Verhütungsmethoden – Übersicht & Vergleich
Verhütungsmethoden sind Maßnahmen zur Empfängnisverhütung. Sie schützen vor einer ungewollten Schwangerschaft und unterscheiden sich in Wirkungsweise, Zuverlässigkeit und Anwendung.
Wissenswertes über "Verhütungsmethoden"
Verhütungsmethoden sind Maßnahmen zur Empfängnisverhütung. Sie schützen vor einer ungewollten Schwangerschaft und unterscheiden sich in Wirkungsweise, Zuverlässigkeit und Anwendung.
Was sind Verhütungsmethoden?
Verhütungsmethoden, auch als Kontrazeptiva oder Empfängnisverhütungsmethoden bezeichnet, sind Verfahren, Mittel oder Techniken, die eingesetzt werden, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Sie richten sich an Menschen, die sexuell aktiv sind, aber keine Schwangerschaft wünschen. Die Wahl der geeigneten Methode hängt von individuellen Faktoren wie Gesundheitszustand, Lebensplanung, Verträglichkeit und persönlichen Präferenzen ab.
Hormonelle Verhütungsmethoden
Hormonelle Methoden wirken durch die gezielte Beeinflussung des weiblichen Hormonhaushalts, um den Eisprung zu unterdrücken, die Gebärmutterschleimhaut zu verändern oder den Gebärmutterhals-Schleim zu verdicken. Zu den gängigsten Methoden gehören:
- Die Antibabypille (kombinierte Pille): Enthält Östrogen und Gestagen. Sie wird täglich eingenommen und ist bei korrekter Anwendung sehr zuverlässig (Pearl-Index unter 1).
- Minipille: Enthält nur Gestagen und ist für stillende Frauen geeignet.
- Hormonpflaster: Klebt auf der Haut und gibt kontinuierlich Hormone ab.
- Hormonring (Vaginalring): Wird in die Scheide eingesetzt und wirkt über drei Wochen.
- Hormonspirale: Ein T-förmiges Kunststoffstäbchen mit Gestagen, das in die Gebärmutter eingesetzt wird und bis zu fünf Jahre wirkt.
- Hormonstäbchen (Implantat): Wird unter die Haut des Oberarms implantiert und wirkt bis zu drei Jahre.
- Dreimonatsspritze: Eine Gestagenspritze, die alle drei Monate injiziert wird.
- Notfallverhütung (Pille danach): Sollte innerhalb von 72 bis 120 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden.
Nicht-hormonelle Verhütungsmethoden
Diese Methoden verändern den Hormonhaushalt nicht und sind für Frauen geeignet, die keine Hormone einnehmen möchten oder können.
- Kupferspirale (Kupfer-IUD): Ein Kupferträger, der in die Gebärmutter eingelegt wird. Kupfer hemmt die Beweglichkeit der Spermien und kann bis zu zehn Jahre genutzt werden.
- Kupferkette und Kupferball: Ähnlich wie die Kupferspirale, jedoch in anderer Form.
- Diaphragma und Zervixkappe: Werden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingesetzt und bedecken den Gebärmutterhals mechanisch.
- Spermizide: Chemische Mittel (Gel, Zäpfchen, Schaum), die Spermien abtöten oder unbeweglich machen.
Barrieremethoden
Barrieremethoden verhindern das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter und bieten gleichzeitig Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs).
- Kondom (männlich): Die einzige Verhütungsmethode, die gleichzeitig vor sexuell übertragbaren Infektionen schützt. Bei richtiger Anwendung sehr wirksam.
- Femidom (weibliches Kondom): Wird in die Scheide eingesetzt und bietet ebenfalls Schutz vor STIs.
Natürliche Verhütungsmethoden
Natürliche Methoden basieren auf der Beobachtung des weiblichen Zyklus, um fruchtbare Tage zu bestimmen und Geschlechtsverkehr in dieser Zeit zu vermeiden.
- Symptothermale Methode: Kombination aus Basaltemperaturmessung und Beobachtung des Zervixschleims. Bei konsequenter Anwendung zuverlässig.
- NFP (Natürliche Familienplanung): Systematische Beobachtung mehrerer Körpersignale zur Zyklusbestimmung.
- Zyklus-Apps und Zykluscomputer: Digitale Hilfsmittel zur Zyklusbeobachtung, deren Zuverlässigkeit variiert.
- Coitus interruptus (unterbrochener Geschlechtsverkehr): Gilt als sehr unsichere Methode und wird medizinisch nicht empfohlen.
Chirurgische Verhütungsmethoden (dauerhafte Sterilisation)
Diese Methoden sind dauerhaft und werden gewählt, wenn kein Kinderwunsch mehr besteht.
- Tubenligatur (weibliche Sterilisation): Die Eileiter werden durchtrennt oder verschlossen, sodass Ei- und Samenzellen nicht zusammentreffen können.
- Vasektomie (männliche Sterilisation): Die Samenleiter werden durchtrennt oder verschlossen.
Zuverlässigkeit: Der Pearl-Index
Die Zuverlässigkeit von Verhütungsmethoden wird mit dem Pearl-Index gemessen. Er gibt an, wie viele von 100 Frauen bei Anwendung einer bestimmten Methode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Je niedriger der Wert, desto sicherer die Methode. Hormonelle Methoden und Intrauterinpessare (IUDs) weisen in der Regel die niedrigsten Pearl-Index-Werte auf.
Beratung und individuelle Wahl
Die Wahl der geeigneten Verhütungsmethode sollte stets in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt oder in einer Familienplanungsberatungsstelle erfolgen. Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, Medikamenteneinnahme, Rauchen und persönliche Präferenzen spielen eine wichtige Rolle. In Deutschland bieten gynäkologische Praxen sowie Einrichtungen wie Pro Familia kostenlose oder kostengünstige Beratung an.
Quellen
- World Health Organization (WHO) - Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 5th Edition (2015). Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241549158
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) - Verhütung. Verfügbar unter: https://www.bzga.de
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) - Leitlinien zur Kontrazeption. Verfügbar unter: https://www.dggg.de
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