Myelopathie: Ursachen, Symptome & Behandlung
Myelopathie bezeichnet eine Schädigung des Rückenmarks, die Bewegung, Gefühl und Organfunktionen beeinträchtigen kann. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend.
Wissenswertes über "Myelopathie"
Myelopathie bezeichnet eine Schädigung des Rückenmarks, die Bewegung, Gefühl und Organfunktionen beeinträchtigen kann. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend.
Was ist eine Myelopathie?
Der Begriff Myelopathie bezeichnet jede Form der Schädigung oder Erkrankung des Rückenmarks (Medulla spinalis). Das Rückenmark ist Teil des zentralen Nervensystems und überträgt Signale zwischen dem Gehirn und dem restlichen Körper. Eine Schädigung dieses empfindlichen Gewebes kann zu erheblichen Beeinträchtigungen der Motorik, Sensibilität und vegetativen Funktionen führen. Die Myelopathie ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Überbegriff für verschiedene Ätiologien und Verlaufsformen.
Ursachen
Eine Myelopathie kann durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden. Die häufigsten Ursachen umfassen:
- Degenerativ: Verschleiß der Wirbelsäule, z. B. bei zervikaler Spondylose oder Bandscheibenvorfall, der das Rückenmark komprimiert (kompressive Myelopathie).
- Vaskulär: Durchblutungsstörungen des Rückenmarks, z. B. durch Infarkt oder arteriovenosäre Malformationen.
- Entzündlich / autoimmun: Multiple Sklerose, Neuromyelitis optica oder andere entzündliche Erkrankungen.
- Infektiös: Virale (z. B. HIV, HTLV-1), bakterielle oder parasitäre Infektionen.
- Tumoren: Primäre Rückenmarkstumoren oder Metastasen, die auf das Mark drücken.
- Traumatisch: Verletzungen der Wirbelsäule durch Unfälle.
- Stoffwechselbedingt: Vitamin-B12-Mangel (funikuläre Myelose), Kupfermangel oder toxische Schäden.
- Strahlenbedingt: Strahlentherapie im Bereich der Wirbelsäule kann das Rückenmark schädigen.
Symptome
Die Symptome einer Myelopathie hängen stark von der Höhe und dem Ausmaß der Rückenmarksschädigung ab. Typische Beschwerden sind:
- Motorische Störungen: Muskelschwere, Spastik (Muskelsteifheit), Gangstörungen und im schweren Verlauf Lähmungen.
- Sensible Störungen: Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen oder verminderte Wahrnehmung von Berührung, Schmerz oder Temperatur.
- Koordinationsstörungen: Unsicherer Gang, Gleichgewichtsstörungen.
- Blasen- und Darmstörungen: Harninkontinenz, Harnverhalt oder Stuhlinkontinenz.
- Sexuelle Dysfunktion: Beeinträchtigung der sexuellen Funktion durch Nervensignalstörungen.
- Schmerzen: Lokal im Bereich der Wirbelsäule oder ausstrahlend in Arme und Beine.
Die Symptome können schleichend beginnen und sich über Wochen bis Monate verschlechtern (chronische Myelopathie) oder plötzlich auftreten (akute Myelopathie).
Diagnose
Die Diagnose einer Myelopathie erfordert eine sorgfältige Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden sowie laborchemischen Verfahren:
- Neurologische Untersuchung: Prüfung von Reflexen, Muskelkraft, Sensibilität und Koordination.
- MRT der Wirbelsäule: Die Magnetresonanztomografie ist die wichtigste bildgebende Methode zur Darstellung des Rückenmarks und angrenzender Strukturen.
- CT-Untersuchung: Ergänzend zur Beurteilung knöcherner Veränderungen.
- Liquorpunktion (Lumbalpunktion): Untersuchung des Nervenwassers auf Entzündungszeichen, Erreger oder Tumorzellen.
- Elektrophysiologie: Evozierte Potenziale (SEP, MEP) zur funktionellen Beurteilung der Rückenmarksleitfähigkeit.
- Blutuntersuchungen: Bestimmung von Vitamin B12, Kupfer, Entzündungsmarkern, Autoantikörpern und Infektionsserologie.
Behandlung
Die Therapie der Myelopathie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und zielt darauf ab, das Rückenmark vor weiterer Schädigung zu schützen und verlorene Funktionen so weit wie möglich wiederherzustellen.
Konservative Behandlung
- Bei leichter kompressiver Myelopathie: Physiotherapie, Schmerztherapie und Schonung.
- Bei entzündlicher Ursache: Kortikosteroide, Immunsuppressiva oder Biologika.
- Bei Vitamin-B12-Mangel: Substitution durch Injektionen oder hochdosierte orale Präparate.
- Bei infektiöser Ursache: Gezielte antivirale oder antibiotische Therapie.
Operative Behandlung
Bei kompressiver Myelopathie infolge von Bandscheibenvorfall, Wirbelkanalstenose oder Tumoren kann eine operative Dekompression der Wirbelsäule notwendig sein. Ein frühzeitiger Eingriff verbessert die Prognose erheblich.
Rehabilitation
Die neurologische Rehabilitation ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologische Unterstützung helfen Betroffenen, ihre Selbstständigkeit zu verbessern und den Alltag besser zu bewältigen.
Prognose
Die Prognose hängt maßgeblich von der Ursache, der Schwere der Schädigung und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Bei frühzeitiger Therapie sind teilweise oder vollständige Erholungen möglich. Chronisch-degenerative Verläufe erfordern eine langfristige Betreuung und Anpassung der Lebensweise.
Quellen
- Nouri A, Tetreault L, Singh A, Karadimas SK, Fehlings MG. Degenerative Cervical Myelopathy: Epidemiology, Genetics, and Pathogenesis. Spine. 2015;40(12):E675-E693.
- Kalb S, Martirosyan NL, Kavyani MF, Beier AD, Dean B, Theodore N. Genetics of the Degenerative Cervical Spine. World Neurosurgery. 2012;77(3-4):531-543.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). S1-Leitlinie Zervikale Spondylotische Myelopathie. AWMF-Register Nr. 030/066. 2020.
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