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Kiefergelenk: Funktion, Erkrankungen und Behandlung

Das Kiefergelenk verbindet den Unterkiefer mit dem Schädel und ermöglicht Kauen, Sprechen und Mundöffnung. Erkrankungen des Kiefergelenks sind weit verbreitet.

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Wissenswertes über "Kiefergelenk"

Das Kiefergelenk verbindet den Unterkiefer mit dem Schädel und ermöglicht Kauen, Sprechen und Mundöffnung. Erkrankungen des Kiefergelenks sind weit verbreitet.

Was ist das Kiefergelenk?

Das Kiefergelenk (lateinisch: Articulatio temporomandibularis, auch als Temporomandibulargelenk bezeichnet) ist das Gelenk, das den Unterkiefer (Mandibula) mit dem Schläfenbein des Schädels (Os temporale) verbindet. Es handelt sich um eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers, da es sowohl Gleit- als auch Rotationsbewegungen ermöglicht. Beide Kiefergelenke – je eines auf der linken und rechten Seite – arbeiten stets synchron zusammen.

Das Gelenk besteht aus dem Gelenkköpfchen des Unterkiefers (Kondylus), der Gelenkpfanne im Schläfenbein (Fossa mandibularis) sowie einem Gelenkknorpel und einer Bandscheibe (Diskus articularis), die als Puffer zwischen den Knochen dient. Kräftige Kaumuskeln wie der Musculus masseter und der Musculus temporalis steuern die Bewegungen des Gelenks.

Funktionen des Kiefergelenks

Das Kiefergelenk ist an zahlreichen alltäglichen Funktionen beteiligt:

  • Kauen von Speisen
  • Sprechen und Artikulieren
  • Schlucken
  • Mundöffnung und -schließung
  • Seitwärtsbewegungen des Unterkiefers

Da das Kiefergelenk täglich tausendfach belastet wird, ist es anfällig für Verschleiß und Funktionsstörungen.

Erkrankungen des Kiefergelenks

Kiefergelenksdysfunktion (CMD)

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Kiefergelenks. Sie umfasst eine Gruppe von Beschwerden, die Kiefergelenk, Kaumuskulatur und angrenzende Strukturen betreffen. Typische Symptome sind Schmerzen im Kiefer- und Gesichtsbereich, Knacken oder Reiben im Gelenk sowie eingeschränkte Mundöffnung.

Arthrose des Kiefergelenks

Wie andere Gelenke kann auch das Kiefergelenk von Arthrose betroffen sein. Dabei kommt es zu einem degenerativen Abbau des Gelenkknorpels, was Schmerzen, Steifheit und Geräusche beim Bewegen des Kiefers verursachen kann.

Kiefergelenksentzündung (Arthritis)

Eine Arthritis des Kiefergelenks kann im Rahmen systemischer Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis auftreten. Sie führt zu Entzündung, Schwellung und Schmerzen im Gelenk.

Diskusverlagerung

Bei einer Diskusverlagerung ist die Gelenkscheibe (Diskus) aus ihrer normalen Position verschoben. Dies kann Geräusche beim Öffnen und Schließen des Mundes sowie Schmerzen und eine eingeschränkte Mundbeweglichkeit verursachen.

Symptome bei Kiefergelenksproblemen

Beschwerden am Kiefergelenk äußern sich durch eine Vielzahl von Symptomen:

  • Schmerzen im Kiefer, vor dem Ohr oder im Gesicht
  • Knacken, Klicken oder Reiben beim Kauen oder Gähnen
  • Eingeschränkte oder schmerzhafte Mundöffnung
  • Kopfschmerzen und Nackenschmerzen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus) oder Druckgefühl im Ohr
  • Zähneknirschen (Bruxismus) oder -pressen

Diagnose

Die Diagnose von Kiefergelenkerkrankungen erfolgt durch verschiedene Untersuchungsmethoden:

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt oder Zahnarzt tastet das Gelenk ab und beurteilt Mundöffnung und Beweglichkeit.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) liefern detaillierte Einblicke in die Gelenkstrukturen.
  • Funktionsanalyse: Eine spezialisierte zahnärztliche Funktionsdiagnostik untersucht das Zusammenspiel von Kiefer, Muskeln und Zähnen.

Behandlung

Die Behandlung von Kiefergelenksbeschwerden richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Häufig kommen folgende Ansätze zum Einsatz:

Konservative Therapie

  • Aufbissschiene: Eine individuelle Schiene aus Kunststoff schützt das Gelenk und die Zähne, besonders bei Bruxismus.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung und Entspannung der Kaumuskulatur.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Zur Linderung von Schmerzen und Muskelverspannungen.
  • Medikamente: Schmerzmittel, entzündungshemmende Mittel oder Muskelrelaxantien können die Beschwerden lindern.

Zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlung

  • Korrektur von Zahnfehlstellungen oder schlechtem Zahnersatz, die das Kiefergelenk belasten.
  • Okklusionskorrektur (Anpassung des Bisses).

Chirurgische Therapie

In schweren Fällen, die auf konservative Behandlungen nicht ansprechen, kann ein operativer Eingriff am Kiefergelenk notwendig werden. Dazu gehören Arthroskopie (minimalinvasiver Eingriff) oder offene Gelenkoperationen.

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können helfen, das Kiefergelenk zu schützen:

  • Stressabbau, da Stress häufig zu Kieferpressen und -knirschen führt
  • Vermeidung harter oder zäher Speisen bei bestehenden Beschwerden
  • Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
  • Frühzeitige Behandlung von Fehlbissen

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) – Leitlinien zur Craniomandibulären Dysfunktion (CMD), 2022.
  2. Okeson, J.P. – Management of Temporomandibular Disorders and Occlusion, 8. Auflage, Elsevier, 2019.
  3. National Institute of Dental and Craniofacial Research (NIDCR) – Temporomandibular Joint (TMJ) Disorders. Verfügbar unter: https://www.nidcr.nih.gov (abgerufen 2024).

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