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Rückenmarksstimulation – Schmerztherapie erklärt

Die Rückenmarksstimulation ist ein minimalinvasives Verfahren zur Schmerztherapie, bei dem elektrische Impulse über eine implantierte Elektrode an das Rückenmark abgegeben werden.

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Wissenswertes über "Rückenmarksstimulation"

Die Rückenmarksstimulation ist ein minimalinvasives Verfahren zur Schmerztherapie, bei dem elektrische Impulse über eine implantierte Elektrode an das Rückenmark abgegeben werden.

Was ist die Rückenmarksstimulation?

Die Rückenmarksstimulation (englisch: Spinal Cord Stimulation, kurz SCS) ist ein interventionelles, minimalinvasives Verfahren aus der Neuromodulation. Dabei werden elektrische Impulse über dünne Elektroden gezielt an das Rückenmark abgegeben, um chronische Schmerzsignale zu unterdrücken oder zu verändern. Das Verfahren wird eingesetzt, wenn konservative und medikamentöse Behandlungen keinen ausreichenden Erfolg gezeigt haben.

Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismus der Rückenmarksstimulation ist noch nicht vollständig geklärt, es gibt jedoch mehrere anerkannte Erklärungsansätze:

  • Gate-Control-Theorie: Elektrische Impulse aktivieren hemmende Nervenfasern im Rückenmark, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen zum Gehirn blockieren.
  • Neurotransmitter-Modulation: Die Stimulation beeinflusst die Ausschüttung von schmerzdämpfenden Botenstoffen wie Gamma-Aminobutter-Säure (GABA) und Serotonin.
  • Hemmung des sympathischen Nervensystems: Besonders bei Durchblutungsstörungen kann die Stimulation die Durchblutung verbessern und damit Schmerzen lindern.

Anwendungsgebiete

Die Rückenmarksstimulation wird bei verschiedenen chronischen Schmerzerkrankungen eingesetzt, darunter:

  • Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS): Anhaltende Rücken- und Beinschmerzen nach Rückenoperationen
  • Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS): Chronische Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen an Gliedmaßen
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Schmerzen bei Durchblutungsstörungen der Beine
  • Diabetische Neuropathie: Nervenschmerzen infolge von Diabetes mellitus
  • Chronische Angina pectoris: Brustschmerzen bei nicht operabler koronarer Herzerkrankung
  • Radikulopathien: Schmerzen durch eingeklemmte Nerven

Ablauf des Verfahrens

Testphase

Vor der dauerhaften Implantation wird eine Testphase (Probestimulation) von meist 7 bis 14 Tagen durchgeführt. Dabei werden die Elektroden temporär platziert und der Patient erprobt, ob eine ausreichende Schmerzlinderung (in der Regel über 50 % Schmerzreduktion) erzielt wird. Nur bei Erfolg wird das System dauerhaft implantiert.

Dauerhafte Implantation

Bei erfolgreicher Testphase wird ein Impulsgenerator (eine Art Schrittmacher für Schmerzen) unter die Haut implantiert, meist in der Bauch- oder Gesäßregion. Über dünne Kabel ist er mit den Elektroden im Rückenmarkkanal verbunden. Der Patient kann die Stimulation über eine externe Fernbedienung selbst steuern und an seine Bedürfnisse anpassen.

Stimulationsformen

Moderne Systeme bieten verschiedene Stimulationsformen an:

  • Konventionelle Stimulation (Paresthäsie-basiert): Der Patient spürt ein leichtes Kribbeln (Paresthäsie) anstelle des Schmerzes.
  • High-Frequency-Stimulation (HF-SCS): Hochfrequente Impulse ohne wahrnehmbare Paresthäsien.
  • Burst-Stimulation: Impulsgruppen, die natürlichen Nervensignalen nachempfunden sind und als besonders angenehm empfunden werden.
  • Dorsale Wurzeleingangszonen-Stimulation (DRGS): Gezielte Stimulation einzelner Nervenwurzeln für präzisere Schmerzabdeckung.

Vorteile und Risiken

Vorteile

  • Reversibles Verfahren – das System kann jederzeit entfernt werden
  • Starke Reduktion des Medikamentenbedarfs
  • Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität
  • Anpassbar an individuelle Schmerzmuster

Risiken und Nebenwirkungen

  • Infektionen an der Implantationsstelle
  • Elektrodendislokation (Verrutschen der Elektrode)
  • Gerätedefekte oder Batterieentladung
  • Selten: neurologische Komplikationen wie Taubheitsgefühl oder Muskelschwwäche
  • Unverträglichkeit mit bestimmten Bildgebungsverfahren (z. B. MRT-Einschränkungen je nach Systemtyp)

Patienteneignung und Kontraindikationen

Nicht alle Patienten sind für die Rückenmarksstimulation geeignet. Eine sorgfältige Patientenauswahl durch ein interdisziplinäres Team (Schmerztherapeuten, Neurologen, Psychologen) ist entscheidend. Kontraindikationen umfassen unter anderem aktive Infektionen, Blutgerinnungsstörungen, bestimmte psychiatrische Erkrankungen sowie nicht ausgeschöpfte konservative Therapiemöglichkeiten.

Quellen

  1. Deer TR et al. - The Neuromodulation Appropriateness Consensus Committee (NACC) Recommendations for Spinal Cord Stimulation: Guidance on Patient Selection, Programming and Outcome Measurement. Neuromodulation, 2017.
  2. Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. - Leitlinie zur Behandlung chronischer Schmerzen mit invasiven Verfahren (AWMF). 2022.
  3. Pereira EAC, Aziz TZ - Neuropathic Pain and Deep Brain Stimulation. Neurotherapeutics, 2014.

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