H65.1 – Chronische nicht-eitrige Otitis media
H65.1 bezeichnet die chronische nicht-eitrige Otitis media – eine lang anhaltende Mittelohrentzündung ohne Eiterbildung, die häufig bei Kindern auftritt.
Wissenswertes über "H65.1"
H65.1 bezeichnet die chronische nicht-eitrige Otitis media – eine lang anhaltende Mittelohrentzündung ohne Eiterbildung, die häufig bei Kindern auftritt.
Was ist H65.1?
Der ICD-10-Code H65.1 steht für die chronische nicht-eitrige Otitis media – eine langanhaltende Entzündung des Mittelohrs, bei der sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt, ohne dass eine bakterielle Eiteransammlung vorliegt. Diese Erkrankung wird auch als Seromukotympanum, Paukenhöhlenerguss oder umgangssprachlich als Klebeohr bezeichnet. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Hörminderungen im Kindesalter.
Ursachen
Die chronische nicht-eitrige Otitis media entsteht häufig durch eine gestörte Belüftung des Mittelohrs. Ursachen können sein:
- Tubendysfunktion: Eine gestörte Funktion der Eustachischen Tube, die das Mittelohr mit dem Rachen verbindet, verhindert den normalen Druckausgleich.
- Vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide): Besonders bei Kindern können vergrößerte Rachenmandeln die Tubenfunktion beeinträchtigen.
- Infekte der oberen Atemwege: Wiederkehrende Erkältungen oder Virusinfektionen können zur chronischen Flüssigkeitsansammlung führen.
- Allergien: Allergische Entzündungen der Nasenschleimhaut begünstigen Tubenschwellungen.
- Passivrauchexposition: Insbesondere bei Kindern erhöht Tabakrauch in der Umgebung das Risiko.
- Anatomische Besonderheiten: Z.B. Gaumenspalte oder kraniofaziale Fehlbildungen.
Symptome
Die Symptome der chronischen nicht-eitrigen Otitis media können schleichend auftreten und werden vor allem bei Kindern oft spät erkannt:
- Hörminderung: Häufig das erste und bedeutendste Symptom; Betroffene hören gedämpft oder undeutlich.
- Druckgefühl im Ohr: Ein Gefühl von Verstopfung oder Vollegefühl im Ohr.
- Ohrgeräusche (Tinnitus): Gelegentlich leises Rauschen oder Summen.
- Sprachentwicklungsverzögerung bei Kindern: Durch die eingeschränkte Hörfähigkeit können Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung zurückfallen.
- Konzentrationsprobleme und Schulprobleme: Besonders bei betroffenen Schulkindern.
- Keine oder geringe Schmerzen: Im Gegensatz zur akuten Otitis media fehlen meist starke Ohrenschmerzen.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) und umfasst verschiedene Untersuchungsmethoden:
- Otoskopie: Betrachtung des Trommelfells mit einem Ohrspiegel; bei H65.1 zeigt sich häufig ein eingesunkenes, trübes oder gelblich verfärbtes Trommelfell.
- Tympanometrie: Messung der Beweglichkeit des Trommelfells und des Mittelohrdrucks; typisch ist eine flache Kurve (Typ B), die auf eine Flüssigkeitsansammlung hinweist.
- Audiometrie: Messung der Hörschwelle, um das Ausmaß der Hörminderung festzustellen.
- Nasoendoskopie: Untersuchung der Nasenschleimhaut und der Tubenöffnungen auf Ursachen wie vergrößerte Adenoide.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere und Dauer der Erkrankung sowie nach dem Alter des Patienten:
Abwartendes Vorgehen
Bei milden Fällen kann zunächst eine abwartende Beobachtung über mehrere Wochen erfolgen, da viele Fälle spontan ausheilen, insbesondere bei Kindern.
Medikamentöse Therapie
- Abschwellende Nasensprays oder Nasenspülungen können die Tubenfunktion verbessern.
- Antihistaminika bei allergischer Grundursache.
- Kortikosteroide (nasal): Zur Reduzierung von Schleimhautschwellungen.
Operative Therapie
- Parazentese (Trommelfellschnitt): Öffnung des Trommelfells zur Entlastung und Drainage der Flüssigkeit.
- Paukendränage (Tympanostomieschlauch): Einsetzen eines kleinen Röhrchens in das Trommelfell zur dauerhaften Belüftung des Mittelohrs; häufig bei Kindern mit wiederkehrenden Fällen.
- Adenotomie: Entfernung der vergrößerten Rachenmandeln bei entsprechender Ursache.
Nachsorge und Verlauf
Regelmäßige HNO-Kontrollen sind wichtig, um den Hörstatus zu überwachen und Komplikationen wie Schallleitungsschwerhörigkeit, Trommelfellverstärkungen oder eine Cholesteatom-Entstehung frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (DGHNO-KHC): Leitlinie „Sekretorishe Otitis media“ (AWMF-Register Nr. 017/004), 2021.
- Rosenfeld RM et al. – Clinical Practice Guideline: Otitis Media with Effusion. Otolaryngology – Head and Neck Surgery, 2016; 154(1 Suppl): S1-S41.
- World Health Organization (WHO): Chronic suppurative otitis media. Burden of illness and management options. Geneva, 2004.
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