Volkmann-Dreieck-Fixation: Eingriff & Nachbehandlung
Die Volkmann-Dreieck-Fixation ist ein chirurgisches Verfahren zur operativen Stabilisierung eines knöchernen Fragmentes am hinteren Schienbein nach bestimmten Sprunggelenksfrakturen.
Wissenswertes über "Volkmann-Dreieck-Fixation"
Die Volkmann-Dreieck-Fixation ist ein chirurgisches Verfahren zur operativen Stabilisierung eines knöchernen Fragmentes am hinteren Schienbein nach bestimmten Sprunggelenksfrakturen.
Was ist die Volkmann-Dreieck-Fixation?
Die Volkmann-Dreieck-Fixation ist ein operatives Verfahren der orthopädischen und unfallchirurgischen Medizin. Sie dient der Stabilisierung des sogenannten Volkmann-Dreiecks – einem knöchernen Fragment am hinteren unteren Ende der Tibia (Schienbein), das bei bestimmten Sprunggelenksfrakturen entstehen kann. Der Begriff „Volkmann-Dreieck“ geht auf den deutschen Chirurgen Richard von Volkmann zurück, der dieses anatomische Areal im 19. Jahrhundert beschrieb.
Anatomischer Hintergrund
Das obere Sprunggelenk wird von drei Knochen gebildet: der Tibia (Schienbein), der Fibula (Wadenbein) und dem Talus (Sprungbein). Die hintere untere Kante der Tibia, die sogenannte Hinterkante der Tibia oder das „Volkmann-Dreieck“, ist ein wichtiger Bestandteil der knöchernen Gelenkpfanne. Bei Frakturen in diesem Bereich – insbesondere bei sogenannten Trimalleoläre Frakturen (Dreiknöchel-Frakturen) – kann dieses dreieckige Knochenfragment abbrechen und die Stabilität des Gelenks erheblich beeinträchtigen.
Indikationen
Eine operative Fixation des Volkmann-Dreiecks ist in der Regel dann notwendig, wenn:
- Das Fragment mehr als 25–33 % der Gelenkfläche der Tibia umfasst.
- Das Fragment mehr als 2 mm verschoben (disloziert) ist.
- Das Sprunggelenk nach der Versorgung anderer Frakturanteile instabil bleibt.
- Eine hintere Subluxation (teilweise Ausrenkung) des Talus vorliegt.
Bei kleineren, nicht verschobenen Fragmenten kann hingegen eine konservative Behandlung mit Ruhigstellung ausreichend sein.
Operative Technik
Die Volkmann-Dreieck-Fixation erfolgt im Rahmen einer Osteosynthese – einem Verfahren, bei dem Knochenfragmente mithilfe von Implantaten (Schrauben, Platten oder beides) wieder zusammengefügt und stabilisiert werden. Je nach Größe und Lage des Fragments stehen verschiedene Zugänge und Implantattechniken zur Verfügung:
- Posteriorer (hinterer) Zugang: Ermöglicht eine direkte Sicht auf das Fragment und gilt bei größeren Fragmenten als bevorzugter Zugang.
- Anterograde oder retrograde Schraubenosteosynthese: Fixierung des Fragmentes mit Zugschrauben von vorne oder von hinten.
- Plattenosteosynthese: Verwendung einer kleinen Stützplatte zur zusätzlichen Stabilisierung, insbesondere bei größeren oder mehrfragmentierten Fragmenten.
Die Versorgung des Volkmann-Dreiecks erfolgt in der Regel zusammen mit der Stabilisierung der medialen (inneren) und lateralen (außeren) Knöchel im Rahmen der Gesamtversorgung einer Dreiknöchelfraktur.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach der operativen Versorgung wird das Sprunggelenk in der Regel für mehrere Wochen mit einer Unterschenkelorthese oder einem Gipsverband ruhiggestellt. Die Belastung des operierten Beines wird schrittweise gesteigert:
- In den ersten Wochen: Teilbelastung oder Entlastung mit Unterarmgeh-Stützen.
- Nach radiologischer Kontrolle der Knochenheilung (in der Regel nach 6–8 Wochen): schrittweise Vollbelastung.
- Physiotherapeutische Maßnahmen zur Wiederherstellung von Beweglichkeit, Kraft und Stabilität des Sprunggelenks.
Der gesamte Heilungsprozess kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Regelmäßige röntgenologische Verlaufskontrollen sind wichtig, um die Knochenheilung zu überwachen.
Mögliche Komplikationen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen auch bei der Volkmann-Dreieck-Fixation mögliche Risiken und Komplikationen:
- Infektionen der Wunde oder des implantierten Materials
- Nervenverletzungen (insbesondere des Nervus suralis oder des Nervus peroneus)
- Gefäßverletzungen
- Implantatversagen oder -lockerung
- Pseudarthrose (ausbleibende Knochenheilung)
- Posttraumatische Arthrose des Sprunggelenks bei nicht vollständiger Gelenkrekonstruktion
Prognose
Bei korrekter operativer Versorgung und konsequenter Rehabilitation ist die Prognose der Volkmann-Dreieck-Fixation in vielen Fällen gut. Entscheidend für das langfristige Ergebnis sind die anatomisch exakte Wiederherstellung der Gelenkfläche, die Stabilität der Fixation sowie die frühzeitige und konsequente physiotherapeutische Nachbehandlung. Dennoch besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Sprunggelenksarthrose (degenerative Gelenkveränderung) im späteren Verlauf.
Quellen
- Müller M.E. et al. – AO-Prinzipien des Frakturmanagements. Thieme Verlag, Stuttgart, 2021.
- Rammelt S., Zwipp H. – Frakturen und Luxationen des Fusses. In: Wirth C.J. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag, Stuttgart, 2014.
- Verhage S.M. et al. – Posterior Malleolus Fractures: A Growing Awareness. Bone & Joint Journal, 2019. Abgerufen über PubMed (PMID: 31079507).
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