Zuckeraustauschstoffe: Definition, Arten & Wirkung
Zuckeraustauschstoffe sind süßschmeckende Substanzen, die Zucker in Lebensmitteln ersetzen. Sie liefern weniger Kalorien und beeinflussen den Blutzucker kaum.
Wissenswertes über "Zuckeraustauschstoffe"
Zuckeraustauschstoffe sind süßschmeckende Substanzen, die Zucker in Lebensmitteln ersetzen. Sie liefern weniger Kalorien und beeinflussen den Blutzucker kaum.
Was sind Zuckeraustauschstoffe?
Zuckeraustauschstoffe sind Substanzen, die in Lebensmitteln und Getränken anstelle von herkömmlichem Haushaltszucker (Saccharose) eingesetzt werden. Sie verfügen über eine süße Geschmacksnote, liefern jedoch deutlich weniger Kalorien und lassen den Blutzuckerspiegel im Vergleich zu normalem Zucker nur geringfügig oder gar nicht ansteigen. Aus diesem Grund werden sie häufig in Diätprodukten sowie in Lebensmitteln für Menschen mit Diabetes mellitus verwendet.
Zuckeraustauschstoffe gehören zur Gruppe der Süßungsmittel und werden lebensmittelrechtlich von den eigentlichen Süßstoffen (z. B. Aspartam oder Stevia) unterschieden, da sie eine ähnliche chemische Struktur wie Kohlenhydrate aufweisen und in der Regel kalorisch, wenn auch geringer als Zucker, sind.
Arten von Zuckeraustauschstoffen
Es gibt eine Vielzahl von Zuckeraustauschstoffen, die in der Lebensmittelindustrie zugelassen und verbreitet sind. Zu den bekanntesten zählen:
- Sorbit (E 420): Wird aus Glukose gewonnen und ist etwa halb so süß wie Saccharose. Häufig in zuckerfreiem Kaugummi und Bonbons enthalten.
- Mannit (E 421): Ein Zuckeralkohol, der natürlich in Pilzen und Algen vorkommt. Er hat eine kühlende Wirkung im Mund.
- Isomalt (E 953): Wird aus Rübenzucker gewonnen und ist säurestabiler als Zucker. Beliebt in der Herstellung von Bonbons und Schokolade.
- Maltit (E 965): Wird aus Maltose hergestellt und ist fast ebenso süß wie Zucker.
- Lactit (E 966): Gewonnen aus Laktose (Milchzucker), weniger süß als Saccharose und wird oft in Schokoladenprodukten eingesetzt.
- Xylit (E 967): Auch Birkenzucker genannt, hat nahezu die gleiche Süßkraft wie Zucker und gilt als zahnfreundlich.
- Erythrit (E 968): Ein Zuckeralkohol mit nahezu null Kalorien, der natürlich in bestimmten Früchten vorkommt und gut verträglich ist.
- Trehalose (E 995): Ein Disaccharid mit niedrigerem glykämischen Index als Saccharose.
Wirkungsweise und Stoffwechsel
Die meisten Zuckeraustauschstoffe gehören chemisch zur Gruppe der Zuckeralkohole (Polyole). Sie werden im Dünndarm nur unvollständig absorbiert und gelangen teilweise in den Dickdarm, wo sie von Bakterien fermentiert werden. Dadurch ist ihr Einfluss auf den Blutzucker- und Insulinspiegel deutlich geringer als bei herkömmlichem Zucker.
Der Kaloriengehalt von Zuckeralkoholen liegt in der Regel bei etwa 2,4 kcal pro Gramm (im Vergleich zu 4 kcal/g bei Zucker). Erythrit bildet eine Ausnahme und liefert praktisch keine Kalorien (ca. 0,2 kcal/g), da es fast vollständig über die Nieren ausgeschieden wird.
Anwendungsbereiche
Zuckeraustauschstoffe werden in einer Vielzahl von Lebensmitteln und Produkten eingesetzt:
- Zuckerfreie und kalorienreduzierte Süßigkeiten, Kaugummis und Bonbons
- Diätprodukte und Light-Lebensmittel
- Diabetikerprodukte
- Zahnpflegeprodukte (z. B. Zahnpasten und Mundspülungen mit Xylit)
- Backwaren und Desserts
- Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente als Hilfsstoffe
Gesundheitliche Aspekte und Verträglichkeit
Zuckeraustauschstoffe gelten bei moderatem Konsum als sicher und sind von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt. Sie bieten folgende potenzielle Vorteile:
- Reduzierung der Kalorienaufnahme im Vergleich zu Zucker
- Geringerer Einfluss auf den Blutzuckerspiegel (relevant für Diabetiker)
- Zahnfreundlichkeit, da sie von Mundhöhlenbakterien nicht oder kaum zu zahnschädigenden Säuren vergoren werden
Bei übermäßigem Konsum können Zuckeralkohole jedoch abführend wirken und Beschwerden wie Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall verursachen. Daher schreibt die europäische Lebensmittelkennzeichnungsverordnung vor, dass Produkte mit einem Zuckeralkoholgehalt von mehr als 10 % den Hinweis tragen müssen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“
Kennzeichnung und Regulierung
In der Europäischen Union sind Zuckeraustauschstoffe als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen und müssen im Zutatenverzeichnis mit ihrem Namen oder ihrer E-Nummer angegeben werden. Die Zulassung und Überwachung erfolgt durch die EFSA im Rahmen der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe.
Quellen
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Re-evaluation of sorbitol (E 420) as a food additive. EFSA Journal, 2015.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Sugars intake for adults and children. WHO Guidelines, 2015.
- Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über Lebensmittelzusatzstoffe. Amtsblatt der Europäischen Union, 2008.
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