Viszeraler Adipositasindex (VAI) – Bedeutung & Berechnung
Der Viszerale Adipositasindex (VAI) ist ein Messwert zur Beurteilung der viszeralen Fettverteilung und des kardiometabolischen Risikos. Er wird anhand von Körpermaßen und Blutfettwerten berechnet.
Wissenswertes über "Viszeraler Adipositasindex"
Der Viszerale Adipositasindex (VAI) ist ein Messwert zur Beurteilung der viszeralen Fettverteilung und des kardiometabolischen Risikos. Er wird anhand von Körpermaßen und Blutfettwerten berechnet.
Was ist der Viszerale Adipositasindex?
Der Viszerale Adipositasindex (kurz: VAI) ist ein mathematisch berechneter Index, der die Funktion und Verteilung des viszeralen Fettgewebes beim Menschen bewertet. Viszerales Fett bezeichnet das Fettgewebe, das sich im Bauchraum um die inneren Organe ansammelt. Im Gegensatz zum subkutanen Fett (Unterhautfettgewebe) ist viszerales Fett stärker mit Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert.
Der VAI wurde erstmals 2010 von Amato et al. in der Fachzeitschrift Obesity beschrieben. Er berücksichtigt sowohl anthropometrische Parameter (Körpermessungen) als auch metabolische Blutfettwerte und gilt als indirekter Marker für die viszerale Adiposität und Insulinresistenz.
Berechnung des VAI
Der VAI wird anhand von vier Parametern berechnet:
- Taillenumfang (WC) in Zentimetern
- Body-Mass-Index (BMI) in kg/m²
- Triglyzeride (TG) in mmol/l
- HDL-Cholesterin (HDL) in mmol/l
Die Berechnungsformeln unterscheiden sich je nach Geschlecht:
Formel für Männer
VAI = (WC / 39,68 + (1,88 × BMI)) × (TG / 1,03) × (1,31 / HDL)
Formel für Frauen
VAI = (WC / 36,58 + (1,89 × BMI)) × (TG / 0,81) × (1,52 / HDL)
Ein VAI-Wert von 1,0 gilt als Referenzwert bei gesunden, normalgewichtigen Personen mit normaler viszeraler Fettverteilung. Höhere Werte weisen auf ein erhöhtes kardiometabolisches Risiko hin.
Klinische Bedeutung
Der VAI ist ein nützliches Instrument in der klinischen Praxis, um das Risiko für folgende Erkrankungen abzuschätzen:
- Typ-2-Diabetes mellitus
- Metabolisches Syndrom
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall)
- Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
- Insulinresistenz
Studien zeigen, dass ein erhöhter VAI unabhängig vom BMI mit einem erhöhten Risiko für diese Erkrankungen verbunden ist. Damit ist der VAI dem BMI allein als Risikomarker überlegen, da er die Qualität und Funktion des Fettgewebes besser widerspiegelt.
Vorteile des VAI gegenüber anderen Messmethoden
Die direkte Messung von viszeralem Fett ist aufwendig und erfordert bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Der VAI bietet eine einfache, kostengünstige Alternative, da er nur Routineparameter aus der Blutuntersuchung und einfache Körpermessungen benötigt. Im Vergleich zu anderen Indizes wie dem BMI oder dem Taillenumfang allein hat der VAI eine höhere Vorhersagegenauigkeit für metabolische Erkrankungen.
Grenzwerte und Interpretation
Es gibt bisher keine einheitlich international festgelegten Grenzwerte für den VAI, da diese je nach Bevölkerungsgruppe variieren können. In verschiedenen Studien werden folgende Richtwerte verwendet:
- VAI < 1,0: Niedriges viszerales Fettrisiko
- VAI 1,0 – 2,0: Leicht erhöhtes Risiko
- VAI > 2,0: Deutlich erhöhtes kardiometabolisches Risiko
Die Interpretation sollte stets im klinischen Kontext und in Zusammenschau mit weiteren Risikofaktoren erfolgen.
Quellen
- Amato MC et al. (2010): Visceral Adiposity Index: A Reliable Indicator of Visceral Fat Function Associated with Cardiometabolic Risk. Diabetes Care, 33(4), 920–922.
- Motamed N et al. (2017): Visceral Adiposity Index or Waist Circumference: Which Predicts Metabolic Syndrome Better? A Population-Based Study. Digestive Diseases and Sciences, 62(3), 526–530.
- World Health Organization (WHO): Obesity and overweight. Fact sheet. Abrufbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight
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