D52.0 – Ernährungsbedingte Folsäuremangel-Anämie
D52.0 bezeichnet die ernährungsbedingte Folsäuremangel-Anämie. Dabei führt ein Mangel an Folsäure in der Nahrung zu einer gestörten Blutbildung und vergrößerten roten Blutkörperchen.
Wissenswertes über "D52.0"
D52.0 bezeichnet die ernährungsbedingte Folsäuremangel-Anämie. Dabei führt ein Mangel an Folsäure in der Nahrung zu einer gestörten Blutbildung und vergrößerten roten Blutkörperchen.
Was ist D52.0?
D52.0 ist der ICD-10-Code für die ernährungsbedingte Folsäuremangel-Anämie (auch: diätetische Folsäuremangel-Anämie). Es handelt sich um eine Form der megaloblastären Anämie, bei der ein unzureichender Folsäurespiegel im Blut – verursacht durch eine zu geringe Zufuhr über die Nahrung – zu einer fehlerhaften Bildung roter Blutkörperchen führt. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) werden dabei ungewöhnlich groß (Megaloblasten) und können ihre Funktion nicht normal erfüllen.
Ursachen
Die Ursache von D52.0 liegt in einer zu geringen Folsäurezufuhr über die Ernährung. Folsäure (Vitamin B9) ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Körper nicht in ausreichenden Mengen selbst herstellen kann und daher regelmäßig über die Nahrung aufnehmen muss.
- Einseitige oder nährstoffarme Ernährung
- Mangelnder Verzehr von Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten
- Langes Kochen von Lebensmitteln, das Folsäure zerstört
- Alkoholmissbrauch, der die Folsäureaufnahme hemmt
- Höherer Bedarf in bestimmten Lebensphasen (z.B. Schwangerschaft, Stillzeit)
Symptome
Die Symptome der ernährungsbedingten Folsäuremangel-Anämie entwickeln sich oft schleichend und können folgende Beschwerden umfassen:
- Müdigkeit und Erschöpfung (häufigstes Symptom)
- Blässe der Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit und Herzrasen bei Belastung
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Wundgefühl der Mundschleimhaut und Zunge (Glossitis)
- Konzentrationsschwäche und Reizbarkeit
- In schweren Fällen: Kribbeln in Händen und Füßen (bei zusätzlichem B12-Mangel)
Diagnose
Die Diagnose erfolgt über eine Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und Laboruntersuchungen:
- Blutbild: Nachweis vergrößerter roter Blutkörperchen (MCV erhöht, makrozytäre Anämie)
- Serumfolsäure: Erniedrigung des Folsäurespiegels im Blut
- Erythrozytenfolsäure: Langzeitparameter für den Folsäurestatus
- Vitamin B12: Ausschluss eines gleichzeitigen B12-Mangels (differenzialdiagnostisch wichtig)
- Blutausstrich: Sichtbarmachen von Megaloblasten und hypersegmentierten Neutrophilen
Behandlung
Die Behandlung von D52.0 richtet sich auf den Ausgleich des Folsäuremangels und die Optimierung der Ernährung:
Folsäure-Supplementierung
In der Regel wird Folsäure oral in einer Dosis von 5 mg täglich für mehrere Wochen verabreicht, bis sich die Blutwerte normalisiert haben. Bei leichten Fällen kann eine niedrigere Dosierung ausreichen. Die Behandlung sollte stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Ernährungsanpassung
Parallel zur Supplementierung wird eine Anpassung der Ernährung empfohlen. Folsäurereiche Lebensmittel sind:
- Blattgemüse (Spinat, Grünkohl, Salat)
- Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen)
- Vollkornprodukte
- Eier und Leber (in Maßen)
- Orangen und Orangensaft
Behandlung der Grundursache
Werden weitere begünstigende Faktoren wie Alkoholmissbrauch oder eine besonders nährstoffarme Ernährung festgestellt, müssen diese ebenfalls behandelt werden, um ein Rückfallen zu verhindern.
Abgrenzung zu anderen Anämieformen
D52.0 ist ausdrücklich auf die ernährungsbedingte Ursache begrenzt. Andere ICD-10-Codes unter D52 umfassen Folsäuremangel-Anämien durch Malabsorption (D52.1), durch Medikamente (D52.2) oder andere Ursachen (D52.8, D52.9). Eine sorgfältige Differenzialdiagnostik ist daher wichtig.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Nutritional Anaemias: Tools for Effective Prevention and Control. WHO Press, Genf, 2017.
- Kasper, D.L. et al.: Harrison's Principles of Internal Medicine, 20. Auflage. McGraw-Hill Education, 2018.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Folat. DGE, Bonn, 2020. Verfügbar unter: www.dge.de
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