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Enterale Ernährung – Definition & Anwendung

Enterale Ernährung bezeichnet die Zufuhr von Nährstoffen über den Magen-Darm-Trakt mittels Sonde. Sie wird eingesetzt, wenn Patienten nicht ausreichend selbst essen können.

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Wissenswertes über "Enterale Ernährung"

Enterale Ernährung bezeichnet die Zufuhr von Nährstoffen über den Magen-Darm-Trakt mittels Sonde. Sie wird eingesetzt, wenn Patienten nicht ausreichend selbst essen können.

Was ist enterale Ernährung?

Enterale Ernährung ist eine Form der künstlichen Ernährung, bei der flüssige Nährstoffgemische direkt in den Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt) geleitet werden. Im Gegensatz zur parenteralen Ernährung, die Nährstoffe über die Blutbahn zuführt, nutzt die enterale Ernährung den natürlichen Verdauungsweg des Körpers. Sie wird eingesetzt, wenn eine Person nicht in der Lage ist, ausreichend Nahrung auf normalem Wege zu sich zu nehmen, der Verdauungstrakt jedoch noch funktionsfähig ist.

Indikationen – Wann wird enterale Ernährung eingesetzt?

Enterale Ernährung kommt in verschiedenen medizinischen Situationen zum Einsatz:

  • Schluckstörungen (Dysphagie), z. B. nach einem Schlaganfall oder bei neurologischen Erkrankungen
  • Bewusstlosigkeit oder eingeschränkte Vigilanz, wenn eine orale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist
  • Schwere Mangelernährung, bei der eine normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht
  • Onkologische Erkrankungen, z. B. bei Tumoren im Mund-, Rachen- oder Speiseröhrenbereich
  • Intensivmedizinische Versorgung von kritisch kranken Patienten
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn
  • Frühgeborene oder Neugeborene mit unzureichendem Saugreflex

Zugangswege

Die enterale Nährlösung wird über verschiedene Sondensysteme in den Verdauungstrakt geleitet:

Nasogastrische Sonde (NGS)

Die nasogastrische Sonde wird durch die Nase in den Magen eingeführt. Sie ist die häufigste Form bei kurzfristiger enteraler Ernährung (bis zu etwa 4 Wochen) und einfach zu legen, aber für Langzeitanwendungen weniger geeignet.

Nasojejunale Sonde

Bei dieser Variante wird die Sonde bis in den Dünndarm (Jejunum) vorgeschoben. Dies ist sinnvoll bei Patienten mit erhöhtem Aspirationsrisiko oder gestörter Magenentleerung.

Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG)

Bei der PEG-Sonde wird mithilfe eines Endoskops ein direkter Zugang durch die Bauchdecke in den Magen gelegt. Diese Methode wird bei langfristiger enteraler Ernährung (mehr als 4 Wochen) bevorzugt und bietet mehr Komfort für den Patienten.

Perkutane endoskopische Jejunostomie (PEJ)

Ähnlich der PEG, jedoch wird der Zugang direkt in den Dünndarm gelegt. Sie wird eingesetzt, wenn der Magen umgangen werden muss, z. B. bei Magenentleerungsstörungen oder nach bestimmten Operationen.

Arten von Sondennahrung

Die verwendeten Nährlösungen sind speziell zusammengesetzte Fertigprodukte, die alle notwendigen Makro- und Mikronährstoffe enthalten:

  • Standardformulierungen: Vollständige, ausgewogene Nährstoffmischungen für den allgemeinen Bedarf
  • Krankheitsspezifische Formulierungen: Angepasste Zusammensetzungen für bestimmte Erkrankungen (z. B. Niereninsuffizienz, Diabetes, Lebererkrankungen, Lungenerkrankungen)
  • Hochkalorische Formulierungen: Für Patienten mit erhöhtem Energiebedarf bei geringem Volumen
  • Ballaststoffreiche Formulierungen: Zur Unterstützung der Darmfunktion und Vorbeugung von Verstopfung

Verabreichungsmethoden

Die Sondennahrung kann auf verschiedene Weisen verabreicht werden:

  • Kontinuierliche Infusion: Die Nahrung wird gleichmäßig über einen längeren Zeitraum (z. B. 16–24 Stunden) mithilfe einer Ernährungspumpe zugeführt.
  • Intermittierende Bolusgabe: Die Nahrung wird in mehreren Portionen über den Tag verteilt gegeben, was dem natürlichen Essrhythmus ähnelt.
  • Nächtliche Ernährung: Ergänzende enterale Ernährung während der Nacht, wenn tagsüber noch eine orale Zufuhr möglich ist.

Vorteile der enteralen Ernährung

Im Vergleich zur parenteralen (intravenösen) Ernährung bietet die enterale Ernährung mehrere Vorteile:

  • Erhalt der Darmschleimhaut und der natürlichen Darmfunktion
  • Geringeres Infektionsrisiko
  • Physiologischere Nährstoffverwertung
  • Geringere Kosten
  • Unterstützung des Immunsystems durch Erhalt der Darmbarriere

Mögliche Komplikationen und Risiken

Wie jede medizinische Intervention kann enterale Ernährung mit Komplikationen verbunden sein:

  • Aspiration: Einatmen von Sondennahrung in die Lunge – besonders bei Patienten mit Schluckstörungen
  • Gastrointestinale Beschwerden: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen oder Verstopfung
  • Sondenkomplikationen: Verstopfung, Dislokation oder Entzündungen an der Eintrittsstelle (v. a. bei PEG-Sonden)
  • Refeeding-Syndrom: Gefährliche Elektrolytverschiebungen bei zu rascher Wiederernährung stark mangelernährter Patienten
  • Infektionen: Besonders bei PEG- oder PEJ-Sonden an der Einstichstelle

Monitoring und Pflege

Eine regelmäßige Überwachung ist bei enteraler Ernährung essenziell. Dazu gehören:

  • Kontrolle des Ernährungsstatus und des Körpergewichts
  • Regelmäßige Überprüfung der Sondenposition und -durchgängigkeit
  • Laborkontrollen (Elektrolyte, Blutzucker, Nierenwerte)
  • Hygienische Pflege der Sondeneinstiegsstelle
  • Anpassung der Ernährungstherapie an den aktuellen Bedarf

Quellen

  1. Arends J. et al. - ESPEN Leitlinien: Klinische Ernährung in der Onkologie. Clinical Nutrition, 2017.
  2. Weimann A. et al. - ESPEN guideline: Clinical nutrition in surgery. Clinical Nutrition, 2017.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) - Leitlinie Enterale Ernährung, 2020.

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