Dystelektase: Ursachen, Symptome & Behandlung
Dystelektase bezeichnet eine unvollständige Entfaltung der Lunge oder einzelner Lungenabschnitte. Sie tritt häufig nach Operationen oder bei Bettlägerigkeit auf.
Wissenswertes über "Dystelektase"
Dystelektase bezeichnet eine unvollständige Entfaltung der Lunge oder einzelner Lungenabschnitte. Sie tritt häufig nach Operationen oder bei Bettlägerigkeit auf.
Was ist eine Dystelektase?
Der Begriff Dystelektase (auch Dystelektasie) bezeichnet einen Zustand, bei dem Teile der Lunge nicht vollständig entfaltet sind oder nur unzureichend belüftet werden. Anders als bei einer vollständigen Atelektase – dem totalen Kollaps eines Lungenabschnitts – handelt es sich bei der Dystelektase um eine partielle oder unvollständige Belüftungsstörung. Die betroffenen Lungenbereiche sind zwar noch teilweise durchlüftet, aber der Gasaustausch ist gestört, was zu einem Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut führen kann.
Ursachen
Die Dystelektase entsteht in der Regel, wenn die normalen Mechanismen der Lungenentfaltung gestört sind. Häufige Ursachen sind:
- Postoperativer Zustand: Nach Operationen, insbesondere nach Allgemeinnarkose, atmen Patienten oft flacher, was zur unvollständigen Belüftung der Lungenbasen führt.
- Bettlägerigkeit und Immobilität: Langes Liegen verhindert die normale Atemtiefe und fördert das Absinken von Sekret in die unteren Lungenabschnitte.
- Schmerzen beim Atmen: Rippenfrakturen, Pleuraergüsse oder Wundschmerzen nach Operationen führen zu einer Schonhaltung mit flacher Atmung.
- Schleimretention: Angesammelter Schleim in den Atemwegen, z. B. bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Mukoviszidose, kann Bronchien verlegen und Lungenabschnitte von der Belüftung ausschließen.
- Erhöhter Zwerchfelldruck: Stark vergrößerte Organe, Aszites (Bauchwasser) oder Adipositas können das Zwerchfell nach oben drücken und die Lungenentfaltung einschränken.
- Beatmung: Maschinelle Beatmung mit unzureichenden Tidalvolumina oder fehlendem PEEP (positiver endexspiratorischer Druck) begünstigt Dystelektasen.
Symptome
Die Dystelektase verläuft häufig symptomarm, kann aber bei ausgeprägtem Befall folgende Beschwerden verursachen:
- Kurzatmigkeit (Dyspnöe) und erhöhte Atemfrequenz
- Verminderter Sauerstoffgehalt im Blut (Hypoxämie), erkennbar an Blausüchtigkeit (Zyanose)
- Rasselnde oder abgeschwächte Atemgeräusche über den betroffenen Lungenbereichen
- Erhöhte Anfälligkeit für Pneumonie (Lungenentzündung), da schlecht belüftete Bereiche Keimen ideale Bedingungen bieten
- Leichtes Fieber, besonders in der postoperativen Phase
Diagnose
Die Diagnose der Dystelektase erfolgt über verschiedene Methoden:
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax-Röntgen): Zeigt verschattete Bereiche, häufig in den Lungenbasen, mit abgeschwächter Zeichnung.
- Computertomographie (CT) des Thorax: Ermöglicht eine genauere Beurteilung des Ausmaßes und der Lokalisation der dystelektatischen Areale.
- Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse: Messen den Sauerstoffgehalt im Blut und geben Hinweise auf das Ausmaß der Gasaustauschstörung.
- Auskultation: Das Abhören der Lunge mit dem Stethoskop kann abgeschwächte Atemgeräusche oder feine Rasselgeräusche über den betroffenen Arealen zeigen.
Behandlung
Die Therapie zielt darauf ab, die betroffenen Lungenabschnitte wieder zu eröffnen und eine vollständige Belüftung wiederherzustellen:
- Atemtherapie und Physiotherapie: Gezielte Atempübungen (z. B. durch Atemtherapeuten oder Physiotherapeuten) wie tiefes Durchatmen, Hustentraining und Lagerungsdrainage helfen, die Lunge wieder zu entfalten.
- Frühzeitige Mobilisation: Das frühzeitige Aufstehen nach Operationen oder im Krankenhauskontext ist eine der effektivsten Präventions- und Behandlungsmaßnahmen.
- Incentive-Spirometrie: Trainingsgeräte für tiefe Atemzüge, die den Patienten visuelles Feedback geben, um die Atemtiefe zu steigern.
- Sekretmobilisation: Mukolytika (schleimlösende Medikamente) und physikalische Maßnahmen wie Klopfmassagen und Lagerungen helfen, den Schleim aus den Atemwegen zu entfernen.
- Sauerstofftherapie: Bei Hypoxämie kann eine zusätzliche Sauerstoffgabe notwendig sein.
- CPAP/PEEP-Beatmung: Bei beatmeten Patienten kann ein positiver Atemwegsdruck (CPAP oder PEEP) helfen, kollabierte Lungenabschnitte offen zu halten und eine erneute Entfaltung zu unterstützen.
- Behandlung der Grunderkrankung: Liegt eine spezifische Ursache wie ein Pleuraerguss, eine Raumforderung oder eine obstruktive Lungenerkrankung vor, muss diese gezielt behandelt werden.
Prognose und Prävention
Die Prognose der Dystelektase ist in den meisten Fällen gut, sofern sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Unbehandelt kann sie jedoch zu einer Pneumonie oder einer dauerhaften Einschränkung der Lungenfunktion führen. Präventiv sind regelmäßige Lagerungswechsel, Atemtherapie und frühzeitige Mobilisation besonders wichtig – vor allem bei postoperativen Patienten und bei Personen mit eingeschränkter Mobilität.
Quellen
- Herold, G. et al.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln, 2023.
- Larsen, R.: Taschenatlas Intensivmedizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2021.
- Lumb, A.B.: Nunn's Applied Respiratory Physiology. 9th ed. Elsevier, Edinburgh, 2021.
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