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Ototoxisch – Bedeutung, Ursachen und Behandlung

Ototoxisch bezeichnet Substanzen, die das Gehör oder den Gleichgewichtssinn schädigen können. Bestimmte Medikamente und Chemikalien zählen dazu.

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Wissenswertes über "Ototoxisch"

Ototoxisch bezeichnet Substanzen, die das Gehör oder den Gleichgewichtssinn schädigen können. Bestimmte Medikamente und Chemikalien zählen dazu.

Was bedeutet ototoxisch?

Ototoxisch ist ein medizinischer Fachbegriff, der Substanzen beschreibt, die das Innenohr schädigen können. Das Wort setzt sich aus dem griechischen oto (Ohr) und dem lateinischen toxicum (Gift) zusammen. Betroffene Bereiche sind vor allem die Haarzellen der Cochlea (zuständig für das Hören) sowie der Vestibularapparat (zuständig für das Gleichgewicht). Eine durch ototoxische Stoffe verursachte Schädigung kann vorübergehend oder dauerhaft sein.

Ursachen und ototoxische Substanzen

Eine Vielzahl von Substanzen kann ototoxische Wirkungen entfalten. Dazu gehören sowohl verschreibungspflichtige Medikamente als auch Umweltchemikalien:

  • Aminoglykosid-Antibiotika (z. B. Gentamicin, Streptomycin): Schädigen bevorzugt die Haarzellen der Cochlea und des Vestibularapparats.
  • Schleifendiuretika (z. B. Furosemid, Ethacrynsäure): Können bei hohen Dosen vorübergehende oder dauerhafte Hörschäden verursachen.
  • Platinhaltige Zytostatika (z. B. Cisplatin, Carboplatin): Häufig bei Krebstherapien eingesetzt; hohes Risiko für irreversiblen Hörverlust.
  • Salizylate (z. B. Aspirin in hohen Dosen): Können Tinnitus und vorübergehenden Hörverlust verursachen, der meist reversibel ist.
  • Chinin und Antimalariamittel: Können bei hohen Dosen Hörschäden und Tinnitus auslösen.
  • Industriechemikalien (z. B. Toluol, Styrene, Kohlenmonoxid): Schädigen das Innenohr bei chronischer Exposition.

Symptome einer ototoxischen Schädigung

Die Anzeichen einer ototoxischen Schädigung können je nach betroffener Struktur im Innenohr variieren:

  • Tinnitus: Ohrgeräusche wie Klingeln, Pfeifen oder Rauschen
  • Hörverlust: Zunächst oft im Hochtonbereich, kann sich auf alle Frequenzen ausweiten
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Bei Schädigung des Vestibularapparats
  • Gangunsicherheit und Koordinationsprobleme
  • Völlegefühl oder Druckgefühl im Ohr

Diagnose

Die Diagnose einer ototoxischen Schädigung erfolgt in der Regel durch einen HNO-Arzt. Folgende Untersuchungen kommen zum Einsatz:

  • Audiometrie: Messung des Hörvermögens bei verschiedenen Frequenzen
  • Hochtonaudiogram: Frühzeitige Erkennung von Hochtonverlusten als erstes Zeichen einer Ototoxizität
  • Otoakustische Emissionen (OAE): Prüfung der Funktion der äußeren Haarzellen
  • Vestibularisprüfung: Beurteilung des Gleichgewichtsorgans bei entsprechenden Symptomen

Behandlung und Prävention

Die wichtigste Maßnahme bei ototoxischer Schädigung ist das frühzeitige Erkennen und – wenn möglich – das Absetzen oder Anpassen der auslösenden Substanz. Folgende Strategien sind relevant:

  • Monitoring: Regelmäßige Hörtests während einer Therapie mit bekannten ototoxischen Substanzen
  • Dosisanpassung: Niedrigstmögliche wirksame Dosis verwenden, um das Risiko zu minimieren
  • Medikamentenwechsel: Wechsel auf weniger ototoxische Alternativen, wenn klinisch vertretbar
  • Hörgeräteversorgung: Bei bleibendem Hörverlust kann eine Hörgeräteversorgung notwendig werden
  • Cochlea-Implantat: Bei schwerem oder vollständigem Hörverlust als mögliche Option

Präventiv sollten ototoxische Substanzen nur unter strenger ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. Patienten mit vorbestehendem Hörverlust, Niereninsuffizienz oder gleichzeitiger Lärmbelastung haben ein erhöhtes Risiko und bedürfen besonderer Überwachung.

Quellen

  1. Rybak LP, Mukherjea D, Ramkumar V. Mechanisms of Cisplatin-Induced Ototoxicity and Prevention. Seminars in Hearing, 2019.
  2. Bhatt KA et al. Aminoglycoside-induced ototoxicity. PubMed / NCBI, 2022.
  3. World Health Organization (WHO): Prevention of Blindness and Deafness – Ototoxic Medicines, WHO Technical Report, Genf.

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