Morbus Dupuytren & Alkohol: Risikofaktor & Infos
Alkohol gilt als möglicher Risikofaktor für Morbus Dupuytren, eine Erkrankung der Handinnenseite. Erfahren Sie mehr über den Zusammenhang.
Wissenswertes über "Morbus dupuytren alkohol"
Alkohol gilt als möglicher Risikofaktor für Morbus Dupuytren, eine Erkrankung der Handinnenseite. Erfahren Sie mehr über den Zusammenhang.
Was ist Morbus Dupuytren?
Morbus Dupuytren (auch Dupuytren-Kontraktur genannt) ist eine gutartige, fortschreitende Erkrankung des Bindegewebes der Handinnenseite. Dabei verdickt und verknöchert sich die sogenannte Palmarfaszie – eine Bindegewebsschicht unter der Haut der Handfläche. Im Verlauf entstehen Strang- und Knotenbildungen, die dazu führen können, dass einer oder mehrere Finger dauerhaft in eine gebeugte Stellung gezogen werden. Besonders häufig sind der Ringfinger und der kleine Finger betroffen.
Alkohol als Risikofaktor
Chronischer Alkoholkonsum wird in der medizinischen Forschung als möglicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten von Morbus Dupuytren diskutiert. Der genaue Mechanismus ist noch nicht abschließend geklärt, jedoch werden folgende Zusammenhänge vermutet:
- Leberfibrose: Chronischer Alkoholmissbrauch führt häufig zu einer Leberfibrose (Vernarbung der Leber). Da bei Leberschmäden die Umwandlung von Bindegewebsproteinen gestört ist, könnte dies auch die Bindegewebsveränderungen in der Hand begünstigen.
- Erhöhte Fibroblastenaktivität: Alkohol kann die Aktivität von Fibroblasten (Bindegewebszellen) steigern und so die vermehrte Kollagenproduktion fördern, die für Morbus Dupuytren charakteristisch ist.
- Oxidativer Stress: Alkohol erhöht den oxidativen Stress im Körper, was zu Schäden an Zellen und Gewebe führen kann und möglicherweise die Entstehung der Erkrankung begünstigt.
- Mangelernährung: Personen mit hohem Alkoholkonsum leiden häufig an Nährstoffmängeln (z.B. Vitamin-B-Mangel), die das Bindegewebe zusätzlich schwächen können.
Weitere Risikofaktoren
Alkohol ist nur einer von mehreren Risikofaktoren für Morbus Dupuytren. Weitere bekannte Faktoren sind:
- Genetische Veranlagung: Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf und ist besonders häufig bei Menschen nordeuropäischer Abstammung.
- Alter und Geschlecht: Männer über 50 Jahre sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.
- Diabetes mellitus: Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, an Morbus Dupuytren zu erkranken.
- Rauchen: Nikotinkonsum wird ebenfalls als Risikofaktor diskutiert.
- Handarbeit und Vibrationen: Langjährige schwere körperliche Arbeit mit den Händen oder Vibrationsexposition kann das Risiko erhöhen.
- Epilepsie und bestimmte Medikamente: Antiepileptika stehen in Zusammenhang mit einem erhöhten Auftreten der Erkrankung.
Symptome
Die Erkrankung verläuft meist schleichend und über viele Jahre. Typische Symptome sind:
- Knoten und Stränge in der Handfläche, die tastbar und sichtbar werden
- Zunehmende Beugekontraktur eines oder mehrerer Finger (meist Ring- und Kleinfinger)
- Einschränkung der Handfunktion im Alltag (z.B. beim Greifen, Händeschhütteln oder beim Tragen von Gegenständen)
- In frühen Stadien gelegentlich leichte Druckempfindlichkeit, später meist schmerzlos
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt, das heißt durch eine körperliche Untersuchung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Der sogenannte Tischtest (Table-Top-Test) ist ein einfaches diagnostisches Hilfsmittel: Kann die Handfläche nicht flach auf den Tisch gelegt werden, deutet dies auf eine fortgeschrittene Kontraktur hin. Bildgebende Verfahren sind in der Regel nicht notwendig.
Behandlung
Eine Heilung von Morbus Dupuytren ist bisher nicht möglich, jedoch gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die das Fortschreiten verlangsamen oder die Kontraktur verbessern können:
Konservative Behandlung
- Kollagenase-Injektion (Clostridium histolyticum): Ein Enzym wird in die Stränge injiziert, um das Kollagen aufzulösen und die Finger zu strecken.
- Nadelkordiotoie (Nadelkorrektur): Mit einer feinen Nadel werden die Stränge durchtrennt, um die Beugekontraktur zu lösen.
- Strahlentherapie: In frühen Stadien kann eine gezielte Bestrahlung das Fortschreiten verlangsamen.
Operative Behandlung
- Partielle Fasziektomie: Das veränderte Bindegewebe wird chirurgisch entfernt. Dies ist die häufigste operative Methode.
- Totale Fasziektomie: Vollständige Entfernung der Palmarfaszie, selten angewendet.
- Dermofasziektomie: Entfernung von Bindegewebe und Haut, gefolgt von einer Hauttransplantation, bei schweren oder rezidivierenden Fällen.
Nach der Behandlung ist regelmäßig Physiotherapie empfehlenswert, um die Handfunktion zu verbessern und einem Rückfall vorzubeugen. Da Alkohol als Risikofaktor gilt, wird betroffenen Patienten empfohlen, den Alkoholkonsum zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.
Quellen
- Loos, B. et al.: "Dupuytren disease: Etiology and treatment". In: Deutsches Ärzteblatt International, 2019.
- Hindocha, S. et al.: "The heritability of Dupuytren's disease: familial aggregation and its clinical significance". In: Journal of Hand Surgery (European Volume), 2006.
- World Health Organization (WHO): Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10), Kapitel M72 – Fibroblastische Störungen.
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