M62.2 – Ischämischer Muskelinfarkt: Ursachen & Therapie
M62.2 bezeichnet den ischämischen Muskelinfarkt (ICD-10). Dabei kommt es durch Durchblutungsstörungen zum Absterben von Muskelgewebe.
Wissenswertes über "M62.2"
M62.2 bezeichnet den ischämischen Muskelinfarkt (ICD-10). Dabei kommt es durch Durchblutungsstörungen zum Absterben von Muskelgewebe.
Was ist M62.2 – Ischämischer Muskelinfarkt?
Der ICD-10-Code M62.2 steht für den ischämischen Muskelinfarkt, also das Absterben von Skelettmuskelgewebe infolge einer unzureichenden Blutversorgung. Ähnlich wie beim Herzinfarkt führt die mangelnde Sauerstoffzufuhr zu irreversiblen Schäden im betroffenen Muskelgewebe. Es handelt sich um eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Erkrankung, die vor allem bei Patienten mit vorbestehenden Gefäßerkrankungen oder Diabetes mellitus auftritt.
Ursachen
Die Ursachen des ischämischen Muskelinfarkts sind vielfältig und beruhen meist auf einer Verminderung oder einem vollständigen Unterbrechung der Blutversorgung:
- Arteriosklerose: Verengung der versorgenden Arterien durch Ablagerungen in den Gefäßwänden
- Thrombose oder Embolie: Blutgerinnsel, die Blutgefäße plötzlich verschließen
- Diabetische Mikroangiopathie: Schädigung kleiner Blutgefäße bei Diabetes mellitus
- Kompartmentsyndrom: Druckerhöhung in einer Muskelloge, die die Durchblutung unterbricht
- Vaskulitis: Entzündliche Gefäßerkrankungen
- Schwere Hypotonie: Anhaltend niedriger Blutdruck, der die Muskelversorgung kompromittiert
Symptome
Die klinische Präsentation des ischämischen Muskelinfarkts variiert je nach betroffenem Muskel und Ausmaß der Ischämie:
- Plötzlicher, starker Muskelschmerz im betroffenen Bereich
- Schwellung und Verhärtung des Muskels
- Bewegungseinschränkung der betroffenen Extremität
- Muskelschwund (Atrophie) im weiteren Verlauf
- Allgemeinsymptome wie Fieber und erhöhte Entzündungsparameter bei ausgedehnter Nekrose
- Myoglobinurie: Braunverfärbung des Urins durch freigesetztes Myoglobin (bei ausgedehnter Nekrose)
Diagnose
Die Diagnose des ischämischen Muskelinfarkts erfordert eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Labordiagnostik und bildgebenden Verfahren:
- Laborwerte: Erhöhte Kreatinkinase (CK), Laktatdehydrogenase (LDH) und Myoglobin im Blut als Zeichen einer Muskelschädigung
- MRT (Magnetresonanztomographie): Goldstandard zur Darstellung von Muskelischämie und -nekrose
- Sonographie: Ultraschall zur Beurteilung von Schwellungen und Gewebeveränderungen
- Biopsie: Gewebeentnahme zur histologischen Sicherung bei unklaren Fällen
- Angiographie: Darstellung der Gefäßversorgung bei Verdacht auf Gefäßverschluss
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Grundursache und dem Ausmaß der Muskelschädigung:
Kausal
- Wiederherstellung der Durchblutung durch Revaskularisation (z.B. Thrombolyse, Katheterintervention, Gefäßchirurgie)
- Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Optimierung der Diabeteseinstellung, Gerinnungstherapie)
- Fasziotomie beim Kompartmentsyndrom zur Druckentlastung
Symptomatisch und unterstützend
- Schmerztherapie mit Analgetika
- Ruhigstellung der betroffenen Extremität
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr zum Schutz der Nieren vor Myoglobin-bedingter Schädigung
- Physiotherapie zur Rehabilitation und Erhalt der Muskelfunktion
Prognose
Die Prognose des ischämischen Muskelinfarkts hängt stark von der Ursache, dem Ausmaß der Nekrose und der Schnelligkeit der Behandlung ab. Eine rasche Therapie kann bleibende Funktionseinschränkungen minimieren. Bei ausgedehnten Nekrosen ist jedoch mit dauerhaftem Muskelverlust zu rechnen. In seltenen Fällen kann ein Nierenversagen durch Myoglobinurie auftreten, das intensivmedizinisch behandelt werden muss.
Quellen
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM Version 2024, Kapitel XIII – Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes, Code M62.2.
- Longo, D.L. et al.: Harrison's Principles of Internal Medicine, 20th Edition. McGraw-Hill Education, 2018 – Kapitel zu Muskelerkrankungen und Muskelischämie.
- Grigoriadis, E. et al.: Diabetic Muscle Infarction – A Systematic Review. In: Journal of Diabetes and its Complications, 2000; 14(4): 182–187.
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