Hypophysenadenom: Ursachen, Symptome & Behandlung
Ein Hypophysenadenom ist ein überwiegend gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse. Er kann Hormone produzieren und verschiedene Körperfunktionen beeinflussen.
Wissenswertes über "Hypophysenadenom"
Ein Hypophysenadenom ist ein überwiegend gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse. Er kann Hormone produzieren und verschiedene Körperfunktionen beeinflussen.
Was ist ein Hypophysenadenom?
Ein Hypophysenadenom ist ein überwiegend gutartiger (benigner) Tumor, der in der Hypophyse – auch Hirnanhangdrüse genannt – entsteht. Die Hypophyse ist eine kleine, erbsgroße Drüse an der Unterseite des Gehirns, die zahlreiche lebenswichtige Hormone steuert. Hypophysenadenome gehören zu den häufigsten Hirntumoren und machen etwa 10–15 % aller intrakraniellen Tumoren aus. Sie sind in den meisten Fällen nicht bösartig und streuen nicht in andere Organe.
Arten von Hypophysenadenomen
Hypophysenadenome werden nach zwei Hauptkriterien eingeteilt:
Nach Größe
- Mikroadenom: Kleiner als 10 mm. Häufig ein Zufallsbefund bei bildgebenden Untersuchungen.
- Makroadenom: Größer als 10 mm. Kann durch seine Größe umliegendes Gewebe, insbesondere den Sehnerv, beeinträchtigen.
Nach Hormonstatus
- Funktionierende (sezernierende) Adenome: Diese Tumoren produzieren übermäßig Hormone, zum Beispiel Prolaktin (Prolaktinom), Wachstumshormon (führt zu Akromegalie) oder ACTH (führt zum Morbus Cushing).
- Nicht-funktionierende (nicht-sezernierende) Adenome: Diese Adenome produzieren keine aktiven Hormone und werden häufig erst durch Symptome der Raumforderung entdeckt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache der meisten Hypophysenadenome ist nicht vollständig geklärt. In der Regel handelt es sich um spontane genetische Veränderungen in einzelnen Hypophysenzellen. Selten können sie im Rahmen einer erblichen Erkrankung auftreten, wie beispielsweise der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 1 (MEN1). Bekannte Risikofaktoren umfassen:
- Familiäre Häufung (genetische Disposition)
- MEN1-Syndrom oder andere erbliche endokrine Störungen
- Selten: Strahlenexposition im Kopfbereich
Symptome
Die Symptome hängen davon ab, ob der Tumor Hormone produziert und wie groß er ist:
Symptome durch Hormonüberproduktion
- Prolaktinom: Milchfluss außerhalb der Stillzeit, ausbleibende Regelblutung, Unfruchtbarkeit, Potenzstörungen
- Akromegalie (Wachstumshormon-Adenom): Vergrößerung von Händen, Füßen und Gesichtszuges, Gelenkschmerzen, Diabetes
- Morbus Cushing (ACTH-Adenom): Gewichtszunahme, Mondgesicht, Bluthochdruck, Diabetes, Hautveränderungen
Symptome durch Raumforderung
- Kopfschmerzen, oft im Bereich der Stirn oder Schläfen
- Sehstörungen, insbesondere Gesichtsfeldausfälle (bitemporale Hemianopsie) durch Druck auf den Sehnervenkreuzungspunkt (Chiasma opticum)
- Hormonausfall (Hypopituitarismus) durch Zerstörung von Hypophysengewebe: Müdigkeit, Libidoverlust, Gewichtsveränderungen
Diagnose
Die Diagnose eines Hypophysenadenoms erfolgt durch eine Kombination aus:
- Blut- und Urintests: Bestimmung der Hormonspiegel (z. B. Prolaktin, IGF-1, Cortisol, TSH, LH, FSH)
- MRT (Magnetresonanztomographie): Goldstandard zur Darstellung von Größe und Lage des Tumors
- Augenärztliche Untersuchung: Prüfung des Gesichtsfeldes bei Verdacht auf Druck auf das Chiasma opticum
- Stimulations- und Suppressionstests: Z. B. Dexamethason-Hemmtest bei Verdacht auf Morbus Cushing
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Art, Größe und Hormonstatus des Adenoms sowie nach dem Allgemeinzustand des Patienten:
Medikamentöse Therapie
Bei Prolaktinomen sind Dopaminagonisten (z. B. Cabergolin, Bromocriptin) die erste Wahl. Sie reduzieren die Prolaktinproduktion und verkleinern den Tumor häufig deutlich.
Operation
Bei den meisten anderen Adenomarten ist die transsphenoidale Operation (Zugang über die Nasenscheidewand) die Standardtherapie. Ziel ist die vollständige Entfernung des Tumors unter größtmöglicher Schonung der gesunden Hypophyse.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie (z. B. Gamma-Knife-Radiochirurgie) wird eingesetzt, wenn eine Operation nicht möglich ist oder der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte. Sie wirkt langsam und wird oft ergänzend eingesetzt.
Beobachtendes Abwarten
Kleine, nicht-funktionelle Mikroadenome ohne Symptome werden häufig zunächst nur beobachtet (sogenanntes „Watch and Wait“) und regelmäßig durch MRT-Kontrollen überwacht.
Prognose
Die Prognose bei Hypophysenadenomen ist in der Regel gut. Die meisten Adenome sind gutartig, gut behandelbar und gefährden das Leben nicht direkt. Nach erfolgreicher Behandlung kann sich die Hormonproduktion normalisieren. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind jedoch wichtig, da Rezidive auftreten können.
Quellen
- Melmed S. et al. – Diagnosis and Treatment of Hyperprolactinemia: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2011.
- Dekkers O.M. et al. – Epidemiology and Clinical Aspects of Pituitary Tumors. In: Endotext [Internet]. MDText.com, Inc.; aktualisiert 2022.
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) – Leitlinie zu Hypophysentumoren, 2021.
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