Zahnfleischtasche: Ursachen, Symptome und Behandlung
Eine Zahnfleischtasche ist eine krankhafte Vertiefung zwischen Zahn und Zahnfleisch, die bei Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis entsteht.
Wissenswertes über "Zahnfleischtasche"
Eine Zahnfleischtasche ist eine krankhafte Vertiefung zwischen Zahn und Zahnfleisch, die bei Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis entsteht.
Was ist eine Zahnfleischtasche?
Eine Zahnfleischtasche (auch Parodontaltasche oder Gingivatasche genannt) ist eine krankhafte Vertiefung, die sich zwischen dem Zahnfleisch und dem Zahn bildet. Gesundes Zahnfleisch liegt eng am Zahn an und bildet einen flachen Sulkus (Zahnfleischfurche) von etwa 1 bis 3 Millimetern Tiefe. Wenn dieser Spalt durch Entzündung und Gewebsabbau tiefer als 3 mm wird, spricht man von einer Zahnfleischtasche. Sie ist ein charakteristisches Zeichen einer fortgeschrittenen Zahnfleischerkrankung.
Ursachen
Die Hauptursache für die Entstehung von Zahnfleischtaschen ist eine bakterielle Infektion des Zahnhalteapparats, die als Parodontitis bezeichnet wird. Diese entwickelt sich meist aus einer unbehandelten Gingivitis (Zahnfleischentlang).
- Zahnbelag (Plaque): Bakterien in der Plaque erzeugen Giftstoffe, die das Zahnfleisch reizen und entzünden.
- Zahnstein: Verharteter Zahnbelag, der sich unterhalb des Zahnfleischsaums ablagert und Bakterienansiedlung fördert.
- Rauchen: Schwacht die Immunabwehr und verschlechtert die Durchblutung des Zahnfleischs erheblich.
- Diabetes mellitus: Erhöht die Anfälligkeit für Zahnfleischentzündungen und verlangsamt die Heilung.
- Genetische Veranlagung: Manche Menschen sind aufgrund ihrer genetischen Konstitution anfälliger für Parodontalerkrankungen.
- Hormonelle Veränderungen: Zum Beispiel während der Schwangerschaft oder Pubertät.
- Mangelnde Mundhygiene: Unzureichendes Zähneputzen und fehlende Verwendung von Zahnseide begünstigen Plaquebildung.
Symptome
Zahnfleischtaschen verlaufen häufig lange Zeit schmerzlos, weshalb sie oft spät erkannt werden. Mögliche Anzeichen sind:
- Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder beim Essen
- Gerötetes, geschwollenes oder empfindliches Zahnfleisch
- Mundgeruch (Halitosis), der trotz Mundhygiene bestehen bleibt
- Zurückgehendes Zahnfleisch (Zahnfleischrückgang), bei dem die Zähne länger wirken
- Lockerung von Zähnen im fortgeschrittenen Stadium
- Eiterbildung im Bereich des Zahnfleischs
- Schmerzen beim Kauen
Diagnose
Der Zahnarzt erkennt Zahnfleischtaschen mithilfe einer sogenannten Parodontalen Sondierung. Dabei wird eine dünne, stumpfe Sonde vorsichtig in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch eingeführt und die Tiefe gemessen.
- Gesunder Sulkus: 1–3 mm Tiefe
- Beginnende Tasche: 4 mm Tiefe
- Fortgeschrittene Tasche: 5 mm und tiefer
Zusätzlich werden Röntgenaufnahmen eingesetzt, um das Ausmaß des Knochenabbaus unter dem Zahnfleisch zu beurteilen. Im Rahmen des Parodontalen Screeningindex (PSI) wird der Zustand des Zahnhalteapparats systematisch bewertet.
Behandlung
Die Behandlung von Zahnfleischtaschen richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel ist es, die bakterielle Besiedlung zu reduzieren und das Fortschreiten des Knochenabbaus zu stoppen.
Professionelle Zahnreinigung und Scaling
Bei leichten bis mittelschweren Taschen wird zunächst eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt. Dabei werden Zahnstein und Belag ober- und unterhalb des Zahnfleischsaums entfernt. Das sogenannte Scaling und Root Planing (Wurzelglättung) glättet die Zahnwurzeloberfläche, damit sich Bakterien schlechter anheften können.
Parodontale Chirurgie
Bei tiefen Taschen (ab ca. 6 mm) oder ungenügendem Ansprechen auf die nicht-chirurgische Therapie kann ein operativer Eingriff notwendig sein. Beim sogenannten Parodontalchirurgischen Eingriff (z. B. Lappenoperation) wird das Zahnfleisch zurückgeklappt, um einen direkten Zugang zur Wurzel und zum Knochen zu ermöglichen.
Unterstützende Therapie
Nach der Behandlung ist eine regelmäßige Unterstützende Parodontaltherapie (UPT) notwendig. Kontrolluntersuchungen alle drei bis sechs Monate helfen, Rückfälle zu verhindern und den Behandlungserfolg langfristig zu sichern.
Vorbeugung
Die beste Vorbeugung gegen Zahnfleischtaschen ist eine konsequente und richtige Mundhygiene:
- Zweimaliges gründliches Zähneputzen täglich (mindestens 2 Minuten)
- Tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen
- Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen beim Zahnarzt
- Verzicht auf Rauchen
- Ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker
- Kontrolle von Allgemeinerkrankungen wie Diabetes
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO): S3-Leitlinie zur Behandlung von Parodontitis Stage I–III, 2020.
- Kassebaum NJ et al.: Global burden of severe periodontitis in 1990-2010. Journal of Dental Research, 2014; 93(11): 1045–1053.
- World Health Organization (WHO): Oral Health, Fact Sheet, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/oral-health
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