Follikelstimulationshormon (FSH) – Funktion & Werte
Das Follikelstimulationshormon (FSH) ist ein wichtiges Hormon der Hirnanhängedrüse, das die Reifung von Eizellen und Spermien steuert und eine zentrale Rolle in der Fruchtbarkeit spielt.
Wissenswertes über "Follikelstimulationshormon"
Das Follikelstimulationshormon (FSH) ist ein wichtiges Hormon der Hirnanhängedrüse, das die Reifung von Eizellen und Spermien steuert und eine zentrale Rolle in der Fruchtbarkeit spielt.
Was ist das Follikelstimulationshormon (FSH)?
Das Follikelstimulationshormon (kurz FSH), auch Follitropin genannt, ist ein Gonadotropin – ein Hormon, das die Keimdrüsen (Eierstöcke und Hoden) stimuliert. Es wird in der Hirnanhängedrüse (Hypophyse) gebildet und ins Blut abgegeben. FSH ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern unentbehrlich für die Fortpflanzungsfunktion.
Biologische Funktion
FSH bei Frauen
Bei Frauen fördert FSH die Reifung der Follikel in den Eierstöcken. Ein Follikel ist eine kleine, flüssigkeitsgefüllte Blase, die eine unreife Eizelle enthält. Unter dem Einfluss von FSH entwickeln sich diese Follikel, bis einer von ihnen zur vollständigen Reife gelangt und die Eizelle beim Eisprung freigesetzt wird. Zusätzlich regt FSH die Eierstöcke zur Produktion von Östrogen an.
FSH bei Männern
Bei Männern stimuliert FSH die sogenannten Sertoli-Zellen im Hoden, welche die Spermienreifung (Spermatogenese) unterstützen. FSH ist damit wesentlich für die männliche Fruchtbarkeit verantwortlich.
Regulation des FSH-Spiegels
Die Produktion von FSH wird durch einen komplexen Regelkreis gesteuert:
- Der Hypothalamus im Gehirn setzt das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) frei, das die Hypophyse zur FSH-Ausschüttung anregt.
- Die von den Keimdrüsen produzierten Geschlechtshormone (Östrogen, Testosteron) und das Hormon Inhibin hemmen die FSH-Freisetzung im Sinne einer negativen Rückkopplung.
- Während des weiblichen Zyklus verändern sich die FSH-Spiegel typischerweise: Sie steigen zu Beginn des Zyklus an, fallen nach dem Eisprung ab und zeigen einen zweiten Anstieg in der Zyklusmitte (präovulatorischer Peak).
Normale FSH-Werte
Die Normwerte für FSH im Blut variieren je nach Geschlecht, Alter und Zyklusphase:
- Frauen (Follikelphase): ca. 3–10 IE/l
- Frauen (Ovulation): ca. 4–25 IE/l
- Frauen (Lutealphase): ca. 2–8 IE/l
- Frauen (Menopause): > 25–40 IE/l
- Männer: ca. 1–12 IE/l
Genaue Referenzwerte können je nach Labor variieren. Die Interpretation sollte stets durch einen Arzt oder eine Ärztin erfolgen.
Diagnose: Wann wird FSH gemessen?
Der FSH-Spiegel im Blut wird häufig im Rahmen einer Hormondiagnostik bestimmt. Typische Anlässe sind:
- Abklärung von Unfruchbarkeit bei Frauen und Männern
- Diagnostik bei unregelmäßigen oder ausbleibenden Regelblutungen
- Verdacht auf frühzeitige Wechseljahre (prämature Ovarialinsuffizienz)
- Abklärung einer verzögerten oder verfrühten Pubertät
- Beurteilung der Hypophysenfunktion
- Monitoring während einer künstlichen Befruchtung (assistierte Reproduktion)
Ursachen und Bedeutung veränderter FSH-Werte
Erhöhte FSH-Werte
Ein erhöhter FSH-Spiegel kann auf folgende Zustände hinweisen:
- Menopause oder Klimakterium bei Frauen
- Prämature Ovarialinsuffizienz (POI) – frühzeitiger Verlust der Eierstockfunktion
- Klinefelter-Syndrom beim Mann (chromosomale Besonderheit mit Hodenunterfunction)
- Primärer Hypogonadismus – unzureichende Funktion der Keimdrüsen
- Bestimmte chromosomale oder genetische Erkrankungen
Erniedrigte FSH-Werte
Niedrige FSH-Spiegel können ein Hinweis auf folgende Erkrankungen sein:
- Hypophyseninsuffizienz (Unterfunction der Hirnanhängedrüse)
- Hypothalamische Amenorröe (z. B. durch extremen Sport, Untergewicht oder starken Stress)
- Sekundärer Hypogonadismus
- Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Anabolika, Steroide)
FSH in der Medizin: Einsatz als Medikament
Synthetisch hergestelltes oder aus dem Urin gewonnenes FSH wird als Arzneimittel eingesetzt, um die Eizellreifung im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder anderer Methoden der assistierten Reproduktion zu stimulieren. Ziel ist die kontrollierte Überstimulation der Eierstöcke, sodass mehrere Eizellen gleichzeitig reifen. Auch bei bestimmten Formen männlicher Unfruchtbarkeit kann FSH therapeutisch eingesetzt werden.
Quellen
- Stalla GK (Hrsg.): Praktische Endokrinologie. Urban & Fischer Verlag, München, 2007.
- Anawalt BD et al.: Follicle-stimulating hormone and male fertility. In: UpToDate, Wolters Kluwer, 2023.
- World Health Organization (WHO): Laboratory Manual for the Examination and Processing of Human Semen, 6th Edition. WHO Press, Genf, 2021.
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