D52.8 – Sonstige Folsäuremangelanämie
D52.8 bezeichnet sonstige Formen der Folsäuremangelanämie. Dabei führt ein Mangel an Folsäure zu einer gestörten Blutbildung und vergrößerten roten Blutkörperchen.
Wissenswertes über "D52.8"
D52.8 bezeichnet sonstige Formen der Folsäuremangelanämie. Dabei führt ein Mangel an Folsäure zu einer gestörten Blutbildung und vergrößerten roten Blutkörperchen.
Was ist D52.8?
Der ICD-10-Code D52.8 steht für sonstige Folsäuremangelänämie – also Formen der Blutarmut, die durch einen Mangel an Folsäure (Vitamin B9) verursacht werden und nicht anderweitig klassifiziert sind. Folsäure ist ein lebenswichtiges B-Vitamin, das der Körper für die Zellteilung und die Bildung roter Blutkörperchen benötigt. Fehlt dieses Vitamin, entstehen auffällig große, unreife rote Blutkörperchen (Makrozyten), die ihre Aufgabe – den Sauerstofftransport – nicht mehr richtig erfüllen können. Diese Form der Anämie wird auch als megaloblastäre Anämie bezeichnet.
Ursachen
Der Folsäuremangel, der zu einer D52.8-Diagnose führt, kann verschiedene Ursachen haben:
- Ernährungsbedingt: Unzureichende Zufuhr von Folsäure durch die Nahrung, z.B. bei einseitiger Ernährung oder Alkoholmissbrauch.
- Medikamentös: Bestimmte Medikamente wie Methotrexat, Phenytoin oder Trimethoprim können den Folsäurestoffwechsel stören.
- Erhöhter Bedarf: Schwangerschaft, Stillzeit, hämolytische Anämien oder chronisch entzündliche Erkrankungen erhöhen den Folsäurebedarf.
- Malabsorption: Erkrankungen des Dünndarms wie Zöliakie oder Morbus Crohn können die Aufnahme von Folsäure beeinträchtigen.
- Sonstige Ursachen: Dialysepflichtige Nierenerkrankungen oder bestimmte Stoffwechselstörungen.
Symptome
Die Symptome der Folsäuremangelänämie entwickeln sich meist schleichend und können umfassen:
- Müdigkeit, Schwäche und allgemeine Abgeschlagenheit
- Blässe der Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit und erhöhter Herzschlag bei Belastung
- Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme
- Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) oder der Zunge (Glossitis)
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
Im Gegensatz zur Vitamin-B12-Mangelänämie treten bei reinem Folsäuremangel keine neurologischen Symptome auf.
Diagnose
Die Diagnose einer Folsäuremangelänämie erfolgt über:
- Blutbild (Differenzialblutbild): Nachweis vergrößerter roter Blutkörperchen (erhöhter MCV-Wert, Makrozytose) und typischer Zellveränderungen (hypersegmentierte Neutrophile).
- Serumfolsäure: Erniedrigung des Folsäurespiegels im Blut (< 2,5 – 3 ng/ml je nach Labor).
- Erythrozytenfolsäure: Gibt Auskunft über die Langzeitversorgung (empfindlicherer Marker).
- Vitamin-B12-Spiegel: Zum Ausschluss einer kombinierten Mangelänämie.
- Homocysteinspiegel: Erhöhtes Homocystein im Blut kann auf Folsäuremangel hinweisen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
- Folsäuresubstitution: Orale Gabe von Folsäure (in der Regel 1 – 5 mg täglich), in schweren Fällen auch parenteral (als Infusion oder Injektion). Die Behandlungsdauer beträgt je nach Ursache mehrere Wochen bis Monate.
- Ernährungsanpassung: Erhöhte Zufuhr folsäurereicher Lebensmittel (grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Leber).
- Behandlung der Grunderkrankung: Z.B. Therapie einer Malabsorption, Absetzen auslösender Medikamente, Behandlung des Alkoholmissbrauchs.
- Prophylaxe in der Schwangerschaft: Zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten wird Frauen mit Kinderwunsch eine tägliche Folsäuresupplementierung (0,4 mg/Tag) empfohlen.
Hinweis
Wichtig ist, vor Beginn einer Folsäuretherapie einen Vitamin-B12-Mangel auszuschließen, da eine alleinige Folsäuregabe bei gleichzeitigem B12-Mangel zwar die blutbildenden Symptome bessern, aber bestehende neurologische Schäden maskieren kann.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Nutritional Anaemias: Tools for Effective Prevention and Control. Geneva, 2017.
- Kasper DL et al.: Harrison's Principles of Internal Medicine, 21. Auflage. McGraw-Hill Education, 2022.
- Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Leitlinie Megaloblastäre Anämien, 2023. Verfügbar unter: www.onkopedia.com
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