Osteosynthese – Knochenbruch operativ versorgen
Die Osteosynthese ist ein chirurgisches Verfahren zur operativen Stabilisierung von Knochenbrüchen mittels Implantaten wie Schrauben, Platten oder Nägeln.
Wissenswertes über "Osteosynthese"
Die Osteosynthese ist ein chirurgisches Verfahren zur operativen Stabilisierung von Knochenbrüchen mittels Implantaten wie Schrauben, Platten oder Nägeln.
Was ist eine Osteosynthese?
Die Osteosynthese bezeichnet ein operatives Verfahren in der Unfallchirurgie und Orthopädie, bei dem gebrochene Knochen durch spezielle Implantate fixiert und stabilisiert werden. Ziel ist es, die Knochenfragmente in ihrer anatomisch korrekten Position zu halten, damit sie richtig zusammenwachsen können. Das Wort setzt sich aus dem griechischen "osteon" (Knochen) und "synthesis" (Zusammenfügung) zusammen.
Arten der Osteosynthese
Je nach Frakturtyp, betroffener Körperregion und Patientenzustand kommen unterschiedliche Implantate und Techniken zum Einsatz:
Plattenosteosynthese
Bei der Plattenosteosynthese wird eine Metallplatte direkt auf dem Knochen befestigt und mit Schrauben fixiert. Sie eignet sich besonders für Frakturen an langen Röhrenknochen sowie Gelenknahe Brüche.
Marknagelosteosynthese
Beim Marknagel wird ein stabiler Metallnagel in den Markraum (das Innere) des Knochens eingebracht. Diese Methode wird häufig bei Brüchen des Oberschenkel- oder Schienbeins angewendet.
Schraubenosteosynthese
Bei einfachen Frakturen können Schrauben allein ausreichen, um die Knochenfragmente zu fixieren. Dies ist zum Beispiel bei bestimmten Brüchen des Sprunggelenks oder des Handgelenks der Fall.
Fixateur externe
Der Fixateur externe ist ein äußeres Stabilisierungssystem, bei dem Schrauben oder Drähte durch die Haut in den Knochen eingebracht und mit einem außen liegenden Gestell verbunden werden. Er wird häufig bei offenen Frakturen oder stark verschmutzten Wunden eingesetzt.
Kirschner-Draht-Osteosynthese
Kirschner-Drähte (K-Drähte) sind dünne Metalldrähte, die vor allem bei kleinen Knochen, wie in den Händen oder Füßen, sowie bei Kindern eingesetzt werden.
Wann wird eine Osteosynthese durchgeführt?
Eine Osteosynthese ist indiziert, wenn:
- konservative Maßnahmen (z. B. Gipsversorgung) nicht ausreichend sind
- die Fraktur stark verschoben ist und eine exakte Reposition notwendig ist
- gelenknahe oder intraartikuläre Frakturen vorliegen
- eine frühzeitige Mobilisation des Patienten erforderlich ist (z. B. bei älteren Menschen mit Oberschenkelhalsfraktur)
- offene Frakturen oder Mehrfragmentfrakturen bestehen
Ablauf der Operation
Vor dem Eingriff werden bildgebende Verfahren wie Röntgen oder CT durchgeführt, um die Fraktur genau zu beurteilen. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder Regionalanästhesie. Je nach Methode wird der Knochen offen freigelegt (offene Osteosynthese) oder das Implantat minimalinvasiv eingebracht (geschlossene Osteosynthese). Nach der Implantation wird die korrekte Lage häufig röntgenologisch kontrolliert.
Nachsorge und Rehabilitation
Nach einer Osteosynthese ist eine sorgfältige Nachsorge entscheidend für den Heilungserfolg:
- Regelmäßige röntgenologische Verlaufskontrollen
- Physiotherapie zur Wiederherstellung von Beweglichkeit und Kraft
- Gegebenenfalls Belastungseinschränkungen je nach Implantat und Frakturtyp
- Entfernung des Implantats nach vollständiger Knochenheilung (nicht immer notwendig)
Risiken und Komplikationen
Wie jeder chirurgische Eingriff birgt auch die Osteosynthese gewisse Risiken:
- Infektionen im Operationsgebiet
- Implantatversagen (z. B. Bruch oder Lockerung der Schrauben)
- Pseudarthrose: gestörte oder ausbleibende Knochenheilung
- Verletzungen von Nerven oder Blutgefäßen
- Thrombosen oder Embolien (Blutgerinnsel)
Materialien und Implantate
Moderne Osteosynthese-Implantate bestehen meist aus Titan oder chirurgischem Edelstahl, da diese Materialien körperverträglich, stabil und MRT-kompatibel sind. In bestimmten Fällen werden auch bioresorbierbare (sich selbst auflösende) Implantate eingesetzt, die keiner späteren Entfernung bedürfen.
Quellen
- Rüedi, T.P., Buckley, R.E., Moran, C.G. (Hrsg.) - AO-Prinzipien des Frakturmanagements. Thieme Verlag, 3. Auflage (2018).
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) - Leitlinien zur Frakturversorgung. www.dgu-online.de (abgerufen 2024).
- Müller, M.E., Allgöwer, M., Schneider, R., Willenegger, H. - Manual der Osteosynthese. Springer Verlag, Berlin (1992).
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