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Bikarbonat – Funktion, Werte & Bedeutung

Bikarbonat ist ein lebenswichtiges Elektrolyt im Blut, das den Säure-Basen-Haushalt des Körpers reguliert und als natürlicher Puffer wirkt.

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Wissenswertes über "Bikarbonat"

Bikarbonat ist ein lebenswichtiges Elektrolyt im Blut, das den Säure-Basen-Haushalt des Körpers reguliert und als natürlicher Puffer wirkt.

Was ist Bikarbonat?

Bikarbonat (chemische Formel: HCO₃⁻), auch als Hydrogencarbonat bezeichnet, ist ein negativ geladenes Ion (Anion), das im menschlichen Körper eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Säure-Basen-Gleichgewichts spielt. Es entsteht hauptsächlich durch die Reaktion von Kohlendioxid (CO₂) mit Wasser (H₂O) in den roten Blutkörperchen und wird vom Körper als wichtigstes Puffersystem eingesetzt, um den pH-Wert des Blutes im lebenswichtigen Bereich von 7,35 bis 7,45 zu halten.

Biologische Funktionen

Bikarbonat erfüllt im menschlichen Organismus mehrere essentielle Aufgaben:

  • Pufferfunktion: Bikarbonat neutralisiert überschüssige Säuren im Blut und Gewebe und verhindert so gefährliche Schwankungen des pH-Wertes.
  • CO₂-Transport: Etwa 70 % des im Blut transportierten Kohlendioxids wird in Form von Bikarbonat von den Geweben zur Lunge befördert und dort ausgeatmet.
  • Elektrolythaushalt: Als bedeutendes Anion im Blutplasma trägt Bikarbonat zur Aufrechterhaltung des osmotischen Gleichgewichts bei.
  • Verdauung: Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) schüttet bikarbonathaltigen Saft in den Dünndarm aus, um den sauren Mageninhalt zu neutralisieren und optimale Bedingungen für Verdauungsenzyme zu schaffen.

Referenzwerte und Messung

Der Bikarbonatspiegel im Blut wird im Rahmen einer Blutgasanalyse (BGA) oder eines Elektrolytpanels gemessen. Die Normwerte für Bikarbonat im arteriellen Blut liegen bei Erwachsenen zwischen 22 und 26 mmol/l. Abweichungen von diesen Werten können auf Störungen des Säure-Basen-Haushalts hinweisen.

Erhöhte Bikarbonatwerte (Hyperbikarbonatämie)

Ein zu hoher Bikarbonatspiegel (über 26 mmol/l) kann auf eine metabolische Alkalose hindeuten. Mögliche Ursachen sind:

  • Starkes Erbrechen mit Verlust von Magensäure
  • Übermäßige Einnahme von Antazida oder Natriumbikarbonat
  • Langfristige Einnahme von Diuretika (harntreibenden Mitteln)
  • Hyperaldosteronismus (Überproduktion des Hormons Aldosteron)

Erniedrigte Bikarbonatwerte (Hypobikarbonatämie)

Ein zu niedriger Bikarbonatspiegel (unter 22 mmol/l) kann auf eine metabolische Azidose hinweisen. Häufige Ursachen sind:

  • Diabetische Ketoazidose
  • Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion)
  • Schwerer Durchfall mit Verlust von Bikarbonat
  • Laktatazidose (erhöhte Milchsäureproduktion, z. B. bei Schock)

Bikarbonat als Nahrungsergänzungsmittel und Medikament

Natriumbikarbonat (Natron, NaHCO₃) wird sowohl medizinisch als auch im Alltag eingesetzt:

  • Medizinisch: Intravenöse Gabe zur Behandlung schwerer metabolischer Azidosen, z. B. bei Herzstillstand oder Vergiftungen.
  • Sportmedizin: Einnahme als sogenanntes Bicarbonat-Loading zur kurzzeitigen Leistungssteigerung bei hochintensiven Sportarten, da es die Milchsäurepufferung verbessert.
  • Antazidum: Bikarbonat wird als Mittel gegen Sodbrennen und Magensäureüberschuss eingesetzt.
  • Haushalt: Als Backtriebmittel (Backpulver-Hauptbestandteil) und Hausmittel bekannt.

Wechselwirkungen und Sicherheitshinweise

Die unkontrollierte Einnahme von Natriumbikarbonat kann zu unerwünschten Wechselwirkungen und Nebenwirkungen führen:

  • Wechselwirkung mit Medikamenten wie Aspirin, bestimmten Antibiotika und Herzmedikamenten durch Veränderung des Urin-pH-Wertes
  • Bei übermäßiger Einnahme: Milch-Alkali-Syndrom (Hyperkalzämie, Alkalose, Nierenversagen)
  • Erhöhter Natriumgehalt kann für Menschen mit Bluthochdruck oder Herzerkrankungen problematisch sein

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Electrolytes and Acid-Base Balance in Clinical Practice, WHO Technical Report, Genf.
  2. Siegenthaler, W. (Hrsg.): Klinische Pathophysiologie, 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2006.
  3. Kasper, D. L. et al.: Harrison's Principles of Internal Medicine, 20. Auflage, McGraw-Hill Education, New York 2018.

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