Neurinom: Ursachen, Symptome & Behandlung
Ein Neurinom ist ein gutartiger Tumor, der aus den Schwann-Zellen peripherer Nerven entsteht. Es tritt häufig am Hörnerv auf und kann Schwindel, Hörverlust und Tinnitus verursachen.
Wissenswertes über "Neurinom"
Ein Neurinom ist ein gutartiger Tumor, der aus den Schwann-Zellen peripherer Nerven entsteht. Es tritt häufig am Hörnerv auf und kann Schwindel, Hörverlust und Tinnitus verursachen.
Was ist ein Neurinom?
Ein Neurinom (auch Schwannom genannt) ist ein überwiegend gutartiger (benigner) Tumor, der aus den sogenannten Schwann-Zellen entsteht. Schwann-Zellen bilden die Myelinscheide, also die schützende Hülle um die Nervenfasern des peripheren Nervensystems. Neurinom-Tumore wachsen in der Regel langsam und verdringen benachbartes Gewebe, ohne direkt in dieses einzuwachsen. Am häufigsten tritt ein Neurinom am achten Hirnnerv (Nervus vestibulocochlearis) auf und wird dann als Vestibularisschwannom oder akustisches Neurinom bezeichnet.
Ursachen
Die genaue Ursache für die Entstehung eines Neurinoms ist in vielen Fällen nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren werden diskutiert:
- Genetische Faktoren: Bei der erblichen Erkrankung Neurofibromatose Typ 2 (NF2) treten Neurinom-Tumore häufig beidseitig auf. Ursache ist eine Mutation im NF2-Gen auf Chromosom 22.
- Spontane Mutationen: Die meisten Neurinom-Fälle sind sporadisch, das heißt, sie entstehen ohne nachweisbare Erblichkeit durch zufällige genetische Veränderungen.
- Strahlenexposition: Eine frühere Bestrahlung des Kopf- und Halsbereichs gilt als möglicher Risikofaktor.
Symptome
Die Symptome eines Neurinoms hängen stark davon ab, welcher Nerv betroffen ist. Beim häufigsten Typ, dem akustischen Neurinom, können folgende Beschwerden auftreten:
- Einseitiger Hörverlust (oft schleichend einsetzend)
- Tinnitus (Ohrgeräusche, meist einseitig)
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Gesicht
- Bei größeren Tumoren: Kopfschmerzen und Koordinationsstörungen durch Druck auf benachbarte Hirnstrukturen
Neurinom-Tumore an anderen Nerven (z. B. Wirbelsäule, periphere Nerven) können Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Muskelschwund im betroffenen Versorgungsgebiet verursachen.
Diagnose
Zur Diagnose eines Neurinoms werden verschiedene Untersuchungen eingesetzt:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Methode der Wahl; ermöglicht eine genaue Darstellung des Tumors und seiner Lage.
- Computertomographie (CT): Ergänzend, insbesondere zur Beurteilung knöcherner Strukturen.
- Audiometrie (Hörtest): Zur Erfassung von Hörverlusten beim akustischen Neurinom.
- Gleichgewichtstests: Z. B. Elektronystagmographie zur Beurteilung der Gleichgewichtsfunktion.
- Biopsie / histologische Untersuchung: Zur endgültigen Sicherung der Diagnose nach operativer Entfernung.
Behandlung
Die Behandlung eines Neurinoms richtet sich nach Größe, Lage und Wachstumsrate des Tumors sowie nach dem Allgemeinzustand des Patienten. Die wichtigsten Therapieoptionen sind:
Abwartendes Beobachten (Watch and Wait)
Bei kleinen, langsam wachsenden Tumoren ohne ausgepägte Symptome kann eine regelmäßige Beobachtung mittels MRT-Kontrollen ausreichend sein, insbesondere bei älteren Patienten.
Operative Entfernung
Die mikrochirurgische Resektion ist die Standardtherapie bei symptomatischen oder wachsenden Neurinomen. Ziel ist die vollständige Entfernung des Tumors unter größtmöglicher Schonung benachbarter Nerven.
Strahlentherapie / Radiochirurgie
Die stereotaktische Radiochirurgie (z. B. Gamma Knife) ist eine schonende Alternative zur Operation, bei der der Tumor mit hochpräzisen Strahlendosen behandelt wird, um sein Wachstum zu stoppen. Sie eignet sich besonders für kleine bis mittelgroße Tumore oder für Patienten, bei denen eine Operation ein hohes Risiko darstellt.
Prognose
Die Prognose bei Neurinomen ist in der Regel gut, da es sich meist um gutartige, langsam wachsende Tumoren handelt. Nach erfolgreicher Behandlung ist eine dauerhafte Tumorkontrolle in den meisten Fällen möglich. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind jedoch wichtig, um ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- Jackler RK, Pitts LH. Acoustic neuroma. In: Cummings Otolaryngology. 7th ed. Elsevier; 2021.
- World Health Organization (WHO). Classification of Tumours of the Central Nervous System. 5th ed. IARC Press; 2021.
- Stangerup SE, Caye-Thomasen P. Epidemiology and natural history of vestibular schwannomas. Otolaryngol Clin North Am. 2012;45(2):257-268. PubMed PMID: 22483814.
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