Miosis: Pupillenverengung – Ursachen & Behandlung
Miosis bezeichnet die Verengung der Pupille des Auges. Sie kann physiologisch bei Lichteinfall auftreten oder durch Erkrankungen, Medikamente und Nervenstörungen bedingt sein.
Wissenswertes über "Miosis"
Miosis bezeichnet die Verengung der Pupille des Auges. Sie kann physiologisch bei Lichteinfall auftreten oder durch Erkrankungen, Medikamente und Nervenstörungen bedingt sein.
Was ist Miosis?
Miosis bezeichnet die Verengung (Konstriktion) der Pupille auf einen Durchmesser von weniger als 2 mm. Die Pupillengröße wird durch zwei Muskeln der Iris gesteuert: den Musculus sphincter pupillae, der die Pupille verengt, und den Musculus dilatator pupillae, der sie weitet. Miosis entsteht, wenn der Sphinktermuskel überwiegt. Sie kann physiologisch (normal), pharmakologisch (durch Medikamente oder Drogen) oder pathologisch (durch Erkrankungen) bedingt sein.
Ursachen
Physiologische Ursachen
- Lichteinfall: Der häufigste Grund für Miosis ist eine erhöhte Lichtintensität. Der Pupillenreflex sorgt dafür, dass die Pupille bei hellem Licht automatisch kleiner wird, um die Netzhaut zu schützen.
- Näherungsreaktion (Akkommodation): Beim Fokussieren auf nahe Objekte verengt sich die Pupille ebenfalls.
- Alter: Im höheren Lebensalter kann eine physiologische Miosis auftreten (sogenannte senile Miosis).
Pharmakologische Ursachen
- Opioid-Analgetika (z. B. Morphin, Heroin): Diese Substanzen aktivieren den Parasympathikus und führen zu einer charakteristischen, stecknadelkopfß-großen Pupille.
- Miotische Augentropfen (z. B. Pilocarpin): Werden bei der Behandlung des grünen Stars (Glaukom) eingesetzt.
- Cholinergika und Anticholinesterase-Hemmer (z. B. Organophosphate, Physostigmin).
- Antipsychotika und bestimmte Antidepressiva.
Pathologische Ursachen
- Horner-Syndrom: Eine Schädigung der sympathischen Nervenbahn führt zu Miosis, Hängen des Oberlids (Ptosis) und Einsinken des Augapfels (Enophthalmus) auf der betroffenen Seite.
- Pont-Läsionen: Blutungen oder Infarkte im Hirnstamm (Pons) können eine beidseitige, ausgepägte Miosis verursachen.
- Iritis / Uveitis: Entezündungen im vorderen Augenabschnitt können reflektorisch eine Miosis auslösen.
- Vergiftungen mit Organophosphaten (Pestizide, Nervengase): Klassisches Zeichen einer cholinergen Krise.
Symptome und klinisches Bild
Miosis selbst ist ein klinisches Zeichen, kein eigenständiges Krankheitsbild. Die Pupille erscheint sehr klein und reagiert möglicherweise weniger stark auf Lichtreize. Begleitsymptome hängen von der Grundursache ab und können umfassen:
- Verschwommenes Sehen oder verminderte Kontrastwahrnehmung bei schlechten Lichtverhältnissen
- Ptosis (Hängen des Oberlids) beim Horner-Syndrom
- Schmer zen, Rötung oder Lichtscheu bei entzündlichen Ursachen
- Neurologische Symptome bei Hirnstammläsionen (Schwindel, Doppelbilder, Schluckstörungen)
- Bewusstseinsveränderungen bei Opioid-Intoxikation
Diagnose
Die Diagnose der Miosis erfolgt durch eine klinische Untersuchung des Auges, insbesondere durch:
- Pupillenmessung (Pupillometrie): Beurteilung der Pupillengröße und Symmetrie (Isokorie vs. Anisokorie).
- Pupillenreflextest: Prüfung der direkten und indirekten Lichtreaktion.
- Spaltlampenuntersuchung: Beurteilung des vorderen Augenabschnitts auf Entzündungszeichen.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf zentrale Ursachen (Hirnstammläsion, Horner-Syndrom).
- Bildgebung (MRT/CT): Bei V. a. zerebrale oder vaskulare Ursachen.
- Toxikologisches Screening: Bei Verdacht auf Vergiftung oder Drogeneinnahme.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Grundursache der Miosis:
- Pharmakologische Miosis durch Opioid-Überdosierung: Gabe von Naloxon als Antidot.
- Organophosphat-Vergiftung: Gabe von Atropin und Pralidoxim.
- Horner-Syndrom: Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Tumor, gefäßbedingte Schäden).
- Iritis/Uveitis: Lokale Kortikosteroide und mydriatische Augentropfen (pupillenerweiternde Mittel).
- Glaukom-assoziierte Miosis durch Pilocarpin: Erwünschter therapeutischer Effekt zur Drucksenkung im Auge.
Quellen
- Kanski, J. J. & Bowling, B. (2016). Klinische Ophthalmologie. Elsevier GmbH, München.
- Bhatti, M. T. & Bhatti, A. (2017). Pupillary disorders: Diagnostic approach. Seminars in Neurology, 37(5), 508–518. PubMed PMID: 29207412.
- World Health Organization (WHO) (2022). Management of substance abuse: Opioid overdose. Abgerufen von https://www.who.int/substance_abuse/information-sheet/en/
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