Diskektomie – Bandscheiben-OP erklärt
Die Diskektomie ist ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung eines Bandscheibenvorfalls, der Nerven komprimiert und Schmerzen oder Lähmungen verursacht.
Wissenswertes über "Diskektomie"
Die Diskektomie ist ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung eines Bandscheibenvorfalls, der Nerven komprimiert und Schmerzen oder Lähmungen verursacht.
Was ist eine Diskektomie?
Die Diskektomie (auch: Discektomie) ist ein neurochirurgischer oder orthopädischer Eingriff, bei dem ein vorgefallener oder stark degenerierter Teil einer Bandscheibe (lat. Discus intervertebralis) operativ entfernt wird. Ziel des Eingriffs ist es, Druck von den umliegenden Nervenstrukturen – insbesondere dem Rückenmark oder einzelnen Nervenwurzeln – zu nehmen und dadurch Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen zu lindern.
Bandscheiben befinden sich zwischen den einzelnen Wirbelkörpern der Wirbelsäule und wirken als Stoßdämpfer. Wenn der gallertartige Kern (Nucleus pulposus) durch den äußeren Faserring (Anulus fibrosus) austritt, entsteht ein Bandscheibenvorfall (Prolaps), der Nerven einengen und erhebliche Beschwerden verursachen kann.
Indikationen
Eine Diskektomie wird in der Regel dann empfohlen, wenn konservative Therapien – wie Physiotherapie, Schmerzmedikamente oder Injektionen – nach einem ausreichenden Zeitraum keine ausreichende Linderung gebracht haben oder wenn neurologische Ausfälle vorliegen. Typische Indikationen sind:
- Bandscheibenvorfall mit anhaltenden, starken Nervenschmerzen (Radikulopathie), z. B. Ischialgie
- Motorische Schwäche oder Lähmung eines Beines oder Arms infolge eines Nervenwurzeldrucks
- Kaudasyndrom (Kompression des Cauda-equina-Nervengeflechts) als Notfallindikation
- Bandscheibenprolaps mit nachgewiesener Nervenkompression im MRT
Arten der Diskektomie
Mikrodiskektomie
Die Mikrodiskektomie ist das am häufigsten angewandte Verfahren. Unter dem Operationsmikroskop werden über einen kleinen Hautschnitt (ca. 2–4 cm) die Rückenmuskulatur beiseitegeschoben und das vorgefallene Bandscheibengewebe präzise entfernt. Dieses minimalinvasive Vorgehen schont umliegendes Gewebe und bietet kurze Genesungszeiten.
Endoskopische Diskektomie
Bei der endoskopischen Diskektomie wird ein dünnes Endoskop mit Kamera durch einen sehr kleinen Schnitt eingeführt. Der Eingriff ist noch minimalinvasiver und wird zunehmend eingesetzt, erfordert jedoch spezielle chirurgische Erfahrung.
Offene Diskektomie
Die klassische offene Diskektomie erfolgt über einen größeren Schnitt und bietet dem Chirurgen direkten Zugang zur betroffenen Wirbelsäulenregion. Sie wird bei komplexen Fällen oder bei gleichzeitig geplanter Wirbelsäulenstabilisierung eingesetzt.
Ablauf der Operation
Der Eingriff findet in der Regel in Vollnarkose statt und dauert je nach Methode und Komplexität zwischen 30 Minuten und 2 Stunden. Der Patient liegt dabei meist in Bauchlage. Nach dem Zugang zur Wirbelsäule wird das vorgefallene oder schädigende Bandscheibengewebe unter mikroskopischer oder endoskopischer Sicht entfernt. Anschließend wird die Wunde schichtweise verschlossen.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach einer Mikrodiskektomie können viele Patienten das Krankenhaus bereits nach 1–3 Tagen verlassen. Die Rehabilitation umfasst:
- Physiotherapie zur Stärkung der Rückenmuskulatur
- Schonung schwerer körperlicher Aktivitäten für mehrere Wochen
- Schmerzmanagement und Wundkontrolle
- Schrittweise Steigerung der Belastung unter ärztlicher Anleitung
Die vollständige Erholung dauert meist 4–12 Wochen, abhängig vom Ausmaß des Eingriffs und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.
Chancen und Risiken
Studien zeigen, dass die Diskektomie bei geeigneten Patienten in über 80–90 % der Fälle zu einer deutlichen Schmerzreduktion führt. Dennoch sind wie bei jedem chirurgischen Eingriff Risiken vorhanden:
- Infektionen (Wund- oder Bandscheibeninfektion)
- Blutungen oder Hämatome
- Verletzung von Nervenwurzeln oder des Rückenmarks
- Rezidiv-Bandscheibenvorfall (erneuter Vorfall)
- Narbengewebebildung um Nerven (Epiduralfibrose)
- Allgemeine Anästhesierisiken
Quellen
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – Leitlinie Bandscheibenvorfall (2023), awmf.org
- Peul WC et al. – Surgery versus prolonged conservative treatment for sciatica. New England Journal of Medicine, 2007; 356(22): 2245–2256.
- Deyo RA, Mirza SK – Herniated Lumbar Intervertebral Disk. New England Journal of Medicine, 2016; 374(18): 1763–1772.
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