Rhabdomyolyse: Ursachen, Symptome & Behandlung
Rhabdomyolyse ist eine ernste Erkrankung, bei der Muskelgewebe zerfällt und schädliche Stoffe ins Blut freigesetzt werden. Sie kann zu akutem Nierenversagen führen.
Wissenswertes über "Rhabdomyolyse"
Rhabdomyolyse ist eine ernste Erkrankung, bei der Muskelgewebe zerfällt und schädliche Stoffe ins Blut freigesetzt werden. Sie kann zu akutem Nierenversagen führen.
Was ist Rhabdomyolyse?
Die Rhabdomyolyse ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, bei der Skelettmuskelzellen absterben und deren Inhaltsstoffe in die Blutbahn freigesetzt werden. Besonders gefährlich ist dabei das Protein Myoglobin, das in hohen Mengen die Nieren schädigen und zu einem akuten Nierenversagen führen kann. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: "rhabdo" bedeutet Stab (für die stabförmigen Muskelfasern), "myo" steht für Muskel und "lyse" für Auflösung.
Ursachen
Rhabdomyolyse kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Man unterscheidet traumatische und nicht-traumatische Ursachen:
Traumatische Ursachen
- Schwere körperliche Verletzungen (z. B. Crush-Syndrom bei Unfällen)
- Langandauerndes Liegen ohne Bewegung (z. B. nach Bewusstlosigkeit)
- Elektrounfälle oder Verbrennungen
Nicht-traumatische Ursachen
- Übermäßige körperliche Belastung (z. B. extremes Sport- oder Trainingspensum)
- Medikamente, insbesondere Statine (Cholesterinsenker) und bestimmte Antibiotika
- Drogen- oder Alkoholmissbrauch
- Infektionen (z. B. Grippe, COVID-19)
- Stoffwechselerkrankungen (z. B. Hypokaliämie, Hyponatriämie)
- Genetische Muskelerkrankungen
- Hyperthermie (Hitzschlag) oder Hypothermie
Symptome
Die Symptome der Rhabdomyolyse können variieren und sind nicht immer eindeutig. Häufige Anzeichen sind:
- Muskelschmerzen, -schwäche oder -steifheit
- Dunkler, brauner oder rotbrauner Urin (Myoglobinurie) – ein wichtiges Warnsignal
- Geschwollene oder druckempfindliche Muskeln
- Allgemeine Schwäche und Müdigkeit
- Verminderter Urinausstoß bis hin zur Anurie (kein Urin)
- Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit (bei schweren Verläufen)
Beachte: In leichten Fällen können Symptome sehr mild sein oder fehlen, weshalb Laboruntersuchungen entscheidend sind.
Diagnose
Die Diagnose wird hauptsächlich über Blut- und Urinuntersuchungen gestellt:
- Kreatinkinase (CK): Ein deutlich erhöhter CK-Wert im Blut ist der wichtigste Marker. Bei Rhabdomyolyse sind die Werte oft mehr als 5-fach über dem Normalwert erhöht.
- Myoglobin im Urin: Nachweis von Myoglobin im Urin bestätigt den Muskelfaserzerfall.
- Nierenwerte: Kreatinin und Harnstoff werden zur Beurteilung der Nierenfunktion gemessen.
- Elektrolyte: Kalium, Kalzium und Phosphat können durch den Zellzerfall stark verändert sein.
- EKG: Zur Überwachung von Herzrhythmusstörungen, insbesondere bei Hyperkaliämie.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und dem Ausmaß der Nierenbeteiligung:
Allgemeine Maßnahmen
- Aggressive Flüssigkeitszufuhr (intravenöse Infusion mit Kochsalzlösung) ist die wichtigste Therapie. Sie fördert die Ausscheidung von Myoglobin über die Nieren.
- Beseitigung der auslösenden Ursache (z. B. Absetzen des auslösenden Medikaments)
- Überwachung der Nierenfunktion und Elektrolyte
Bei schwerem Verlauf
- Dialyse: Wenn die Nieren versagen und keine ausreichende Eigenausscheidung mehr möglich ist, kann eine vorübergehende Dialysebehandlung notwendig werden.
- Intensivmedizinische Betreuung bei Multiorganversagen
Komplikationen
Unbehandelt kann Rhabdomyolyse zu schwerwiegenden Folgen führen:
- Akutes Nierenversagen (häufigste und gefährlichste Komplikation)
- Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss im Blut) mit Herzrhythmusstörungen
- Disseminierte intravasale Koagulation (DIC) – eine Gerinnungsstörung
- Kompartmentsyndrom (Druckerhöhung im Muskelgewebe)
- Multiorganversagen in schweren Fällen
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und sofortiger Behandlung ist die Prognose bei Rhabdomyolyse in der Regel gut. Die meisten Patienten erholen sich vollständig, wenn die auslösende Ursache beseitigt wird und die Nierenfunktion rechtzeitig geschützt wird. Schwere Fälle mit Multiorganversagen haben jedoch eine ernsthaftere Prognose.
Quellen
- Bosch X, Poch E, Grau JM. Rhabdomyolysis and acute kidney injury. New England Journal of Medicine. 2009;361(1):62-72.
- Zimmerman JL, Shen MC. Rhabdomyolysis. Chest. 2013;144(3):1058-1065.
- World Health Organization (WHO). Management of renal failure in resource-limited settings. Geneva: WHO Press, 2016.
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