Duodenum (Zwölffingerdarm) – Funktion & Erkrankungen
Das Duodenum (Zwölffingerdarm) ist der erste Abschnitt des Dünndarms und spielt eine zentrale Rolle bei der Verdauung von Nahrung.
Wissenswertes über "Duodenum"
Das Duodenum (Zwölffingerdarm) ist der erste Abschnitt des Dünndarms und spielt eine zentrale Rolle bei der Verdauung von Nahrung.
Was ist das Duodenum?
Das Duodenum, auch als Zwölffingerdarm bezeichnet, ist der erste und kürzeste Abschnitt des Dünndarms. Es schließt direkt an den Magen an und ist etwa 25 bis 30 Zentimeter lang – was ungefähr der Breite von zwölf Fingern entspricht, woher es seinen deutschen Namen erhält. Das Duodenum hat eine C-förmige Gestalt und umgibt den Kopf der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).
Anatomie und Aufbau
Das Duodenum wird in vier Abschnitte unterteilt:
- Pars superior: Der erste Teil, der direkt an den Magenausgang (Pylorus) anschließt.
- Pars descendens: Der absteigende Teil, in den der Ductus choledochus (Gallengang) und der Ductus pancreaticus (Bauchspeicheldrüsengang) über die Papilla Vateri münden.
- Pars horizontalis: Der waagrechte Teil, der quer durch den Bauch verläuft.
- Pars ascendens: Der aufsteigende Teil, der in das Jejunum (Leerdarm) übergeht.
Funktionen des Duodenums
Das Duodenum übernimmt mehrere lebenswichtige Funktionen im Verdauungsprozess:
- Neutralisierung des Magensaftes: Der saure Speisebrei (Chymus) aus dem Magen wird durch Bikarbonat aus der Bauchspeicheldrüse neutralisiert, um die Darmschleimhaut zu schützen.
- Einleitung der Verdauung: Gallensäuren aus der Leber und Verdauungsenzyme aus dem Pankreas werden hier freigesetzt und beginnen, Fette, Proteine und Kohlenhydrate aufzuspalten.
- Nährstoffaufnahme: Wichtige Mikronährstoffe wie Eisen, Kalzium und fettlösliche Vitamine werden bevorzugt im Duodenum absorbiert.
- Hormonproduktion: Spezielle Zellen (enteroendokrine Zellen) des Duodenums produzieren Hormone wie Sekretin und Cholezystokinin (CCK), die die Verdauungsdrüsen regulieren.
Häufige Erkrankungen des Duodenums
Duodenalulkus (Zwölffingerdarmgeschwür)
Das Duodenalulkus ist eine der häufigsten Erkrankungen des Duodenums. Es handelt sich um ein Geschwür in der Schleimhaut des Zwölffingerdarms, das häufig durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori oder durch die Einnahme von nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAR) verursacht wird. Typische Symptome sind Schmerzen im Oberbauch, die häufig nachts oder bei nüchternem Magen auftreten.
Duodenitis (Entzündung des Zwölffingerdarms)
Die Duodenitis bezeichnet eine Entzündung der Schleimhaut des Duodenums. Sie kann durch ähnliche Ursachen wie das Duodenalulkus ausgelöst werden und führt zu Beschwerden wie Übelkeit, Schmerzen und Verdauungsstörungen.
Zöliakie
Bei der Zöliakie handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Verzehr von Gluten zu einer Schädigung der Darmzotten im Duodenum und Dünndarm führt. Dies beeinträchtigt die Nährstoffaufnahme erheblich. Die Diagnose erfolgt häufig durch eine Biopsie (Gewebeentnahme) aus dem Duodenum.
Duodenalkarzinom
Bösartige Tumore des Duodenums sind selten, können jedoch auftreten. Sie werden häufig spät entdeckt und erfordern eine chirurgische Behandlung.
Diagnose von Duodenumerkrankungen
Die wichtigste Untersuchungsmethode zur Beurteilung des Duodenums ist die Gastroduodenoskopie (Magenspiegelung), bei der ein flexibles Endoskop durch den Mund eingeführt wird. Dabei können Gewebeproben entnommen und Veränderungen der Schleimhaut direkt beurteilt werden. Ergänzend können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT eingesetzt werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Duodenumerkrankungen richtet sich nach der jeweiligen Ursache:
- Bei einem durch Helicobacter pylori verursachten Ulkus wird eine Eradikationstherapie mit Antibiotika und Magenschutzmedikamenten eingesetzt.
- Bei der Zöliakie ist eine lebenslange glutenfreie Diät die einzige wirksame Behandlung.
- Bei Entzündungen können Protonenpumpenhemmer (PPI) die Säureproduktion reduzieren und die Heilung unterstützen.
- Tumore des Duodenums werden in der Regel operativ, ggf. in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie, behandelt.
Quellen
- Schiebler, T. H. & Korf, H. W. (2007). Anatomie. Steinkopff Verlag.
- Kasper, D. L. et al. (2015). Harrison's Principles of Internal Medicine, 19. Auflage. McGraw-Hill Education.
- World Gastroenterology Organisation (WGO). Practice Guidelines: Peptic Ulcer Disease. Verfügbar unter: https://www.worldgastroenterology.org
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