Sekunde (tiefe Venen) gilt als pathologisch (krankhaft)
- Die betroffenen Venensegmente (oberflächlich, tief oder Perforansvenen)
Ablauf der Untersuchung
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzlos und nicht-invasiv. Der Patient liegt oder steht während der Untersuchung, je nach angewandtem Verfahren. Bei der Duplexsonographie wird ein Ultraschallkopf auf die Haut aufgesetzt und mit einem speziellen Gel eine gute Übertragung ermöglicht. Während des Tests wird der Patient häufig gebeten, tief einzuatmen, auszuatmen oder bestimmte Muskelbewegungen durchzuführen (z.B. Zehenstand), um den Blutfluss in den Venen gezielt zu verändern und die Klappenreaktion zu beobachten.
Klinische Bedeutung der Ergebnisse
Die Ergebnisse des Venenklappenfunktionstests helfen dem Arzt dabei:
- Den Schweregrad einer Venenerkrankung einzuschätzen (z.B. nach der CEAP-Klassifikation)
- Die geeignete Therapie zu wählen (z.B. Kompressionstherapie, Verödung, operative Eingriffe)
- Den Behandlungserfolg nach einer Therapie zu kontrollieren
Risiken und Nebenwirkungen
Der Venenklappenfunktionstest ist in der Regel sehr sicher. Bei nicht-invasiven Verfahren wie der Duplexsonographie oder der Photoplethysmographie bestehen keine Risiken. Lediglich bei invasiven Druckmessungen (Phlebodynamometrie) kann es selten zu lokalen Hautreaktionen kommen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP): Leitlinie Diagnostik und Therapie der Varikose. AWMF-Register Nr. 037/018, 2019.
- Nicolaides AN et al. - Cardiovascular Disease Educational and Research Trust; European Venous Forum; North American Thrombosis Forum; International Union of Angiology; Union Internationale du Phlebologie. Management of chronic venous disorders of the lower limbs. International Angiology, 2014;33(2):87-208.
- Rabe E, Pannier F. Klinische Untersuchung und apparative Diagnostik bei Venenerkrankungen. In: Phlebologie, Thieme Verlag, Stuttgart, 2012.
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