Blutschwämmchen (Hämangiom) – Ursachen & Behandlung
Ein Blutschwämmchen (Hämangiom) ist eine gutartige Gefäßgeschwulst, die häufig bei Säuglingen auftritt und sich meist von selbst zurückbildet.
Wissenswertes über "Blutschwämmchen"
Ein Blutschwämmchen (Hämangiom) ist eine gutartige Gefäßgeschwulst, die häufig bei Säuglingen auftritt und sich meist von selbst zurückbildet.
Was ist ein Blutschwämmchen?
Ein Blutschwämmchen, medizinisch als Hämangiom bezeichnet, ist eine gutartige (nicht bösartige) Wucherung von Blutgefäßen in der Haut oder in inneren Organen. Es handelt sich um die häufigste Gefäßgeschwulst im Kindesalter. Blutschwämmchen erscheinen typischerweise als rote, erhabene oder flache Flecken auf der Haut und können in den ersten Lebensmonaten eines Säuglings auftreten und wachsen, bevor sie sich später spontan zurückbilden.
Arten von Blutschwämmchen
Oberflächliches Hämangiom
Diese Form liegt direkt unter der Hautoberfläche und erscheint leuchtend rot, erhöht und höckerig – ähnlich einer Erdbeere. Daher wird es im Englischen auch als Strawberry Hemangioma bezeichnet.
Tiefes Hämangiom
Dieses liegt tiefer im Gewebe und erscheint als blau-violette, weiche Schwellung unter der Haut. Es ist seltener als die oberflächliche Form.
Gemischtes Häangiom
Eine Kombination aus oberflächlichen und tiefen Anteilen, die sowohl die typische rote Oberfläche als auch eine bläuliche Tiefenkomponente zeigt.
Ursachen
Die genaue Ursache für die Entstehung von Blutschwämmchen ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Fehlregulation der Blutgefäßbildung (Angiogenese) in der frühen Embryonalentwicklung eine Rolle spielt. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko:
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
- Weibliches Geschlecht (Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen)
- Helle Hauttypen
- Mehrlingsschwangerschaften
- Höheres mütterliches Alter
Symptome und Erscheinungsbild
Blutschwämmchen sind bei der Geburt meist noch nicht sichtbar oder erscheinen als kleiner blasser Fleck. In den ersten Lebenswochen beginnen sie zu wachsen und erreichen ihre maximale Größe üblicherweise zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat. Typische Merkmale sind:
- Leuchtend rote, erhabene Hautveränderung
- Weiche, gummiartige Konsistenz
- Gut abgegrenzt vom umliegenden Gewebe
- Schmerzlos in unkomplizierten Fällen
- Größe variiert von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern
Verlauf und Prognose
Bei den meisten Kindern bildet sich das Blutschwämmchen ohne Behandlung von selbst zurück (Spontaninvolution). Etwa 50 % der Hämangiome sind bis zum 5. Lebensjahr vollständig verschwunden, 70 % bis zum 7. Lebensjahr und 90 % bis zum 9. Lebensjahr. Nach der Involution kann gelegentlich eine blasse oder leicht vergrößerte Narbe oder schlaffe Haut zurückbleiben.
Komplikationen
In seltenen Fällen können Blutschwämmchen Probleme verursachen, insbesondere wenn sie:
- Im Bereich von Augen, Mund, Nase oder Atemwegen wachsen und die Funktion beeinträchtigen
- Ulzerieren (aufbrechen) und bluten oder sich entzünden
- An sichtbaren Stellen wie dem Gesicht auftreten und kosmetisch belastend sind
- Auf innere Organe (z. B. Leber) beschränkt sind und dort Beschwerden verursachen
Diagnose
Die Diagnose eines Blutschwämmchens erfolgt in der Regel durch eine klinische Untersuchung durch den Kinderarzt oder Dermatologen. Das typische Erscheinungsbild und der charakteristische Verlauf sind meist ausreichend für die Diagnose. In unklaren Fällen oder bei Verdacht auf tiefe oder innere Hämangiome können bildgebende Verfahren eingesetzt werden:
- Ultraschall (Sonografie): Darstellung der Tiefe und Durchblutung des Häangioms
- MRT (Magnetresonanztomografie): Genaue Lagebestimmung bei tiefen oder organnahen Häangiomen
Behandlung
Da sich die meisten Blutschwämmchen spontan zurückbilden, ist bei unkomplizierten Fällen oft keine Behandlung notwendig. Eine Therapie wird empfohlen, wenn das Häangiom die Funktion beeinträchtigt, ulzeriert oder kosmetisch sehr belastend ist.
Medikamentöse Behandlung
Das Medikament der ersten Wahl ist heute Propranolol, ein Betablocker, der das Wachstum von Häangiomen hemmt und deren Rückbildung beschleunigt. Es wird oral verabreicht und ist gut verträglich. Für kleinere, oberflächliche Häangiome steht auch eine topische (auf die Haut aufgetragene) Form mit dem Wirkstoff Timolol zur Verfügung.
Laser-Therapie
Ein gepulster Farbstofflaser kann eingesetzt werden, um oberflächliche Häangiome zu behandeln, insbesondere nach deren Involution verbliebene Gefäßreste oder Verfärbungen.
Chirurgische Entfernung
In seltenen Fällen, etwa bei stark entstellenden oder funktionsbehindernden Häangiomen, kann eine operative Entfernung in Erwägung gezogen werden.
Wann zum Arzt?
Eltern sollten ärztlichen Rat suchen, wenn:
- Das Blutschwämmchen schnell wächst oder blutet
- Es sich in der Nähe von Augen, Mund oder Atemwegen befindet
- Es ulzeriert (aufbricht) oder Zeichen einer Entzündung zeigt
- Mehr als drei Blutschwämmchen auf der Haut sichtbar sind (mögliche innere Beteiligung)
Quellen
- Hoeger PH et al. - Management of infantile haemangiomas: practice guidelines of the European Society for Paediatric Dermatology. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2020.
- Leaute-Labreze C et al. - Propranolol for Severe Hemangiomas of Infancy. New England Journal of Medicine, 2008; 358(24): 2649-2651.
- Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) - Leitlinien zu Häangiomen im Kindesalter, 2021.
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