Kisspeptin – Hormon, Funktion & klinische Bedeutung
Kisspeptin ist ein körpereigenes Hormon, das eine Schlüsselrolle bei der Steuerung der Geschlechtshormone und der Fruchtbarkeit spielt.
Wissenswertes über "Kisspeptin"
Kisspeptin ist ein körpereigenes Hormon, das eine Schlüsselrolle bei der Steuerung der Geschlechtshormone und der Fruchtbarkeit spielt.
Was ist Kisspeptin?
Kisspeptin ist ein Neuropeptidhormon, das vom menschlichen Körper produziert wird und eine zentrale Rolle in der Regulation der Fortpflanzungsachse spielt. Es wird vom sogenannten KISS1-Gen kodiert und hauptsächlich im Hypothalamus gebildet. Kisspeptin bindet an seinen Rezeptor, den GPR54-Rezeptor (auch KISS1R genannt), und löst dadurch eine Kaskade hormoneller Reaktionen aus, die für die Reifung und Funktion des Fortpflanzungssystems entscheidend sind.
Wirkmechanismus
Kisspeptin stimuliert die Ausschüttung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus dem Hypothalamus. Dieses GnRH wiederum regt die Hirnanhängsel (Hypophyse) an, die Gonadotropine LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) freizusetzen. Diese Hormone steuern bei der Frau den Menstruationszyklus und den Eisprung, beim Mann die Testosteronproduktion und die Spermienbildung.
Kisspeptin fungiert damit als wichtiger übergeordneter Regulator der sogenannten hypothalamisch-hypophysären-gonadalen Achse (HPG-Achse).
Biologische Funktionen
- Pubertätsbeginn: Kisspeptin gilt als einer der wichtigsten Auslöser für den Beginn der Pubertät bei beiden Geschlechtern.
- Fertilität: Es reguliert Ovulation, Menstruationszyklus und Spermatogenese.
- Energiehaushaltkopplung: Kisspeptin verbindet den Energiestoffwechsel mit der Fortpflanzungsfunktion und kann bei Unterernährung oder extremem Gewichtsverlust die Fruchtbarkeit hemmen.
- Stimmung und Verhalten: Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Kisspeptin auch das Gehirn beeinflusst und Auswirkungen auf Angst, soziales Verhalten und sexuelle Motivation haben kann.
Klinische Bedeutung
Hypogonadismus und Infärtilität
Ein Mangel an Kisspeptin oder eine Fehlfunktion seines Rezeptors kann zu hypogonadotropem Hypogonadismus führen – einem Zustand, bei dem die Eierstöcke oder Hoden zu wenig Geschlechtshormone produzieren. Dies äußert sich unter anderem durch ausbleibende Pubertät, Unfruchtbarkeit oder Zyklusstörungen.
Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
Bei Frauen mit PCOS wurden erhöhte Kisspeptin-Spiegel im Blut gemessen, was auf eine Überaktivierung der HPG-Achse hindeutet und zur übermäßigen Androgenproduktion beiträgt.
Therapeutisches Potenzial
Kisspeptin wird intensiv als mögliche therapeutische Substanz erforscht. Klinische Studien untersuchen den Einsatz von synthetischem Kisspeptin zur Behandlung von:
- Unfruchtbarkeit bei Frauen (z. B. zur Auslösung des Eisprungs)
- Hypogonadismus bei Männern
- Pubertätsstörungen
- Sexuellen Funktionsstörungen
Diagnostische Bedeutung
Die Messung des Kisspeptin-Spiegels im Blut kann als Biomarker für verschiedene reproduktive Störungen eingesetzt werden. Zudem wird Kisspeptin in der Frühschwangerschaft von der Plazenta produziert und ist Gegenstand der Forschung als möglicher Marker für Schwangerschaftskomplikationen wie den Missed Abortion oder die Präeklampsie.
Quellen
- Skorupskaite K, George JT, Anderson RA. The kisspeptin-GnRH pathway in human reproductive health and disease. Human Reproduction Update, 2014;20(4):485-500.
- Oakley AE, Clifton DK, Steiner RA. Kisspeptin Signaling in the Brain. Endocrine Reviews, 2009;30(6):713-743.
- World Health Organization (WHO). Reproductive Health Research: Hormonal Regulators of Fertility. Geneva: WHO Press, 2020.
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