Fruchtwasser: Funktion, Menge & Abweichungen
Fruchtwasser ist die schützende Flüssigkeit in der Fruchtblase, die das ungeborene Kind umgibt. Es erfüllt wichtige Funktionen für die Entwicklung des Babys.
Wissenswertes über "Fruchtwasser"
Fruchtwasser ist die schützende Flüssigkeit in der Fruchtblase, die das ungeborene Kind umgibt. Es erfüllt wichtige Funktionen für die Entwicklung des Babys.
Was ist Fruchtwasser?
Fruchtwasser (medizinisch: Amnionflüssigkeit) ist eine klare bis leicht gelbliche Flüssigkeit, die das ungeborene Kind während der gesamten Schwangerschaft in der Gebärmutter umgibt. Es befindet sich innerhalb der Fruchtblase (Amnionsack) und spielt eine entscheidende Rolle für die gesunde Entwicklung des Kindes.
Zusammensetzung und Entstehung
In der frühen Schwangerschaft wird das Fruchtwasser hauptsächlich vom mütterlichen Organismus produziert. Ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche stammt ein Großteil des Fruchtwassers aus dem Urin des Ungeborenen. Das Kind schluckt das Fruchtwasser, verarbeitet es über Nieren und Lunge und gibt es wieder ab – so entsteht ein natürlicher Kreislauf.
Das Fruchtwasser besteht aus:
- Wasser und Elektrolyten
- Proteinen und Kohlenhydraten
- Fettsäuren und Hormonen
- Fetalen Hautzellen und Lanugohaaren
- Antikörpern zur Infektionsabwehr
Funktionen des Fruchtwassers
Das Fruchtwasser übernimmt zahlreiche lebenswichtige Aufgaben für das ungeborene Kind:
- Schutzfunktion: Es polstert das Kind gegen äußere Stoßeinwirkungen ab.
- Temperaturregulation: Es hält eine konstante Temperatur für das Kind aufrecht.
- Bewegungsfreiheit: Es ermöglicht dem Kind, sich zu bewegen und so Muskeln und Skelett zu entwickeln.
- Lungenentwicklung: Das Einatmen und Ausatmen von Fruchtwasser fördert die Reifung der kindlichen Lunge.
- Infektionsschutz: Antikörper im Fruchtwasser schützen das Kind vor Infektionen.
- Nabelschnurschutz: Es verhindert eine Kompression der Nabelschnur.
Menge des Fruchtwassers im Verlauf der Schwangerschaft
Die Menge des Fruchtwassers verändert sich im Laufe der Schwangerschaft:
- In der 16. Schwangerschaftswoche: etwa 200 ml
- Um die 34. Schwangerschaftswoche: maximale Menge von etwa 800–1.000 ml
- Gegen Ende der Schwangerschaft: leichter Rückgang auf etwa 600–800 ml
Abweichungen von der Norm
Polyhydramnion (zu viel Fruchtwasser)
Von einem Polyhydramnion spricht man, wenn die Fruchtwassermenge über 2.000 ml ansteigt. Mögliche Ursachen sind:
- Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
- Fehlbildungen des Verdauungstrakts oder des Nervensystems beim Kind
- Mehrlingsschwangerschaften
- Infektionen in der Schwangerschaft
Oligohydramnion (zu wenig Fruchtwasser)
Ein Oligohydramnion liegt vor, wenn die Fruchtwassermenge deutlich unter dem Normalwert liegt. Ursachen können sein:
- Nierenfehlbildungen beim Kind
- Plazentainsuffizienz (Schwachstellen der Plazenta)
- Übertragung (Schwangerschaft über den Geburtstermin hinaus)
- Frühzeitiger Blasensprung
Blasensprung
Am Ende der Schwangerschaft oder zu Beginn der Geburt reisst die Fruchtblase – dies wird als Blasensprung bezeichnet. Das Fruchtwasser fließt dann aus der Scheide ab. Ein vorzeitiger Blasensprung vor der 37. Schwangerschaftswoche erfordert sofortige medizinische Abklärung.
Diagnostische Nutzung des Fruchtwassers
Das Fruchtwasser kann diagnostisch genutzt werden. Bei der Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) wird eine kleine Menge Fruchtwasser entnommen, um fetale Zellen zu analysieren. Dieses Verfahren ermöglicht den Nachweis von:
- Chromosomenveränderungen (z. B. Trisomie 21)
- Genetischen Erkrankungen
- Infektionen
- Lungenreife des Kindes
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Folgende Anzeichen erfordern eine umgehende ärztliche Vorstellung:
- Flüssigkeitsabgang aus der Scheide (möglicher Blasensprung)
- Veränderungen der Fruchtwasserfarbe (grünlich oder bloo-braun gefärbtes Fruchtwasser kann auf Mekoniumabgang hinweisen)
- Starke Bauchschmerzen oder Druckgefühl
- Seltene Kindsbewegungen
Quellen
- Surbek, D. et al.: Geburtshilfe – Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), 2022.
- Moore, K.L.; Persaud, T.V.N.; Torchia, M.G.: Embryologie – Entwicklungsstadien, Frühentwicklung, Organogenese, Klinik. 7. Auflage. Elsevier, 2020.
- World Health Organization (WHO): WHO Recommendations on Antenatal Care for a Positive Pregnancy Experience. WHO Press, Genf, 2016. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241549912
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac®, probiotischen Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die neusten Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieStillen
Sehvermögen
Sprachentwicklung
Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kaloriengehalt
Kölner Liste
Verwandte Suchbegriffe: Fruchtwasser