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H91.0 – Ototoxischer Hörverlust: Ursachen & Therapie

H91.0 bezeichnet den ototoxischen Hörverlust – eine Schwerhörigkeit, die durch bestimmte Medikamente oder Chemikalien verursacht wird. Betroffen sind häufig das Innenohr und der Hörnerv.

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Wissenswertes über "H91.0"

H91.0 bezeichnet den ototoxischen Hörverlust – eine Schwerhörigkeit, die durch bestimmte Medikamente oder Chemikalien verursacht wird. Betroffen sind häufig das Innenohr und der Hörnerv.

Definition

H91.0 ist ein Diagnosecode nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) und steht für den ototoxischen Hörverlust. Darunter versteht man eine Schädigung des Gehörs, die durch den Einsatz bestimmter Substanzen – vor allem Medikamente – ausgelöst wird. Die Schädigung betrifft in der Regel das Innenohr (Cochlea) oder den Hörnerv (Nervus cochlearis) und kann temporär oder dauerhaft sein.

Ursachen

Ototoxischer Hörverlust wird durch Substanzen verursacht, die toxisch auf die empfindlichen Strukturen des Innenohrs wirken. Zu den häufigsten ototoxischen Substanzen zählen:

  • Aminoglykosid-Antibiotika (z. B. Gentamicin, Tobramycin, Amikacin): Diese werden vor allem bei schweren Infektionen eingesetzt und können die Härchen (Stereozilien) der Haarzellen im Innenohr dauerhaft schädigen.
  • Platinhaltige Zytostatika (z. B. Cisplatin, Carboplatin): Diese Chemotherapeutika werden in der Krebsbehandlung eingesetzt und sind bekannt für ihr hohes ototoxisches Potenzial.
  • Schleifendiuretika (z. B. Furosemid, Etacrynsäure): Bei hoher Dosierung oder intravetöser Gabe können diese den Elektrolythaushalt im Innenohr stören.
  • Salicylate (z. B. Aspirin in hohen Dosen): Führen häufig zu vorübergehendem Tinnitus und Hörverlust.
  • Chinin und Chinolon-Antibiotika: Ebenfalls mit ototoxischen Effekten assoziiert.
  • Bestimmte industrielle Chemikalien und Schwermetalle (z. B. Blei, Quecksilber).

Risikofaktoren

Nicht alle Personen, die ototoxische Substanzen einnehmen, entwickeln einen Hörverlust. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko:

  • Hohe Dosierung und lange Behandlungsdauer
  • Kombinationstherapien mit mehreren ototoxischen Substanzen
  • Vorbestehende Niereninsuffizienz (beeinträchtigt die Ausscheidung)
  • Vorbestehender Hörverlust
  • Höheres Lebensalter
  • Genetische Prädisposition (z. B. mitochondriale Mutationen)
  • Gleichzeitige Lärmbelastung

Symptome

Die Symptome des ototoxischen Hörverlustes können sich schleichend oder plötzlich entwickeln:

  • Hörverlust: meist zunächst für hohe Frequenzen, später auch für tiefe Töne
  • Tinnitus: Ohrgeräusche wie Pfeifen, Klingeln oder Rauschen
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: besonders bei Schädigung des vestibulären Systems
  • Druckgefühl im Ohr
  • Im fortgeschrittenen Stadium: hochgradige oder vollständige Taubheit (Anacusis)

Diagnose

Die Diagnose H91.0 wird durch eine Kombination aus medizinischer Anamnese und audiologischen Tests gestellt:

  • Audiogramm (Tonaudiometrie): Misst die Hörschwelle bei verschiedenen Frequenzen. Typisch für ototoxischen Hörverlust ist ein Abfall bei hohen Frequenzen.
  • Sprachaudiometrie: Prüft das Sprachverstehen.
  • Otoakustische Emissionen (OAE): Sensitiver Frühtest zur Erkennung von Haarzellschäden, bevor der Hörverlust subjektiv bemerkt wird.
  • Hörgeräuschmessung (ABR/BERA): Elektrophysiologische Messung der Hörnervenaktivität.
  • Medikamentenanamnese: Dokumentation aller eingenommenen Substanzen ist essenziell für die ätiologische Zuordnung.

Behandlung

Eine kausale Therapie des ototoxischen Hörverlustes ist in den meisten Fällen nicht möglich, da bereits eingetretene Haarzellschäden irreversibel sind. Die Behandlung umfasst:

  • Absetzen oder Dosisreduktion der ototoxischen Substanz (soweit medizinisch vertretbar)
  • Hörgeräteversorgung bei mittelgradigem bis schwerem Hörverlust
  • Cochlea-Implantat bei hochgradigem bis vollständigem Hörverlust
  • Vestibuläre Rehabilitation bei Gleichgewichtsstörungen
  • Monitoring während der Therapie: regelmäßige audiologische Kontrollen zur Früherkennung während der Behandlung mit ototoxischen Substanzen
  • Tinnitus-Management: Klangtherapie, kognitive Verhaltenstherapie oder Hörgeräte mit Noiser-Funktion

Prävention

Da der ototoxische Hörverlust in vielen Fällen unvermeidbar ist (z. B. bei lebensnotwendiger Chemotherapie), liegt der Fokus auf der Minimierung des Risikos:

  • Verwendung der niedrigsten wirksamen Dosis
  • Bevorzugung weniger ototoxischer Alternativen, wenn vorhanden
  • Regelmäßiges audiologisches Monitoring während der Behandlung
  • Vermeidung zusätzlicher Lärmbelastung während der Therapie
  • Genetisches Screening bei Risikopatienten (z. B. vor Aminoglykosid-Therapie)

Quellen

  1. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / BfArM: ICD-10-GM Version 2024, Code H91.0 – Ototoxischer Hörverlust.
  2. Rybak LP, Mukherjea D, Ramkumar V. "Mechanisms of cisplatin-induced ototoxicity and prevention." Seminars in Hearing, 2019; 40(2): 197–204. PubMed PMID: 31036991.
  3. Langan EA, Bhatt DL, Flaherty LE et al.: Aminoglycoside-associated ototoxicity – clinical and preventive aspects. In: Drug Safety, 2021; 44: 1153–1165.

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