Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) - Ursachen & Therapie
Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) bezeichnet das Vorwärtsgleiten eines Wirbels über den darunterliegenden. Es verursacht Rückenschmerzen und neurologische Beschwerden.
Wissenswertes über "Wirbelgleiten"
Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) bezeichnet das Vorwärtsgleiten eines Wirbels über den darunterliegenden. Es verursacht Rückenschmerzen und neurologische Beschwerden.
Was ist Wirbelgleiten?
Wirbelgleiten, medizinisch als Spondylolisthesis bezeichnet, beschreibt das Vorwärtsgleiten eines Wirbelkörpers gegenüber dem darunter liegenden Wirbel. Am häufigsten betrifft diese Erkrankung den unteren Lösungsbereich der Lendenwirbelsäule, insbesondere die Übergänge zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (L4/L5) sowie zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem Kreuzbein (L5/S1). Seltenere Fälle betreffen die Halswirbelsäule.
Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab: spondylos (Wirbel) und olisthesis (Gleiten). Je nach Ausmaß des Gleitens wird der Schweregrad in vier Grade (I bis IV) nach der Klassifikation von Meyerding eingeteilt.
Ursachen
Es gibt verschiedene Formen des Wirbelgleitens, die jeweils unterschiedliche Ursachen haben:
- Isthmische Spondylolisthesis: Entsteht durch einen Ermüdungsbruch im Wirbelbogen (Spondylolyse), häufig bei jungen Sportlerinnen und Sportlern durch übermäßige Belastung der Wirbelsäule.
- Degenerative Spondylolisthesis: Die häufigste Form bei Erwachsenen über 50 Jahren. Entsteht durch altersbedingte Abnutzung der Bandscheiben und Wirbelgelenke.
- Kongenitale Spondylolisthesis: Angeborene Fehlbildung der Wirbelgelenkfortsätze, die zu Instabilität führt.
- Traumatische Spondylolisthesis: Auslöser ist ein akutes Trauma, z. B. ein Unfall mit Fraktur im Bereich der Wirbelbögen.
- Pathologische Spondylolisthesis: Durch Erkrankungen wie Osteoporose, Tumore oder Infektionen, die den Knochen schwächen.
Symptome
Die Beschwerden hängen vom Schweregrad des Gleitens und der Lage der betroffenen Wirbel ab. Viele Betroffene mit leichtem Wirbelgleiten bemerken keine Symptome. Mögliche Beschwerden sind:
- Tief sitzende Rückenschmerzen, oft nach körperlicher Belastung
- Ausstrahlende Schmerzen in Gesäß, Oberschenkel oder Beine (Ischias-Symptomatik)
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Beinen
- Muskelschwäche in den unteren Extremitäten
- Steifheit und eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule
- Im fortgeschrittenen Stadium: Gangstörungen oder Störungen der Blasen- und Darmfunktion (Notfall!)
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren gestellt:
- Röntgenaufnahme: Standard-Erstdiagnostik, oft in aufrechter Stellung und in Beuge- sowie Streckposition, um das Ausmaß des Gleitens zu beurteilen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Zeigt Weichteilstrukturen wie Bandscheiben, Nerven und Rückenmark detailliert; wichtig zur Beurteilung neurologischer Beeinträchtigungen.
- CT (Computertomographie): Ergänzend zur genauen Beurteilung knöcherner Veränderungen, z. B. einer Spondylolyse.
Der Schweregrad wird nach der Meyerding-Klassifikation eingeteilt: Grad I (bis 25 % Versatz) bis Grad IV (über 75 % Versatz). Bei vollständigem Abgleiten spricht man von einer Spondyloptose.
Behandlung
Konservative Therapie
Bei Grad I und II sowie bei fehlenden oder milden Symptomen ist eine konservative Behandlung in der Regel ausreichend:
- Physiotherapie: Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur zur Stabilisierung der Wirbelsäule
- Schmerztherapie: Einsatz von Schmerzmitteln (z. B. NSAR wie Ibuprofen) und ggf. Muskelrelaxanzien
- Wärme- und Kältebehandlung zur Linderung akuter Schmerzen
- Orthopädische Hilfsmittel: Mieder oder Rückenbandagen zur Entlastung
- Anpassung körperlicher Aktivitäten: Vermeidung von übermäßiger Belastung der Wirbelsäule
Operative Therapie
Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn:
- Konservative Maßnahmen über mehrere Monate keinen Erfolg zeigen
- Starke oder zunehmende neurologische Ausfälle vorliegen
- Das Wirbelgleiten fortschreitet (höhergradige Gleitstrecke)
- Blasen- oder Darmbeschwerden auftreten (Cauda-equina-Syndrom)
Das häufigste Operationsverfahren ist die Spondylodese (Versteifungsoperation): Dabei werden die betroffenen Wirbel mit Schrauben und Stäben stabilisiert und miteinander knöchern verbunden. Zusätzlich kann eine Dekompression (Erweiterung des Wirbelkanals) zur Entlastung eingeklemmter Nerven durchgeführt werden.
Prognose und Verlauf
Die meisten Betroffenen mit leichtem Wirbelgleiten (Grad I und II) können mit konservativer Therapie gut behandelt werden und führen ein normales Leben. Bei höhergradigen Formen oder persistierenden Beschwerden verbessert eine rechtzeitige operative Behandlung die Lebensqualität deutlich. Regelmäßige Kontrollen und gezielte Rückenübungen sind langfristig empfohlen.
Quellen
- Meyerding HW. Spondylolisthesis. Surg Gynecol Obstet. 1932;54:371-377.
- Wiltse LL, Newman PH, Macnab I. Classification of spondylolysis and spondylolisthesis. Clin Orthop Relat Res. 1976;117:23-29.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Leitlinie Spondylolisthesis. AWMF-Register, aktuelle Fassung. Verfügbar unter: https://www.awmf.org
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