N92.1 – Menorrhagie und Polymenorrhoe
N92.1 ist der ICD-10-Code für Menorrhagie und Polymenorrhoe – starke und/oder zu häufige Menstruationsblutungen. Betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter.
Wissenswertes über "N92.1"
N92.1 ist der ICD-10-Code für Menorrhagie und Polymenorrhoe – starke und/oder zu häufige Menstruationsblutungen. Betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter.
Definition
N92.1 ist ein Diagnose-Code aus dem Internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten (ICD-10) und bezeichnet Menorrhagie und Polymenorrhoe. Darunter versteht man regelmäßige, jedoch zu starke (Menorrhagie) und/oder zu häufige (Polymenorrhoe) Menstruationsblutungen. Eine Menstruation gilt als zu stark, wenn der Blutverlust pro Zyklus 80 ml übersteigt. Bei einer Polymenorrhoe treten die Blutungen in Abständen von weniger als 21 Tagen auf.
Ursachen
Die Ursachen für Menorrhagie und Polymenorrhoe sind vielfältig:
- Hormonelle Störungen: Ungleichgewicht von Östrogen und Gestagen, Schilddrüsenerkrankungen, Hyperprolaktinämie
- Strukturelle Veränderungen der Gebärmutter: Myome (gutartige Muskeltumoren), Endometriumpolypen, Adenomyose
- Gerinungsstörungen: z. B. Von-Willebrand-Syndrom oder Thrombozytenstörungen
- Intrauterinpessare (IUP): Kupferspirale kann zu verstärkten Blutungen führen
- Endometriose: Auftreten von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter
- Medikamentöse Ursachen: Blutverдünnende Medikamente wie Antikoagulanzien
- Idiopathisch: In manchen Fällen lässt sich keine spezifische Ursache feststellen
Symptome
Typische Beschwerden bei N92.1 umfassen:
- Sehr starke Menstruationsblutungen (z. B. häufiger Wechsel der Monatshygiene nötig)
- Blutungen mit großen Koageln (Blutgerinnseln)
- Menstruationszyklen kürzer als 21 Tage
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit durch Blutarmut (Anämie)
- Unterleibsschmerzen und -krämpfe
- Einschränkung der Lebensqualität im Alltag
Diagnose
Zur Abklärung der Ursachen werden folgende diagnostische Maßnahmen eingesetzt:
- Anamnese und gynäkologische Untersuchung: Detaillierte Erfassung des Zyklusmusters und der Blutungsstärke
- Blutuntersuchung: Blutbild (Hämoglobin, Ferritin), Gerinnungsparameter, Hormonstatus (FSH, LH, Prolaktin, Schilddrüsenwerte)
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Beurteilung von Gebärmutter und Eierstöcken
- Hysteroskopie: Direkte Spiegelung der Gebärmutterhöhle zur Erkennung von Polypen oder Myomen
- Endometriumbiopsie: Gewebeentnahme aus der Gebärmutterschleimhaut bei Verdacht auf krankhafte Veränderungen
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Leidensdruck der Patientin:
Medikamentöse Therapie
- Hormonelle Kontrazeptiva: Kombinierte Pille oder Gestagenpräparate zur Zyklusregulierung und Blutverlustminimierung
- Levonorgestrel-haltiges Intrauterinsystem (Hormonspirale): Sehr wirksam zur Reduktion der Blutungsstärke
- Tranexamsäure: Hemmt den Abbau von Blutgerinnseln und reduziert den Blutverlust
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): z. B. Ibuprofen – lindern Schmerzen und können Blutungen leicht reduzieren
- Eisensubstitution: Bei festgestellter Eis en mangelanämie
Operative Therapie
- Endometriumablation: Zerstörung der Gebärmutterschleimhaut, geeignet bei abgeschlossenem Kinderwunsch
- Myomenukleation oder Polypektomie: Chirurgische Entfernung von Myomen oder Polypen
- Hysterektomie: Entfernung der Gebärmutter als letzte Option bei schwerem Leidensdruck und abgeschlossenem Kinderwunsch
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XIV – Krankheiten des Urogenitalsystems, N92.1.
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Heavy menstrual bleeding: assessment and management. NICE Guideline NG88 (2021). Verfügbar unter: https://www.nice.org.uk/guidance/ng88
- Munro M.G. et al.: FIGO classification system (PALM-COEIN) for causes of abnormal uterine bleeding in nongravid women of reproductive age. International Journal of Gynecology & Obstetrics, 113(1):3-13 (2011).
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