Kontrazeptiva – Verhütungsmittel im Überblick
Kontrazeptiva sind Verhütungsmittel, die eine unerwünschte Schwangerschaft verhindern. Sie umfassen hormonelle, mechanische und chemische Methoden.
Wissenswertes über "Kontrazeptiva"
Kontrazeptiva sind Verhütungsmittel, die eine unerwünschte Schwangerschaft verhindern. Sie umfassen hormonelle, mechanische und chemische Methoden.
Was sind Kontrazeptiva?
Kontrazeptiva, auch als Verhütungsmittel bezeichnet, sind Methoden, Substanzen oder Geräte, die gezielt eingesetzt werden, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Sie richten sich an Personen, die sexuell aktiv sind, aber keine Schwangerschaft wünschen. Die Auswahl des geeigneten Verhütungsmittels hängt von individuellen Faktoren wie Gesundheitszustand, Lebensweise und persönlichen Präferenzen ab.
Arten von Kontrazeptiva
Hormonelle Kontrazeptiva
Hormonelle Verhütungsmittel enthalten synthetische Hormone – meist Östrogen und Gestagen oder nur Gestagen – und greifen in den weiblichen Zyklus ein, um eine Befruchtung zu verhindern. Zu den gängigsten Formen gehören:
- Die Pille (kombiniertes orales Kontrazeptivum): Täglich eingenommene Tablette mit Östrogen und Gestagen.
- Minipille: Enthält nur Gestagen und ist besonders für stillende Frauen geeignet.
- Verhütungspflaster: Ein Hautpflaster, das Hormone über die Haut abgibt.
- Verhütungsspritze: Eine Gestagen-Injektion, die alle 8 bis 12 Wochen verabreicht wird.
- Hormonspirale (Levonorgestrel-IUS): Ein in die Gebärmutter eingelegtes Gerät, das kontinuierlich Gestagen abgibt.
- Verhütungsstabchen (Implantat): Ein kleiner Kunststoffstab, der unter die Haut des Oberarms eingesetzt wird und Gestagen freisetzt.
- Vaginalring: Ein flexibler Ring, der in die Scheide eingesetzt wird und Hormone abgibt.
Mechanische / Barriere-Kontrazeptiva
Diese Methoden verhindern physisch, dass Spermien die Eizelle erreichen:
- Kondom (männlich und weiblich): Das einzige Verhütungsmittel, das gleichzeitig vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) schützt.
- Diaphragma: Eine Gummikappe, die vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingesetzt wird.
- Kupferspirale (Intrauterinpessar, IUP): Ein kleines, kupferhaltiges Gerät, das in die Gebärmutter eingelegt wird und Spermien hemmt.
Chemische Kontrazeptiva
Spermizide sind Substanzen in Form von Cremes, Gels oder Zäpfchen, die Spermien abtöten oder in ihrer Bewegungsfähigkeit einschränken. Sie werden oft in Kombination mit Barrieremethoden angewendet.
Notfallkontrazeption
Die Pille danach (z. B. Levonorgestrel oder Ulipristalacetat) ist eine Notfallmaßnahme nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Sie sollte so früh wie möglich, spätestens jedoch 72 bis 120 Stunden nach dem Verkehr eingenommen werden. Sie ist kein reguläres Verhütungsmittel.
Operative / Dauerhafte Methoden
Für Personen, die dauerhaft keine Kinder mehr haben möchten, stehen chirurgische Eingriffe zur Verfügung:
- Tubenligatur: Unterbrechung oder Verschluss der Eileiter bei der Frau.
- Vasektomie: Durchtrennung der Samenleiter beim Mann.
Wirkungsweise hormoneller Kontrazeptiva
Hormonelle Kontrazeptiva wirken durch verschiedene Mechanismen:
- Hemmung des Eisprungs (Ovulationshemmung)
- Verdickung des Gebarmutterhalsschleims, sodass Spermien nicht in die Gebärmutter eindringen können
- Veränderung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die eine Einnistung der befruchteten Eizelle erschwert
Sicherheit und Pearl-Index
Die Zuverlässigkeit von Verhütungsmitteln wird mit dem sogenannten Pearl-Index gemessen. Er gibt an, wie viele von 100 Frauen bei einem Jahr der Anwendung trotz Verhütung schwanger werden. Ein niedriger Pearl-Index bedeutet eine hohe Sicherheit:
- Hormonspirale und Implantat: Pearl-Index < 0,1 (sehr hoch zuverlässig)
- Kombinationspille (bei korrekter Einnahme): Pearl-Index 0,1–0,9
- Kondom: Pearl-Index ca. 2–12 (stark von korrekter Anwendung abhängig)
- Diaphragma: Pearl-Index ca. 1–20
Nebenwirkungen und Risiken
Hormonelle Kontrazeptiva können Nebenwirkungen haben. Häufig genannte sind:
- Veränderungen der Blutungsstärke und des Zyklus
- Stimmungsschwankungen
- Kopfschmerzen
- Gewichtszunahme
- Erhöhtes Risiko für Thrombosen (Blutgerinnsel) bei bestimmten Kombinationspräparaten
- Selten: erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Raucherinnen über 35 Jahren
Kontraindikationen für hormonelle Kontrazeptiva sind unter anderem bekannte Thromboseneigung, bestimmte Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Migräne mit Aura.
Wer sollte einen Arzt aufsuchen?
Eine ärztliche Beratung wird empfohlen, bevor mit der Einnahme hormoneller Kontrazeptiva begonnen wird. Besonders bei Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme oder nach einer Längeren Anwendungsunterbrechung ist eine Konsultation wichtig. Auch bei Nebenwirkungen oder dem Wunsch nach einem Methodenwechsel sollte eine ärztliche Fachkraft hinzugezogen werden.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 5. Auflage, 2015. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241549158
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie Hormonale Empfängnisverhütung, 2020.
- Strowitzki T. et al.: Kontrazeption. In: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer Medizin Verlag, 2021.
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