Shunt - Bedeutung, Arten und Behandlung
Ein Shunt ist eine chirurgisch angelegte Verbindung, die Flüssigkeit oder Blut an einem Hindernis vorbeileitet. Er wird z.B. bei Hydrozephalus oder Gefäßerkrankungen eingesetzt.
Wissenswertes über "Shunt"
Ein Shunt ist eine chirurgisch angelegte Verbindung, die Flüssigkeit oder Blut an einem Hindernis vorbeileitet. Er wird z.B. bei Hydrozephalus oder Gefäßerkrankungen eingesetzt.
Was ist ein Shunt?
Ein Shunt ist eine medizinische Vorrichtung oder ein chirurgisch angelegter Bypass, der dazu dient, Körperflüssigkeiten oder Blut von einem Bereich in einen anderen umzuleiten. Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Umleitung“. Shunts werden in verschiedenen medizinischen Fachgebieten eingesetzt, darunter Neurochirurgie, Kardiologie und Gefäßchirurgie.
Arten von Shunts
Neurochirurgischer Shunt (Liquorshunt)
Die häufigste Anwendung ist die Behandlung des Hydrozephalus (Wasserkopf). Bei dieser Erkrankung staut sich Hirnwasser (Liquor cerebrospinalis) im Schädelinneren an und erhöht den Hirndruck. Ein Liquorshunt leitet den überschüssigen Liquor in eine andere Körperhöhle ab, meist in den Bauchraum (ventrikuloperitonealer Shunt, VP-Shunt) oder in den Herzvorhof (ventrikuloatrialer Shunt, VA-Shunt).
Kardiovaskulärer Shunt
In der Herzchirurgie bezeichnet ein Shunt eine abnorme oder chirurgisch geschaffene Verbindung zwischen Blutgefäßen. Angeborene Herzfehler wie ein offener Ductus arteriosus oder ein Ventrikelseptumdefekt können zu einem pathologischen (krankhaften) Shunt führen, bei dem Blut unkontrolliert zwischen Körper- und Lungenkreislauf zirkuliert. Chirurgische Shunts, wie der Blalock-Taussig-Shunt, werden gezielt angelegt, um die Blutversorgung der Lunge bei bestimmten Herzfehlern zu verbessern.
Dialyseshunt (arteriovenoöser Shunt, AV-Shunt)
Für Patienten, die eine Nierenersatztherapie (Hämodialyse) benötigen, wird ein arteriovenoöser Shunt angelegt. Dabei werden eine Arterie und eine Vene, meist am Unterarm, chirurgisch miteinander verbunden. Dies ermöglicht einen ausreichend starken Blutfluss für den Dialysevorgang. Man unterscheidet die direkte Verbindung (AV-Fistel) von der Verbindung über ein Kunststoffrohr (AV-Prothese).
Implantation und Funktion
Die Anlage eines Shunts erfolgt in der Regel operativ unter Narkose. Ein typisches Shuntsystem für den Hydrozephalus besteht aus drei Teilen:
- Ventrikelkatheter: wird in den Liquorraum des Gehirns eingelegt
- Ventil: regelt den Flüssigkeitsfluss und verhindert Rückfluss; kann druckregulierbar oder adjustierbar sein
- Ableitungskatheter: führt die Flüssigkeit in die Ziellöhle (z.B. Bauchraum)
Das Ventil spielt eine entscheidende Rolle, da es den Druck reguliert und sicherstellt, dass nicht zu viel oder zu wenig Flüssigkeit abgeleitet wird.
Mögliche Komplikationen
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff sind auch bei der Shuntanlage Komplikationen möglich. Zu den häufigsten gehören:
- Shuntinfektion: bakterielle Besiedlung des Shuntsystems, oft durch Hautkeime
- Shuntdysfunktion: Verstopfung oder Fehlfunktion des Katheters oder Ventils
- Shuntdislokation: Verrutschen des Katheters aus der vorgesehenen Position
- Überdrainage: zu starke Ableitung von Liquor, was zu Kopfschmerzen oder Subduralthämatomen führen kann
- Unterdrainage: zu geringe Ableitung, wodurch die Symptome des Hydrozephalus fortbestehen
Diagnose bei Shuntproblemen
Zur Beurteilung eines möglichen Shuntversagens kommen bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels zum Einsatz. Eine Shuntpunktion kann zur direkten Druckmessung oder zur Entnahme von Liquor für mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt werden. Bei Dialyseshunts wird die Funktion regelmäßig durch Ultraschall (Duplexsonographie) überprüft.
Leben mit einem Shunt
Viele Patienten führen mit einem korrekt funktionierenden Shunt ein weitgehend normales Leben. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind jedoch essenziell, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Patienten und Angehörige sollten über Warnsignale einer Shuntdysfunktion informiert sein, darunter starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Veränderungen der Bewusstseinslage.
Quellen
- Rekate, H.L. (2009): A contemporary definition and classification of hydrocephalus. In: Seminars in Pediatric Neurology, 16(1), 9-15. PubMed.
- Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC): Leitlinien zur Behandlung des Hydrozephalus. www.dgnc.de
- National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS): Hydrocephalus Fact Sheet. www.ninds.nih.gov
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