K59.1 – Funktionelle Diarrhoe: Ursachen & Therapie
K59.1 ist der ICD-10-Code für funktionelle Diarrhoe – eine chronische Durchfallerkrankung ohne organische Ursache. Sie ist gekennzeichnet durch häufigen, weichen oder wässrigen Stuhlgang.
Wissenswertes über "K59.1"
K59.1 ist der ICD-10-Code für funktionelle Diarrhoe – eine chronische Durchfallerkrankung ohne organische Ursache. Sie ist gekennzeichnet durch häufigen, weichen oder wässrigen Stuhlgang.
Was bedeutet der ICD-10-Code K59.1?
Der ICD-10-Code K59.1 steht für funktionelle Diarrhoe (funktioneller Durchfall). Es handelt sich um eine chronische Darmstörung, bei der Patienten regelmäßig weichen oder wässrigen Stuhlgang haben, ohne dass eine organische, strukturelle oder biochemische Ursache nachgewiesen werden kann. Die Diagnose wird nach den Rom-IV-Kriterien gestellt und gehört zur Gruppe der funktionellen Darmerkrankungen.
Ursachen und Risikofaktoren
Funktionelle Diarrhoe entsteht durch eine gestörte Darmmotilitt (Darmbewegung) und eine veränderte Darm-Hirn-Achse. Mögliche begünstigende Faktoren sind:
- Psychischer Stress und Angststörungen
- Ernährungsgewohnheiten (z. B. hoher Koffein- oder Zuckeralkoholkonsum)
- Veränderungen des Darmmikrobioms
- Vorangegangene Magen-Darm-Infektionen (postinfektiöse funktionelle Diarrhoe)
- Genetische Veranlagung
- Hormonschwankungen (häufiger bei Frauen)
Symptome
Das Leitsymptom von K59.1 ist chronischer oder wiederkehrender Durchfall ohne Schmerzen als Hauptbeschwerde. Typische Merkmale sind:
- Mehr als drei weiche oder flüssige Stühle pro Tag
- Dringlicher Stuhldrang
- Gefühl der unvollständigen Entleerung
- Blähungen und Bauchdruck
- Keine Blutbeimengungen im Stuhl
- Keine signifikante Bauchschmerzkomponente (im Unterschied zum Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe-Typ)
Diagnose
Die Diagnose der funktionellen Diarrhoe ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass organische Erkrankungen zuvor ausgeschlossen werden müssen. Typische diagnostische Maßnahmen umfassen:
- Detaillierte Anamnese und körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchungen (z. B. Entzündungsmarker, Schilddrüsenwerte, Zoliakie-Antikörper)
- Stuhluntersuchungen (Erreger, Calprotectin)
- Koloskopie (Darmspiegelung) zum Ausschluss von Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Kolorektalkarzinom
- Anwendung der Rom-IV-Kriterien: Weicher oder wässeriger Stuhlgang bei mehr als 25 % aller Stuhlgänge, ohne vorherrschende Bauchschmerzen
Behandlung
Die Therapie der funktionellen Diarrhoe richtet sich nach der Schwere der Beschwerden und den individuellen Auslösern:
Ernährungsmaßnahmen
- Reduktion von Koffein, Alkohol und Zuckeralkoholen (z. B. Sorbit, Mannit)
- Low-FODMAP-Diät zur Reduktion fermentierbarer Kohlenhydrate
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Führung eines Ernährungstagebuchs zur Identifikation von Auslösern
Medikamentöse Therapie
- Loperamid: Hemmt die Darmmotilität und reduziert die Stuhlfrequenz
- Gallensäurebindende Mittel (z. B. Colestyramin): Bei gallensäurebedingtem Durchfall
- Probiotika: Können das Darmmikrobiom positiv beeinflussen
- Rifaximin: Nicht resorbierbares Antibiotikum bei Hinweis auf bakterielle Fehlbesiedlung
Psychologische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei stressbedingter Komponente
- Entspannungsverfahren (z. B. progressive Muskelentspannung, Yoga)
- Darm-gerichtete Hypnotherapie
Abgrenzung zum Reizdarmsyndrom (IBS-D)
K59.1 (funktionelle Diarrhoe) und das Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe-Typ (IBS-D, K58.0) ähneln sich, unterscheiden sich aber in einem wesentlichen Punkt: Beim Reizdarmsyndrom stehen Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe im Vordergrund und sind mit dem Stuhlgang verknüpft, während bei K59.1 die Durchfälle ohne relevante Schmerzsymptomatik auftreten.
Quellen
- Lacy, B.E. et al. – Bowel Disorders. Gastroenterology, 150(6):1393–1407 (2016). Rom-IV-Kriterien für funktionelle Darmerkrankungen.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) – ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XI: K59.1 Funktionelle Diarrhoe.
- World Gastroenterology Organisation (WGO) – Global Guidelines: Irritable Bowel Syndrome (2015, updated 2022). Verfügbar unter: www.worldgastroenterology.org
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