Os sacrum (Kreuzbein) – Anatomie & Erkrankungen
Das Os sacrum (Kreuzbein) ist ein dreieckiger Knochen am unteren Ende der Wirbelsäule. Es verbindet die Wirbelsäule mit dem Becken und bildet die Rückwand des Beckens.
Wissenswertes über "Os sacrum"
Das Os sacrum (Kreuzbein) ist ein dreieckiger Knochen am unteren Ende der Wirbelsäule. Es verbindet die Wirbelsäule mit dem Becken und bildet die Rückwand des Beckens.
Was ist das Os sacrum?
Das Os sacrum, auf Deutsch Kreuzbein, ist ein großer, dreieckiger Knochen, der am unteren Ende der Wirbelsäule liegt. Er entsteht durch die Verschmelzung von fünf Wirbelkörpern (S1–S5) im Laufe der Kindheit und Jugend und ist vollständig bis etwa zum 30. Lebensjahr verknochert. Das Kreuzbein bildet zusammen mit dem Steißbein (Os coccygis) das untere Ende der Wirbelsäule und ist beidseitig über die Iliosakralgelenke mit den Beckenschaufeln (Darmbein) verbunden.
Anatomie und Lage
Das Os sacrum hat eine charakteristische Form: Es ist nach vorne (ventral) leicht gewölbt und verjüngt sich nach unten hin. Die wichtigsten anatomischen Strukturen umfassen:
- Basis ossis sacri: Die breite Oberfläche, die mit dem fünften Lendenwirbel (L5) artikuliert und den Lumbosacralen Übergang bildet.
- Apex ossis sacri: Die schmale Spitze des Kreuzbeins, die sich mit dem Steißbein verbindet.
- Facies pelvica (ventrale Fläche): Die glatte Innenseite, die zum Beckenraum zeigt und vier Paare von Foramina sacralia anteriora aufweist, durch die Sacralnerven austreten.
- Facies dorsalis (dorsale Fläche): Die raue Rückseite mit der Crista sacralis mediana (Knochenleiste) und den Foramina sacralia posteriora für den Rücktritt der Sacralnerven.
- Canalis sacralis: Der Kanal im Inneren des Kreuzbeins, der als Fortsetzung des Wirbelkanals die Endstänge des Rückenmarks (Cauda equina) und Nervenwurzeln enthält.
- Facies auricularis: Die ohrmuschelförmige Gelenkfläche beiderseits, die das Iliosakralgelenk bildet.
Funktion
Das Kreuzbein übernimmt mehrere wichtige Aufgaben im menschlichen Körper:
- Gewichtstragung: Es überträgt das Gewicht der Wirbelsäule und des Rumpfes auf das Becken und von dort auf die Beine.
- Stabilisierung: Zusammen mit den Iliosakralgelenken sorgt es für Stabilität im Beckenring.
- Schutz der Nerven: Der Canalis sacralis schützt die darin verlaufenden Sacralnerven (S1–S5), die u. a. die Beckenorgane, den Damm und die unteren Extremitäten versorgen.
- Beckenformung: Das Sacrum bildet die hintere Wand des kleinen Beckens und trägt zur Form des Geburtskanals bei.
Häufige Erkrankungen und Verletzungen
Kreuzbeinbruch (Sakrumfraktur)
Frakturen des Os sacrum treten häufig bei hochenergetischen Traumen (z. B. Sturz aus großer Höhe, Verkehrsunfall) oder bei älteren Menschen mit Osteoporose auf (sogenannte Insuffizienzfrakturen). Symptome sind Schmerzen im Steißbein- und Gespoberreich sowie gelegentlich neurologische Ausfälle bei Beteiligung des Canalis sacralis.
Sakroiliitis
Eine Entzündung des Iliosakralgelenks wird als Sakroiliitis bezeichnet. Sie kann im Rahmen von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) auftreten und äußert sich durch tiefen Rücken- und Gesposchmerz, besonders morgens.
Sakraldysfunktion und Rückenschmerzen
Funktionelle Störungen im lumbosacralen Übergang oder der Iliosakralgelenke gehören zu den häufigsten Ursachen für chronische untere Rückenschmerzen. Physiotherapie, manuelle Therapie und gezielte Übungen sind typische Behandlungsansätze.
Sakralkanal-Stenose
Eine Einengung des Canalis sacralis kann durch degenerative Veränderungen oder Tumore entstehen und führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Schwäche in den Beinen sowie zu Blasen- und Darmstörungen.
Klinische Bedeutung in der Medizin
Das Os sacrum hat besondere Bedeutung in verschiedenen medizinischen Fachbereichen:
- Gebärtshilfe: Die Weite und Form des kleinen Beckens, mitbestimmt durch das Sacrum, ist entscheidend für den Geburtsverlauf.
- Anesthesiologie: Die Kaudalanästhesie (epidurale Anästhesie über den Hiatus sacralis) ist ein wichtiges Verfahren bei Operationen im Beckenbereich und in der Geburtshilfe.
- Orthopädie und Unfallchirurgie: Frakturen, Tumore und Degenerationen des Kreuzbeins erfordern spezielle diagnostische und therapeutische Maßnahmen.
- Onkologie: Das Sacrum kann von primären Knochentumoren (z. B. Chordom) oder Metastasen befallen werden.
Diagnose
Zur Beurteilung des Os sacrum werden folgende bildgebende Verfahren eingesetzt:
- Röntgenaufnahme: Erste Basisdiagnostik bei Verdacht auf Fraktur oder degenerative Veränderungen.
- Computertomographie (CT): Detaillierte Darstellung von Frakturen, Tumoren und knöchernen Strukturen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Beste Methode zur Beurteilung von Weichteilen, Nerven, Bandscheiben und entzündlichen Veränderungen.
- Szintigraphie / PET-CT: Bei Verdacht auf Metastasen oder entzündliche Erkrankungen.
Quellen
- Schiebler, T. H. & Korf, H.-W. (2007). Anatomie (10. Aufl.). Springer Medizin Verlag.
- Standring, S. (Hrsg.) (2020). Gray's Anatomy: The Anatomical Basis of Clinical Practice (42. Aufl.). Elsevier.
- Denis, F., Davis, S. & Comfort, T. (1988). Sacral fractures: an important problem. Clinical Orthopaedics and Related Research, 227, 67–81.
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