Miktion: Definition, Ablauf & Störungen
Die Miktion bezeichnet den Vorgang der Blasenentleerung, also das Wasserlassen. Sie ist ein komplexer physiologischer Prozess, der vom Nervensystem gesteuert wird.
Wissenswertes über "Miktion"
Die Miktion bezeichnet den Vorgang der Blasenentleerung, also das Wasserlassen. Sie ist ein komplexer physiologischer Prozess, der vom Nervensystem gesteuert wird.
Was ist die Miktion?
Der Begriff Miktion (lat. mictio) bezeichnet in der Medizin den Vorgang der willkürlichen Entleerung der Harnblase, also das Wasserlassen oder Urinieren. Es handelt sich dabei um einen komplexen physiologischen Prozess, der sowohl willkürliche als auch unwillkürliche Nervenmechanismen umfasst und im Alltag mehrmals pro Tag stattfindet.
Physiologie der Miktion
Der Miktionsvorgang lässt sich in zwei Phasen unterteilen:
- Speicherphase: Die Harnblase füllt sich mit Urin. Der Detrusormuskel (Blasenmuskel) entspannt sich, während der Harnröhrenschließmuskel (Sphinkter) geschlossen bleibt. Ab einem Füllvolumen von etwa 150–300 ml entstehen erste Harndrangsignale.
- Entleerungsphase: Bei willkürlicher Freigabe kontrahiert sich der Detrusormuskel, der Sphinkter öffnet sich, und der Urin wird durch die Harnröhre ausgeleitet.
Die Steuerung erfolgt über ein komplexes Zusammenspiel des autonomen (vegetativen) und des somatischen Nervensystems sowie höherer Hirnzentren, die die willkürliche Kontrolle ermöglichen.
Normale Miktionsfrequenz
Gesunde Erwachsene urinieren üblicherweise 4–8 Mal pro Tag. Folgende Faktoren beeinflussen die Häufigkeit:
- Flüssigkeitsaufnahme und Ernährung
- Körperliche Aktivität
- Außentemperatur
- Alter und Geschlecht
- Bestehende Erkrankungen
Störungen der Miktion
Miktionsstörungen sind häufig und können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Man unterscheidet:
Erhöhte Miktionsfrequenz (Pollakisurie)
Häufiges Wasserlassen ohne erhöhte Urinmenge, z. B. bei Harnwegsinfektionen, Blasenentzündung (Zystitis) oder überaktiver Blase.
Nykturie
Häufiges Wasserlassen in der Nacht, oft bei älteren Menschen, bei Herzinsuffizienz oder Prostataerkrankungen.
Dysurie
Schmerzhaftes oder brennendes Wasserlassen, typisch bei Infektionen der Harnwege.
Harninkontinenz
Unwillkürlicher Harnverlust, verursacht durch Schwäche des Schließmuskels, Nervenschäden oder überaktive Blasenmuskulatur.
Harnverhalt
Unfähigkeit, die Blase vollständig zu entleeren, häufig bei Prostataverprößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) oder neurologischen Erkrankungen.
Oligurie und Anurie
Stark verminderte (Oligurie) oder ausbleibende (Anurie) Urinproduktion, die auf schwerwiegende Nierenerkrankungen oder Kreislaufversagen hinweisen können.
Diagnostik bei Miktionsstörungen
Zur Abklärung von Miktionsstörungen stehen verschiedene diagnostische Maßnahmen zur Verfügung:
- Urinuntersuchung (Urinstatus, Urinkultur): Nachweis von Infektionen, Blut oder Eiweiß
- Ultraschall der Blase und Nieren: Beurteilung von Restharn und anatomischen Veränderungen
- Uroflowmetrie: Messung des Harnflusses und der Entleerungsgeschwindigkeit
- Urodynamik: Detaillierte Untersuchung der Blasenfunktion und des Drucks
- Zystoskopie: Spiegelung der Harnblase bei Verdacht auf strukturelle Veränderungen
- Miktionsprotokoll: Dokumentation von Trinkmengen, Miktionshäufigkeit und Urinmengen über 24–72 Stunden
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Folgende Symptome im Zusammenhang mit der Miktion sollten ärztlich abgeklärt werden:
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Blut im Urin (Hämaturie)
- Plötzlicher, starker Harndrang
- Ungewollter Harnverlust
- Deutliche Veränderungen in der Miktionsfrequenz
- Schwaches Harnstrahl oder unterbrochener Harnfluss
- Schmerzen im Bereich der Nieren oder Blase
Quellen
- Herold, G. et al. – Innere Medizin (aktuellste Auflage). Eigenverlag, Köln.
- Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) – Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Harninkontinenz und Blasenstörungen. Abrufbar unter: www.dgu.de
- Abrams, P. et al. – The standardisation of terminology of lower urinary tract function. Neurourology and Urodynamics, 21(2):167–178, 2002.
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