Ziliarkörper – Funktion, Aufbau & Erkrankungen
Der Ziliarkörper ist ein ringförmiger Augenabschnitt, der Kammerwasser produziert und die Akkommodation der Linse steuert. Er gehört zur mittleren Augenhaut.
Wissenswertes über "Ziliarkörper"
Der Ziliarkörper ist ein ringförmiger Augenabschnitt, der Kammerwasser produziert und die Akkommodation der Linse steuert. Er gehört zur mittleren Augenhaut.
Was ist der Ziliarkörper?
Der Ziliarkörper (lat. Corpus ciliare) ist ein ringförmiger Gewebeabschnitt im Inneren des Auges, der zur mittleren Augenhaut (Uvea) gehört. Er liegt zwischen der Regenbogenhaut (Iris) und der Aderhaut (Choroidea) und umschließt die Augenlinse kreisförmig. Der Ziliarkörper übernimmt zwei lebenswichtige Funktionen im Auge: die Produktion des Kammerwassers sowie die Steuerung der Akkommodation, also der Anpassung der Linsenkrümmung an unterschiedliche Sehabstände.
Aufbau des Ziliarkörpers
Der Ziliarkörper setzt sich aus mehreren funktionellen Strukturen zusammen:
- Ziliarmuskel: Ein glatter Muskel, der durch Kontraktion oder Entspannung die Spannung der Zonulafasern (Aufhängeapparat der Linse) verändert und damit die Linsenkrümmung reguliert.
- Ziliarfortsätze (Processus ciliares): Feine Gewebefalten, in denen das Kammerwasser gebildet wird. Sie geben dem Ziliarkörper sein charakteristisches gefälteltes Aussehen.
- Ziliarepithel: Zweischichtiges Epithel, das die Ziliarfortsätze bedeckt und für die aktive Sekretion des Kammerwassers verantwortlich ist.
- Pars plana: Der hintere, flachere Anteil des Ziliarkörpers, der klinisch bei bestimmten chirurgischen Eingriffe am Auge (z. B. Vitrektomie) als Zugangsweg genutzt wird.
Funktion des Ziliarkörpers
Akkommodation
Die Akkommodation bezeichnet die Fähigkeit des Auges, sich auf unterschiedliche Entfernungen scharf einzustellen. Wenn der Ziliarmuskel sich zusammenzieht, entspannen sich die Zonulafasern, und die elastische Linse wölbt sich stärker – das Auge fokussiert auf nahe Objekte. Bei Entspannung des Muskels werden die Zonulafasern gespannt, die Linse wird flacher, und das Auge ist auf Fernsicht eingestellt. Mit zunehmendem Alter verliert die Linse ihre Elastizität, was zur Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) führt.
Kammerwasserproduktion
Das Kammerwasser ist eine klare, nährstoffreiche Flüssigkeit, die vom Ziliarepithel produziert und in die hintere Augenkammer abgegeben wird. Es fließt durch die Pupille in die vordere Augenkammer und wird im Kammerwinkel über das Trabekelmaschenwerk und den Schlemm-Kanal abgeleitet. Dieses Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss bestimmt den intraokularen Druck (IOD). Ein erhöhter Augeninnendruck ist ein zentraler Risikofaktor für das Glaukom (Grüner Star).
Erkrankungen des Ziliarkörpers
Verschiedene Erkrankungen können den Ziliarkörper betreffen:
- Zyklitis: Eine Entzündung des Ziliarkörpers, die häufig im Rahmen einer Uveitis (Entzündung der Uvea) auftritt. Sie kann Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen verursachen.
- Ziliarekörpertumoren: Seltene Tumoren wie das Medulloepitheliom oder das Ziliarkörpermelanom, die operativ oder strahlentherapeutisch behandelt werden.
- Ziliarkörperablösung (Zyklodialyse): Eine Trennung des Ziliarkörpers von der Lederhaut, die zu einem stark erniedrigten Augeninnendruck führen kann.
- Hypotonie durch Ziliarversagen: Eine unzureichende Kammerwasserproduktion kann den Augeninnendruck gefährlich senken und die Augengesundheit gefährden.
Klinische Relevanz und Diagnostik
Der Ziliarkörper kann mit verschiedenen Methoden untersucht werden. Die Spaltlampenuntersuchung ermöglicht eine Beurteilung des vorderen Augenabschnitts. Für eine detailliertere Darstellung des Ziliarkörpers kommen die Ultraschallbiomikroskopie (UBM) und die optische Kohärenztomographie (OCT) zum Einsatz. Diese Verfahren sind besonders wichtig bei der Diagnostik von Entzündungen, Tumoren und strukturellen Veränderungen. Die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) gibt indirekt Hinweise auf die Funktion des Ziliarkörpers.
Therapieoptionen bei Erkrankungen
Je nach Erkrankung kommen unterschiedliche Behandlungsansätze zum Einsatz:
- Glaukomtherapie: Zur Senkung des Augeninnendrucks werden Betablocker, Prostaglandinanaloga oder Karboanhydrasehemmer als Augentropfen eingesetzt. Chirurgische Verfahren wie die Zyklophotokoagulation (Laserbehandlung des Ziliarkörpers) reduzieren die Kammerwasserproduktion gezielt.
- Uveitis/Zyklitis: Behandlung mit Kortikosteroiden (lokal oder systemisch) sowie Mydriatika zur Verhinderung von Verklebungen der Iris.
- Tumoren: Chirurgische Resektion, Brachytherapie oder Strahlentherapie je nach Tumorart und -größe.
Quellen
- Lang, G. K. (Hrsg.): Augenheilkunde. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2019.
- Grehn, F.: Augenheilkunde. 31. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2012.
- Forrester, J. V. et al.: The Eye: Basic Sciences in Practice. 4th Edition. Elsevier, Edinburgh 2016.
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