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Sinus pilonidalis – Ursachen, Symptome & Behandlung

Der Sinus pilonidalis ist eine chronische Erkrankung in der Steißbeingegend, bei der sich eine Zyste oder Fistel mit eingewachsenen Haaren bildet. Er verursacht Schmerzen und Entzündungen.

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Wissenswertes über "Sinus pilonidalis"

Der Sinus pilonidalis ist eine chronische Erkrankung in der Steißbeingegend, bei der sich eine Zyste oder Fistel mit eingewachsenen Haaren bildet. Er verursacht Schmerzen und Entzündungen.

Was ist ein Sinus pilonidalis?

Der Sinus pilonidalis (auch Pilonidalsinus, Pilonidalzyste oder umgangssprachlich Steißbeinfistel genannt) ist eine chronische Erkrankung, die sich in der Rima ani – also der Gespalte zwischen den Gesäßbacken – im Bereich des Steißbeins entwickelt. Es handelt sich um einen Gang oder eine Zyste unter der Haut, in der sich Härchen, Hautschuppen und Wundsekret ansammeln. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen: "sinus" bedeutet Höhle und "pilonidalis" bedeutet "Nestchen aus Haaren".

Ursachen

Die genaue Entstehung des Sinus pilonidalis ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch gelten folgende Faktoren als wichtigste Ursachen:

  • Eingewachsene Haare: Abgebrochene oder lose Haare bohren sich durch Reibung und Druck in die Haut ein und bilden einen Fremdkörperkanal.
  • Mechanische Belastung: Langes Sitzen, z. B. im Büro oder beim Fahren, erhöht den Druck auf die Steißbeinregion.
  • Starke Behaarung: Menschen mit kräftigem, dunklem Haarwuchs sind häufiger betroffen.
  • Übergewicht: Erhöhtes Körpergewicht begünstigt die Entstehung durch verstärkte Reibung.
  • Schlechte Hygienegewohnheiten oder starkes Schwitzen können das Risiko erhöhen.
  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung wird beobachtet.

Symptome

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und reichen von einem beschwerdefreien Verlauf bis hin zu starken Schmerzen:

  • Schmerzen und Druckgefühl im Steißbeinbereich, besonders beim Sitzen
  • Schwellung, Rötung und Wärme in der betroffenen Region (Zeichen einer Entzündung)
  • Spontan ablaufendes Sekret (Eiter oder klare Flüssigkeit) aus einer kleinen Öffnung in der Haut
  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl bei akutem Abszess
  • Kleine Grubchen oder Poren ("Pits") in der Mittellinie der Steißbeinregion

Im akuten Stadium spricht man von einem Pilonidalabszess, bei dem eine schmerzhafte Eiteransammlung vorliegt. Im chronischen Stadium bestehen dauerhaft Fistelgänge mit wiederkehrenden Sekretionen.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt, das heißt durch eine körperliche Untersuchung:

  • Inspektion: Der Arzt oder die Ärztin betrachtet die Steißbeinregion und sucht nach typischen Grubchen, Fistelöffnungen oder Entzündungszeichen.
  • Palpation: Abtasten des betroffenen Bereichs zur Beurteilung von Ausdehnung und Schmerzhaftigkeit.
  • Bildgebung: In komplizierten Fällen kann eine Ultraschalluntersuchung oder ein MRT eingesetzt werden, um die Ausdehnung der Fistelgänge darzustellen.
  • Differenzialdiagnose: Andere Erkrankungen wie ein Perianalhautabszess, eine Furunkel oder ein Sakraldermoid müssen ausgeschlossen werden.

Behandlung

Akute Behandlung

Bei einem akuten Abszess ist die sofortige Entlastung durch eine chirurgische Inzision (Einschnitt und Drainage) notwendig. Dies erfolgt in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung und verschafft schnelle Schmerzlinderung.

Operative Therapie

Da der Sinus pilonidalis nach einer einfachen Drainage häufig wieder auftritt, ist eine definitive operative Behandlung meist erforderlich. Folgende Operationsverfahren stehen zur Verfügung:

  • Exzision mit offener Wundbehandlung: Das erkrankte Gewebe wird komplett entfernt und die Wunde heilt offen von innen heraus. Heilungsdauer: mehrere Wochen bis Monate.
  • Exzision mit primärem Wundverschluss: Die Wunde wird nach Entfernung des erkrankten Gewebes sofort genäht. Kürzere Heilungszeit, jedoch höheres Rückfallrisiko.
  • Plastische Lappenoperationen (z. B. Limberg-Lappen, Karydakis-Verfahren): Das Gewebe wird umstrukturiert, um die Rima ani zu verflachen und das Rückfallrisiko zu minimieren. Gilt bei ausgedehntem oder rezidivierendem Befund als Methode der Wahl.
  • Sinusektomie (minimalinvasiv): Schonende Entfernung der Fistelgänge mit kleinen Schnitten, z. B. mittels Pit-Picking-Technik.

Nicht-operative Unterstützung

  • Regelmäßige Haarentfernung in der Steißbeinregion (Rasur, Laser) zur Vorbeugung von Rückfällen
  • Gründliche Hygiene der betroffenen Region
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Sitzkissen zur Druckentlastung

Prognose

Der Sinus pilonidalis neigt ohne Behandlung zu chronischem Verlauf und häufigen Rückfällen. Nach operativer Behandlung, insbesondere mit plastischen Lappenverfahren, ist die Prognose gut. Eine konsequente Nachsorge und Haarentfernung reduzieren das Rückfallrisiko erheblich. Die Erkrankung tritt vorwiegend bei jungen Männern zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) – Leitlinie Sinus pilonidalis (2020). Verfügbar unter: www.dgk.de
  2. Stauffer VK et al. – Classification of Pilonidal Sinus Disease and Its Clinical Implications. World Journal of Surgery, 2018; 42(7):2064–2070.
  3. Iesalnieks I, Ommer A – The management of pilonidal sinus. Deutsches Ärzteblatt International, 2019; 116(1–2):12–21.
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