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D52.1 – Medikamentöser Folatsäuremangel

D52.1 bezeichnet den medikamentös bedingten Folatsäuremangel gemäß ICD-10. Bestimmte Medikamente hemmen die Aufnahme oder den Stoffwechsel von Folatsäure und können so zu einem Mangel führen.

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Wissenswertes über "D52.1"

D52.1 bezeichnet den medikamentös bedingten Folatsäuremangel gemäß ICD-10. Bestimmte Medikamente hemmen die Aufnahme oder den Stoffwechsel von Folatsäure und können so zu einem Mangel führen.

Was ist D52.1?

D52.1 ist ein ICD-10-Diagnosecode, der einen medikamentös bedingten Folatsäuremangel beschreibt. Folatsäure (auch Folat oder Vitamin B9 genannt) ist ein lebenswichtiges B-Vitamin, das der Körper für die Zellteilung, die Bildung roter Blutkörperchen und die DNS-Synthese benötigt. Wenn bestimmte Medikamente die Aufnahme oder den Stoffwechsel von Folatsäure stören, kann ein klinisch relevanter Mangel entstehen.

Ursachen

Der medikamentös bedingte Folatsäuremangel entsteht durch die Einnahme von Arzneimitteln, die auf unterschiedliche Weise in den Folatsäurestoffwechsel eingreifen:

  • Methotrexat: Hemmt das Enzym Dihydrofolatreduktase und blockiert damit die Umwandlung von Folat in seine aktive Form.
  • Antiepileptika (z. B. Phenytoin, Phenobarbital, Primidon): Erhöhen den Folatababbau in der Leber und reduzieren die Darmabsorption.
  • Trimethoprim und Pyrimethamin: Hemmen ebenfalls die Dihydrofolatreduktase und stören damit den Folatsäurestoffwechsel.
  • Sulfonamide: Beeinträchtigen die Folatsynthese und -verwertung.
  • Orale Kontrazeptiva: Können bei Langzeitanwendung den Folatspiegel im Blut senken.
  • Metformin: Kann bei Langzeitanwendung die Aufnahme von Folat und Vitamin B12 im Darm verringern.

Symptome

Ein Folatsäuremangel kann schleichend entstehen und verschiedene Organsysteme betreffen:

  • Megaloblastäre Anämie: Bildung von vergrößerten, unreifen roten Blutkörperchen, die ihre Funktion nicht richtig erfüllen können.
  • Müdigkeit, Schwäche und allgemeine Abgeschlagenheit
  • Blässe der Haut und Schleimhäute
  • Mundwinkelrhagaden (Einrisse in den Mundwinkeln) und Zungenbrennen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • In der Schwangerschaft: erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte beim Ungeborenen

Diagnose

Die Diagnose eines medikamentös bedingten Folatsäuremangels erfolgt über mehrere Schritte:

  • Blutbild: Nachweis einer megaloblastären Anämie mit erhöhtem mittlerem Erythrozytenvolumen (MCV).
  • Serumfolat: Messung des Folatspiegels im Blut (Normalbereich üblicherweise > 3 ng/ml).
  • Erythrozytenfolat: Spiegelt den längerfristigen Folatspeicher im Körper wider und ist aussagekräftiger als der Serumwert.
  • Homocystein: Ein erhöhter Homocysteinwert im Blut ist ein sensitiver Marker für einen Folat- oder Vitamin-B12-Mangel.
  • Medikamentenanamnese: Erfassung aller eingenommenen Arzneimittel, um den Zusammenhang herzustellen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad des Mangels:

  • Folatsäuresubstitution: Orale Gabe von Folatsäure (in der Regel 1–5 mg/Tag), in schweren Fällen auch parenteral. Die Dosierung wird individuell angepasst.
  • Anpassung der Medikation: Sofern möglich, wird das auslösende Medikament reduziert oder durch ein alternatives Präparat ersetzt.
  • Leukoverin (Folinsäure): Bei Methotrexat-Therapie wird häufig Leukoverin als aktive Folatform gegeben, da es den Hemmblock umgeht.
  • Diätetische Maßnahmen: Erhöhter Verzehr folatsäurereicher Lebensmittel (z. B. grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte) als ergänzende Maßnahme.
  • Regelmäßige Kontrollen: Überwachung des Blutbildes und der Folat-/Homocysteinwerte während der Therapie mit folatbeeinflussenden Medikamenten.

Prävention

Bei bekanntem Risiko für einen medikamentös bedingten Folatsäuremangel – etwa bei Langzeittherapie mit Antiepileptika oder Methotrexat – empfehlen Leitlinien eine prophylaktische Folatsäuresubstitution. Besonders wichtig ist dies bei Frauen im gebärfähigen Alter, da ein Folatsäuremangel in der Frühschwangerschaft das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich erhöht.

Quellen

  1. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM D52.1 – Medikamentöser Folatsäuremangel. www.dimdi.de
  2. Bailey LB, Stover PJ, McNulty H et al.: Biomarkers of Nutrition for Development – Folate Review. Journal of Nutrition, 145(7):1636S–1680S, 2015. doi:10.3945/jn.114.206599
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für Folat. www.dge.de

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